Negativzinsen zunächst nur bei Banken im Gespräch

Negativzinsen in Sichtweite?

Die Finanzkrise in Europa führt dazu, dass Termini in den täglichen Sprachgebrauch der Medien einfließen, welche vor einigen Jahren noch völlig unbekannt waren. Einer dieser Begriffe ist Negativzinsen. Mit Zinsen verbinden Anleger eine Gutschrift auf ihre Spareinlagen, ein buchhalterisches Anwachsen ihres Vermögens.

Negativzinsen bewirken jedoch das genaue Gegenteil. Salopp formuliert sparen Verbraucher, um am Ende des Jahres eine Gebühr dafür zu bezahlen, dass sie das Geld zur Bank brachten – eine ausgesprochen unschöne Vorstellung.

 

 

Negativzinsen in zwei Ausprägungen

Um den Begriff Negativzinsen zu erläutern, müssen zwei Szenarien berücksichtigt werden. Das erste Szenario sieht durchaus die Zahlung eines Guthabenzinses auf eine Einlage oder eine Anleihe vor. Der Zinssatz selbst ist positiv, liegt über null. Liegt jedoch die Inflationsrate über dem Nominalzins, wird die Rendite negativ, das Ergebnis ist ein realer Negativzins.

Diese Situation greift seit einigen Jahren in Europa, besonders in Deutschland und führt zu einer langsam wachsenden Verzweiflung bei den Anlegern. Allen Bemühungen zum Trotz gelingt es mit Einlagen und Anleihen erster Bonität kaum noch, einen erfolgreichen Vermögensaufbau zu betreiben.

Neben dem realen Negativzins gibt es noch den nominalen Negativzins. Dieser sieht von Anfang an voraus, dass der Anleger zum Ende der Zinsperiode eine Kommission an die Bank zu entrichten hat, anstelle eine Gutschrift zu erhalten. In der Schweiz ist dies bereits bei Konten für Ausländer gängige Praxis. Hierzulande ist diese Thematik für Privatkunden noch lange nicht auf der Agenda, im Interbankengeschäft nimmt sie jedoch erste Konturen an.

 

Europäische Zentralbank mit ersten Gedankenspielen

Mario Draghi und seinen Kollegen gehen langsam die Ideen aus, wie die Wirtschaftskrise in Europa in den Griff zu bekommen ist. Die Senkung des Leitzinses auf das historische Niveau von 0,5 Prozent hat noch nicht den gewünschten Erfolg gebracht, eine erneute Zinssenkung steht bereits im Raum. Der Zentralbankrat denkt jedoch bereits über weitere Schritte nach, um Druck auf die Banken in Europa auszuüben. Der Plan lautet, auf Einlagen bei der Zentralbank künftig einen zusätzlichen Zinssatz zu erheben, um auf diesem Weg die für die Wirtschaft so notwendigen liquiden Mittel in den Wirtschaftssektor zu pumpen. Die Einlagefazilität würde dann auf unter Null Prozent gesenkt. Experten sehen diesen Plan allerdings mit großer Skepsis, eine Umsetzung scheint eher fraglich.

 

Update: Und dann hier die Umsetzung – die EZB führt Negativzinsen ein.

 

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