Keine Zinswende bei Tagesgeld

Die Zinserhöhung bei Tagesgeld ist vertagt – Eine Analyse

Anfang Februar war sie greifbar nah, die Wende der Geldmarktzinsen und damit auch ein potenzieller Anstieg von Tagesgeld- und Festgeldzinsen. Offenbar haben mehrere Faktoren einfach ungünstig auf die Zinsentwicklung eingewirkt.

 

Zinserhöhung später

Dabei sah es zunächst gut aus: Viele Banken haben vorzeitig Kredite aus den längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (LTRO Geschäften, Dicke Bertha) mit der EZB aus 20111 und 2012 zurückgezahlt. Die EZB hatte den Banken damals rund 1 Billion Euro für die Laufzeit von 3 Jahren zum Leitzins zur Verfügung gestellt. Durch die vorzeitige Rückzahlung sollte die Liquidität im Bankensektor abnehmen und dadurch wiederum die Zinsen ansteigen.

Dazu schreibt auch die EZB in ihrem Monatsbericht vom Februar 2013: „….zurückzuführen, dass die Marktteilnehmer angesichts der erwarteten Entwicklung der Liquiditätsbedingungen mit einem Anstieg der Zinsen rechneten“.

Bereits im Januar 2013 war ein leichter Anstieg der Geldmarktzinsen über den EONIA-Zinssatz zu verzeichnen gewesen.

Wie die EZB aber in ihrem Monatsbericht analysiert, ist offenbar die Überschussliquidität der Banken immer noch zu hoch, um direkt ein Ansteigen der Geldmarktzinsen zu bewirken. Erst wenn die Überschussliquidität in den Bereich von 100 bis 200 Milliarden Euro fällt, sollten signifikante Auswirkungen auf die Zinsen erfolgen. Die EZB bemerkt dazu „Allerdings sind die Rückzahlungsvolumen gegenwärtig noch zu niedrig, als dass sie sich nennenswert auf die kurzfristigen Geldmarktsätze auswirken.“

 

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Das Problem dabei ist nur: Die Tagesgeld Zinsen sind nicht nur nicht gesteigen oder konstant geblieben, sondern im Gegenteil sie haben weiter abgenommen. In den ersten zwei Februarwochen haben allein die folgenden Banken die Tagesgeld Zinsen in der einen oder anderen Form gesenkt: ING DiBa, Mercedes Benz Bank, MoneYou, RaboDirect, VW Bank und 1822direkt.

Die lettische AS „Privatbank“ hat ihr Tagesgeldprodukt komplett vom Markt genommen.

Dem stehen drei positive Nachrichten gegenüber: die DAB und die IKANO-Bank sind mit eigenständigen Tagesgeldkonto neu am Markt und bieten attraktive 1,85% bzw. 1,86% an. Am 18. Februar ist die Renault Bank direkt erstmals mit einem Tagesgeld Angebot am Markt. Hier gibt es 1,85% ab dem ersten Euro.

Damit haben viele etablierte Tagesgeld Anbieter die Zinsen gesenkt, wenn auch nur mäßig. Die neuen Anbieter offerieren Zinssätze im oberen Drittel des Marktes. Denn nur haben Sie eine Chance auf Neukunden.

Euro Währungszone mit Problemen

Diese Zinsentwicklung kann kaum durch die Liquiditätsverschiebungen erklärt werden. Dagegen scheint die im Februar wieder aufgekommene Sorge um die EU-Schuldenkrise die Tagesgeld Zinsen weiter zu drücken.

Die Aussicht auf eine Wiederkehr von Silvio Berlusconi als Regierungschef in Italien und der damit befürchtete Reformstopp, sowie die Korruptionsvorwürfe an die Regierung in Spanien wirken sich negativ aus. Zypern braucht eine Finanzspritze von 5 bis 8 Milliarden Euro zur Stützung des angeschlagenen Bankensystems und weltweit gibt es einen Wettlauf der Währungsabwertung, wodurch aktuell die Exporte der Europäer relativ teuer geworden sind.