Persönliche Finanzmanager – Banken entdecken Tool zur Kundenbindung

PFM

Es gibt sie schon lange, die elektronischen Haushaltsbücher. Ganz am Anfang standen die kleinen Helferlein als Exceltools. Gegliedert nach Kostenpositionen, zeigten sie den Familien auf, welche Ausgaben besonders zu Buche schlugen, wo eventuell Einsparpotenzial bestand und ob es im besten Fall einen monatlichen Überschuss im Budget gab.

Aus den Exceltools der Neunziger Jahre entwickelten sich im Laufe der Zeit komplexe BWA-Auswertungen für den Privathaushalt. Jetzt erlebt der PFM, wie der persönliche Finanzmanager von den Fachleuten gern abgekürzt wird eine grosse Renaissance: zur Kundenbindung im Online-Banking.

 

Kontenübersicht ersetzt Haushaltsbuch

Persönliche Finanzmanager integrieren und verknüpfen sowohl die Buchungen und Salden auf den Girokonten als auch die persönlichen Kassenausgaben. Dabei muss zwischen zwei Varianten unterschieden werden.

  • PFM als eigenständige Softwarelösungen
  • PFM als Software-Tool, das in das Online-Banking einer Bank integriert ist

 

Zum einen gibt es bankenunabhängige Software, beispielsweise Quicken. Dieser Veteran unter den persönlichen Finanzmanagern bietet die komplette Übersicht über die Gelder in einer Oberfläche und hilft, die finanzielle Verwaltung zu steuern. Unterteilt in die einzelnen Bereiche der Haushaltsführung und Geldanlage zeigt es auf einen Blick, wie es um die Einnahmen-Ausgabensituation und darüber hinaus um die Liquiditätsentwicklung bestellt ist. Auch die Entwicklung von Depotkonten, oder beispielsweise Festgeldkonten kann analysiert werden.

Neben diesen Tools bieten inzwischen auch Banken einen solchen PFM-Service an. Vorreiter war im Jahr 2000 das Internetportal Moneyshelf der Deutsche Bank AG. Das Portal stellte seine Dienste im Jahr 2002 zugunsten von Max Blue ein, war aber der erste Anbieter eine Kontenaggregation über eine Bank hinweg.

 

Banken haben Finanzmanager neu entdeckt

Mit der Einstellung des Geschäftsbetriebes von Moneyshelf endete erst einmal wieder das bankseitige Angebot, über das eigene Institut hinweg bequem alle Konten in einer Übersicht zu sehen und entsprechend bei Bedarf agieren zu können.

Die Rückkehr der Kontenaggregation, nicht nur bei einer Bank, sondern über mehrere Institute hinweg, feiert inzwischen ein Comeback. Die Kreditinstitute haben realisiert, dass es nicht mehr die ausschließliche Bankverbindung gibt, sondern Kunden heute auf verschiedene Institute zurückgreifen. Um eine Abwanderung zu vermeiden, ist Service das Gebot der Stunde.

Klar im Vorteil sind daher die Geldhäuser, die ihren Kunden einen persönlichen Finanzmanager zur Verfügung stellen, der über das im eigenen Haus geführte Girokonto hinaus auch die Saldierung mit Fremdkonten zulässt. Wird dieser seitens der kontoführenden Bank angebotene Mehrwert erst einmal genutzt, ist die Wahrscheinlichkeit, eine Plattform bei einem anderen Geldhaus zu installieren gering und senkt das Risiko der Abwanderung. Im Gegenteil – trotz Kontenaggregation steigt die Wahrscheinlichkeit, dass andere Konten (rück)übertragen werden.

Für die Kunden stellen persönliche Finanzmanager ein deutliches Plus an Bequemlichkeit im täglichen Banking, in der Kontrolle des Vermögensaufbaus und im Aufdecken von Schwachstellen in der häuslichen Budgetierung dar. Für Banken ist die Renaissance des privaten Finanzmanagements ein weiterer Baustein, die exponential zunehmende Kundenfluktuation in den Griff zu bekommen.