EU Inflation: Eine Union – zwei Euro Inflationsraten

Was ist HVPI,VPI-EWR, VPI-EWU und EVPI?

Euro Inflation aktuell

Aus deutscher Sicht gewinnt neben der Inflationsrate in Deutschland auch die Inflation in Europa zunehmend an Bedeutung. Denn die EZB muss bei ihrer Geldstabilitätspolitik, besonders in der aktuellen Finanzkrise, auf die Brandherde in ihrem Zuständigkeitsbereich achten. Und das sind nun einmal die Partnerländer im Mittelmeerraum.

Grundsätzlich werden für Europa zwei Inflationsraten berechnet:

  • Inflationsrate im Euroraum
  • Inflationsrate der EU

 

 Tagesgeldzinsen Trend kaum Veränderung   Aktuelle Inflationsrate im Euro-Währungsgebiet Januar 2015 = -0,60%

Dezember 0,8%, November 0,9%, September 1,1%, Juni 1,6%, Mai 1,4%, nach 2,2% im Dezember 2012

                EU Inflation 2013 = 1,34%

 

Das Thema Inflation war, ist und wird immer ein Thema sein, das sowohl die Zentralbanken, viel mehr noch die Verbraucher, begleitet. Mit einer gewissen Beruhigung nahmen wir in Deutschland Ende des vergangenen Jahres zur Kenntnis, dass die Inflationsrate im November 2012 in der Bundesrepublik auf 1,9 Prozent gesunken ist. Nun ist Deutschland keine Insel. Die Globalisierung der Wirtschaft führt auch ohne gemeinsame Wirtschaftszonen zu grenzüberschreitenden Auswirkungen volkswirtschaftlicher Tendenzen einzelner Staaten.

Europa ist nicht mehr das Einzelstaatskonglomerat des Mittelalters, sondern eine riesige Wirtschaftszone einzelner, autonomer Staaten. Kerneuropa hat sich darüber hinaus in einer Währungsunion zusammengeschlossen. Aus der Vielzahl der Komponenten ergeben sich für die einzelnen Ebenen unterschiedliche Ergebnisse bein den Wirtschaftsindikatoren. Dies ist die Ursache, dass zum Beispiel die Verbraucherpreise nicht als eine nationalstaatliche oder europäische Größe betrachtet werden, sondern in Bezug auf Europa unterteilt wird in eine Eurozonen Inflationsrate und eine EU Inflationsrate.

 

Unterschiedliche Berechnungsmethoden

Der Ermittlung der Inflationsraten in der Europäischen Union und der Eurozone liegen zwei Berechnungswege zugrunde. Während in der EU auf den Verbraucherpreis Index für den Europäischen Wirtschaftsraum (VPI-EWR) zurückgegriffen wird, ist der Maßstab in der Eurozone der harmonisierte Verbraucherpreis Index (HVPI) Ausgangspunkt. Grund für die Anwendung des HVPI ist die Glättung der Abweichungen in der jeweiligen nationalen Inflationsberechnung. Diese resultiert aus historisch gewachsenen unterschiedlichen Ansätzen bei der Ermittlung des Kaufkraftverlustes. Wesentlichste Ursache für die unterschiedlichen Berechnungen ist die jeweilige Zusammenstellung des Korbes aus Waren und Dienstleistungen, welche als Basis für die Indexentwicklung gelten.

Seitens der Europäischen Zentralbank kommt der dritten Berechnungsgrundlage, dem VPI-EWU, dem Index der Währungsunion, besonderes Gewicht zu. Er spiegelt die Preisentwicklung im gesamten Euroraum grenzübergreifend wider.

Während der HVPI von den Mitgliedsstaaten ermittelt und zur Verfügung gestellt wird, ist es die Aufgabe von Eurostat, VPI-EWR, VPI-EWU und EVPI zu ermitteln.

Ziel der EZB ist es, eine Inflationsrate von zwei Prozent pro Jahr, natürlich mit marginalen Toleranzen zu erzielen. Für die Vergleichsmonate August – November 2011 zu dem abgelaufenen Jahr 2012 ist bei allen drei Indikatoren das Ergebnis, dass die EZB ihr selbst gestecktes Ziel nicht erreicht hat. Abweichungen zwischen 0,2 und 0,5 Prozent sind keine marginalen Toleranzen mehr, sondern, betrachtet auf die aktuelle wirtschaftliche Situation, erhebliche Abweichungen.

 

Arbeitsmarkt in Südeuropa wirkt inflationsbremsend

EU Inflation und Euro Inflation

Ein Arbeitsmarkt, der aufgrund mangelnder Arbeitsplätze keine Gehälter zahlt, ist eine der größten Widersacher des Kaufkraftverlustes. Spanien und Portugal erleben seit einiger Zeit ein Debakel hinsichtlich der Entwicklung der dortigen Arbeitsmärkte. Im Sommer 2012 stieg die Arbeitslosenquote auf 24,6 Prozent. Die Befürchtung, dass durch massiv steigende Gehälter eine Inflation ausgelöst werden könnte, ist weit hergeholt. Sinkende Lohnstückkosten, die anhaltende Rezession und wenig Aussicht auf Besserung halten den Kaufkraftverlust dort auf moderatem Niveau. Inflationsfördernd ist dagegen die Geldpolitik der EZB. Zur Stützung von Banken und Staaten hat sie, auch durch den unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen, riesige Summen in den Geldkreislauf gepumpt, die allerdings zurzeit noch in dem geschlossenen Finanzkreislauf verharren. Die inflationshemmende Situation des Arbeitsmarktes könnte jedoch durch eine Zunahme der Geldmenge bei den privaten Haushalten im günstigsten Fall neutralisiert werden. Auch wenn Südeuropa Teil der Eurozone ist, wäre der inflationshemmende Effekt in Deutschland bei einem Anstieg der Geldmenge hier, nur sekundär. Im ersten Moment würde die Volkswirtschaft „Bundesrepublik Deutschland“, Europa hin oder her, einen massiven Anstieg der Inflationsrate verzeichnen müssen.

 

Die Zahlen für November 2012 im Überblick

Innerhalb der Eurozone teilen sich Deutschland mit Portugal (1,9 %) im November 2012 den dritten Platz hinter Griechenland (0,4 %) und Irland und Frankreich (je 1,6 %). In der europäischen Wirtschaftsunion rutscht Deutschland auf Platz fünf ab, da Schweden mit 0,8 Prozent deutlich besser, Lettland mit 1,5 % noch leicht besser sind. Spitzenreiter innerhalb der EU sind Estland (3,8 %) und Malta (3,6 %). Im Europäischen Wirtschaftsraum, ergänzt um Island und Norwegen, ist Island der kritischste Kandidat. Mit einer Inflationsrate von sechs Prozent liegt der Inselstaat um 3,7 Prozent im November über dem Durchschnitt.

 

Prognose für Euro Inflation 2013

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht in Bezug auf den Kaufkraftverlust für 2013 keinen Grund zur Beunruhigung. Es rechnet damit, dass die Inflation sogar im Jahresdurchschnitt auf 1,75 % sinken wird (Handelsblatt online, 17. 9. 2012). Sorgen bereite vielmehr eine ansteigende Rezession auf der Grundlage des gesamt-europäischen Kontextes. Die Schuldenkrise könne das Wachstum von einem Prozent auf 0,7 Prozent drücken, was automatisch auch einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen bedeute. Die Europäische Kommission legte am 19.11.2012 ihre Erwartungen für 2013 vor.

So rechnet sie mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in der EU um 0,4 Prozent, im enger gefassten Euroraum mit nur 0,1 Prozent. Nach einem Schrumpfen in 2012 ist dies ein erster positiver Indikator. Für die Arbeitslosenquote, die bekanntermaßen ebenfalls Einfluss auf die Inflationsrate hat, sind die Prognosen düsterer. In der EU wird ein Spitzenwert von 10,9 Prozent erwartet, der mit 11,8 Prozent im Euroraum sogar noch übertroffen wird. Der Rückgang wird allerdings bereits für 2014 erwartet, da hier ein stärkerer Anstieg des BIP gesehen wird.

Die Inflationsrate, als Quintessenz der Wirtschaftsdaten, wird als rückläufig erwartet. Für die Europäische Union erwartet man einen Rückgang auf zwei Prozent in 2013, für den Euroraum gar auf 1,8 Prozent. Wie wage Prognosen jedoch sind, zeigt ein Vergleich zwischen der Erwartung der Marktforscher und der Realität. Erwarteten viele Redaktionen noch eine durchschnittliche Inflationsrate von 2 Prozent für das Gesamtjahr innerhalb der EU, so war die Realität mit dem niedrigsten Monatswert von 2,2 Prozent weit davon entfernt.

 

Europäische Zentralbank in der Klemme

Die EZB, stellvertretend für die Europäische Union, nicht nur für die Eurozone, steht vor einer Herkulesaufgabe. Der Forderung einiger Politiker, neben Griechenland auch andere, die Wirtschaftsharmonie störende Länder, aus der Eurozone wieder zu verbannen, steht die Herausforderung gegenüber, die europäische Kris, die auch die Länder in der EU betrifft, zu meistern. Dies bedeutet, auch weniger im Rampenlicht stehende Staaten wie Ungarn, die Baltikumstaaten oder Finnland entsprechend zu unterstützen, und geldpolitische Anreize über die Eurozone zu bieten. Für die Deutsche Bundesbank sind die Aufgaben aufgrund der vier Positionen im „magischen Viereck“, Vollbeschäftigung, niedrige Inflation, stetiges Wirtschaftswachstum und stabiler Außenhandel, klar definiert. Diese Säulen sind für alle Volkswirtschaften identisch, sei es auf nationalstaatlicher Ebene, sei es im Rahmen eines grenzübergreifenden Wirtschaftsraumes, mit oder ohne einheitlicher Währung, der Fall. Der Inflation in Island ebenso beizukommen, wie der horrenden Arbeitslosenzahl in Südeuropa, die restriktive Fiskalpolitik mit der Überschuldung Griechenlands unter einen Hut zu bringen, und dennoch die vier Eckpfeiler der Geldpolitik in gleichem Maße zu berücksichtigen, ist die Aufgabe von Mario Draghi. Zu beneiden ist er bei der herrschenden Ausgangssituation in keiner Weise.

 

News

07.01.2014 Hier finden Sie die Daten zur EU Inflation vom Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat, ESTAT)