Was sind systemrelevante Banken?

Einige Großbanken könnten in Schwierigkeiten geraten und das Finanzsystem gefährden

Seit einiger Zeit kursiert der Begriff der sogenannten systemrelevanten Banken. Genau genommen seit dem Zeitpunkt, seit dem die Krisen im Finanzsektor dazu führten, dass ganze Staaten in Schieflage geraten sind. Daraus lässt sich bereits ableiten, welche Institute als systemrelevant gelten, und auf welches System sie Einfluss haben. Gemeint sind damit Kreditinstitute, deren Größe an Bilanzsumme ein solches Volumen aufweisen, dass eine Insolvenz Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft, unter Umständen auf die Weltwirtschaft hätte.


Diese Banken werden weltweit vom Financial Stability Board (FSB), dem  Finanzstabilitätsrat als systemisch eingestuft:

Bank of America Group Crédit Agricole Royal Bank of Scotland
Bank of China Groupe BPCE Santander
Bank of New York Mellon HSBC Société Générale
Barclays ING Bank Standard Chartered
BBVA JP Morgan State Street
BNP Paribas Mitsubishi UFJ FG Sumitomo Mitsui FG
Citigroup Mizuho FG UBS
Credit Suisse Morgan Chase Unicredit Group
Deutsche Bank Morgan Stanley Wells Fargo
Goldman Sachs Nordea

 

Europäische Institute unter den systemrelevanten Banken nur schwach vertreten

Unter den international 29 systemrelevanten Banken sind lediglich acht Geldhäuser aus der Eurozone vertreten, davon steht die Deutsche Bank AG, als alleinige deutsche Vertreterin, zusammen mit der der US-amerikanischen Citigroup und der britischen HSBC allerdings an der Spitze. Alle drei Banken müssen eine Haftquote von aktuell 2,5 Prozent nachweisen können. Erstellt wird diese Liste vom Finanzstabilitätsrat (FSR). Die Haftquoten werden in Gruppen von einer Quote von 3,5 Prozent (Gruppe 5, unbesetzt) bis zu einem Prozent (Gruppe 1) aufgegliedert. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die aktuelle Haftquote unter Umständen nicht ausreichend ist, Ansprüche der Anleger zu decken. Ab dem Jahr 2016 müssen die systemrelevanten Banken daher das haftende Eigenkapital entsprechend heraufsetzen. Ziel ist es, bis zum Jahr 2019 die Quote auf ein Volumen analog zu Grundkapital und Gewinnrücklagen zu kommen.

 

Nationale Ebene differenziert anders

Das Bundesfinanzministerium hat in Deutschland 36 Institute als systemrelevant eingestuft. Diese Unternehmen müssen im Laufe des Jahres 2013 sogenannte Notfallpläne vorlegen, aus denen hervorgehen muss, auf welchem Weg sie sich im Falle einer Insolvenz wieder selbst sanieren können. Ziel ist es natürlich, staatliche Hilfen für zahlungsunfähige Geldhäuser auf null zurückzuschrauben. Die Banken sind gefordert, offenzulegen, welche ihrer geschäftlichen Aktivitäten systemrelevant sind, und in welcher Weise diese Vernetzung erfolgt. Außerdem müssen die Indikatoren benannt werden, welche auf eine Gefährdung des volkswirtschaftlichen Systems hinweisen, wie sie frühzeitig erkannt werden können und welche proaktiven Maßnahmen in diesem Fall greifen sollen.

Ein weiterer Baustein zur Kontrolle der systemrelevanten Banken und frühzeitiger Intervention wird innerhalb der EU die Kontrolle dieser Geldhäuser durch eine europäische Bankenaufsicht ab dem Jahr 2015 werden. Es bleibt allerdings fraglich, ob diese Schritte ausreichend sein würden, um im Falle einer weiteren Bankeninsolvenz die Blaupause Zypern überflüssig werden zu lassen. Nach wie vor ist die Überlegung, die Sparer mit acht Prozent ihrer Einlagen an einer möglichen notwendigen Bankenrettung zu beteiligen nicht vom Tisch. Es bleibt auch die Frage, wie sich die Zwangserhöhung der Haftquote bei den Geldhäusern auf die Verbraucher auswirken wird. Der Begriff der systemrelevanten Banken und die sich daraus ergebenden Sicherungsmaßnahmen dienen allem Anschein nach in erster Linie den Staaten und damit nur indirekt den steuerzahlenden Bürgern. Direkt wären die Sparer jedoch durch die angedachte Zwangsenteignung im Falle einer Insolvenz betroffen.

 

 

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