Binnenwährung €: Ist der zyprische Euro nicht weniger wert

Wird der zyprische euro zur Binnenwährung?

Zypern, so klein die Insel ist, sorgt im Euroraum auch nach der bisher getroffenen Rettungsvereinbarung immer noch für Furore. Zahlreiche Experten sehen eine Zweiteilung des Euro. Obwohl es eine Währung ist, wurden durch die Maßnahmen zur Verhinderung einer Kapitalflucht aus Zypern zwei Währungen geschaffen, eine frei konvertierbare und eine nicht mehr konvertierbare, nämlich den Euro auf zyprischen Bankkonten.

 

Faktisch ist der zyprische Euro weniger wert, als ein Euro, der auf einem Konto einer deutschen Bank liegt. Einige Branchenkenner gehen sogar soweit, dass sie Zypern nicht mehr als vollwertiges Mitglied der Europäischen Union sehen. Während im Rest des Euroraums Kapital frei transferiert werden kann, ist Zypern mit seiner eingeschränkten Liquidität kein vollwertiger Teilnehmer am Kapitalmarkt und im internationalen Geschäft mehr. Normalerweise steigt der Preis eines Gutes, wenn die Verfügbarkeit eingeschränkt ist. Die Überlegung, dass der Euro in Zypern nun mehr wert wird, trifft allerdings nicht zu.

 

Wird Zypern zum Binnenmarkt innerhalb der EU?

Tatsache ist vielmehr, dass weniger Geld in Umlauf kommen kann. Dies betrifft gerade den grenzüberschreitenden Kapitalverkehr. Für die Banken bedeutet dies, dass sie einerseits eine recht gute Kontrolle ihrer Liquidität haben, da es den Anlegern nicht mehr ohne Weiteres möglich ist, über die Guthaben zu verfügen. Für ausländische Anleger ist es andererseits allerdings langfristig uninteressant geworden, Gelder nach Zypern zu transferieren. Insofern ist im günstigsten Fall kurzfristig ein Patt in den Zahlungsströmen entstanden.

Mittelfristig wird aber das Gros der Anleger, gerade aus dem Ausland, in den gesetzlich zulässigen Schritten das Guthaben wieder abziehen. Da voraussichtlich kein weiterer Mittelzufluss mehr von außen erfolgen wird, müssen die zyprischen Banken verstärkt auf die Refinanzierungsangebote der EZB zurückgreifen. Mit dem Einschnitt in die freie Konvertierbarkeit wurden die in Zypern liegenden Euros faktisch zu einer Binnenwährung, die sich jetzt in einem gewissen Rahmen in einem geschlossenen Geldkreislauf bewegt. Inwieweit dies zu einer verstärkten Inflation oder Deflation führen wird, ist fraglich. Ebenso fraglich bleibt, ob dirigistische Maßnahmen der Europäischen Zentralbank künftig auf die zyprische Wirtschaft noch Auswirkungen haben werden, oder ob Zypern zur „Zone in der Zone“ wird. Die Beschränkungen werden auf jeden Fall langfristigen Charakter haben, wie auch bereits aus den Andeutungen der zyprischen Regierung zu entnehmen war. Die für den internationalen Geldtransfer festgelegten Höchstbeträge wurden bereits in vierteljährlichen respektive halbjährlichen Volumina definiert.

 

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