Kunst als Geldanlage – Portfolios werden immer diversifizierter

Die Geldanlage in Kunst war in den letzten Jahren oft sehr lukrativ

Die Zeiten, in denen ein Portfolio aus Bundesanleihen, Festgeld, Sparbuch und einigen Aktientiteln bestand, sind schon lange vorbei. Zahlreiche Fonds aus allen Bereichen, seien es geschlossene Flugzeugfonds, Branchen- und Themenfonds der verschiedensten Kapitalanlagegesellschaften und Derivate aller Ausprägungen gehören heute, glaubt man den Anlageberatern der Banken in jedes Depot. Anlegern, denen diese Angebote noch nicht exotisch genug sind, können jedoch auf Nischenalternativen zurückgreifen. Für Weine gibt es inzwischen in London eine eigene Börse, Antiquitäten als langfristiges Investment und Kunst generell entwickeln sich langsam aus ihrem Nischendasein heraus. Dabei nimmt Kunst eine eigene Position ein – die ersten Investmentfonds haben spezielle Kunstfonds aufgelegt.

Auch die Bundesregierung engagiert sich im Kunstbereich mit einer Fördereinrichtung: Der Kunstfonds.

 

China verzeichnet die meisten Neuauflegungen

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2011 wurden alleine 25 neue Kunstfonds aufgelegt, die meisten davon in China. Das gezeichnete Volumen stieg von 760 Millionen US-Dollar im Jahr 2010 auf 960 Millionen US-Dollar im Jahr 2011. Obwohl institutionelle Anleger Kunst als eigener Anlageklasse skeptisch gegenüberstehen, sehen Privatanleger hier eine neue Alternative zu herkömmlichen Investments. Die Institutionellen sehen eine zu große Volatilität des Marktes und eine fehlende Transparenz in der Bewertung der Anlagegüter. Für Anleger, die gelegentlich oder regelmäßig Kunstgegenstände in US Dollar erwerben, kann sich ein Dollar Fremdwährungskonto lohnen. Die Zahlungsabwicklung des Kaufes kann dann direkt über das Dollar konto erfolgen. Zusätzlich sind Kursgewinne (natürlich auch Kursverluste) möglich.

Der jüngst in Luxemburg aufgelegte Fonds Art Collection Fund ist mit ehrgeizigen Zielen angetreten. Rund 60 Millionen Euro sollen pro Jahr in den Fonds einfließen. Geplant ist es laut Fondsmanagement, zeitgenössische Kunst und werthaltige, Unikate Stammeskunst zu erwerben. Die Ankaufsphase ist mit vier Jahren angelegt, nach weiteren sechs Jahren soll mit dem Verkauf der Kunstwerke begonnen werden. Die angestrebte Rendite soll sich im zweistelligen Bereich pro Jahr bewegen. Der Fonds hat allerdings auch noch einen besonderen Mehrwert für die Zeichner. Diese können sich die im Fondsvolumen befindlichen Kunstwerke ausleihen und zu Hause aufhängen. Dass Kunst allerdings immer noch eine Anlageklasse nicht für jedermann ist, zeigt sich in den Einlagevolumina. Der Art Collection Fund setzt eine Mindesteinlage von 500.000 Euro voraus, die jährliche Managementgebühr beträgt zwei Prozent.

 

British Rail Pension Fund immer wieder Trendsetter bei Fonds

Kapitalanlage Bilder

Der British Rail Pension Fund hat immer wieder mit neuen Fondsmodellen von sich reden gemacht. So war er auch der Vorreiter in der Entdeckung von Kunst als Kapitalanlage. In der Zeit zwischen 1974 bis 1989 investierte er insgesamt über 40 Millionen Pfund in mehr als 2.400 Kunstwerke. Dazu zählten zeitgenössische Kunst, Werke alter Meister, Skulpturen, Impressionisten und chinesische Keramik. Obwohl in der späteren Verkaufsphase eine inflationsbereinigte Rendite von 11,3 Prozent pro Jahr erzielt wurde, kam diese nicht an die damaligen Wertschöpfungen an den Börsen heran.

Negative Erfahrungen machte dagegen die DG Bank Luxemburg. Nach nur drei Jahren am Markt musste sie ihren offenen Kunstfonds wieder schließen. Nachteilig am Kunstfonds sind die mangelnden Vergleiche in Bezug auf Performance. Kunstfonds sind eine Welt für sich, die nach wie vor nur wenigen Anlegern genutzt werden. Das Ziel, damit auch Menschen für Kunst zu begeistern, die sonst einen eher geringen Zugang zu den Werken alter Meister oder aufstrebender zeitgenössischer Künstler haben. Kunstfonds sind für Anleger geeignet, die über genügend „Spielgeld“ verfügen, um dieses auch einmal langfristig zur Seite zu legen. Für den Durchschnittsanleger ist Kunst als Portfoliobeimischung schon aufgrund der hohen Einstiegsvolumina bei den geschlossenen Fonds eher weniger als Anlageklasse empfehlenswert.

 

Antiquitäten – ein exclusives Investment benötigt Sachverstand

War der Erwerb von Antiquitäten früher überwiegend Sammlern vorbehalten, die weniger an Renditen oder Profitmaximierung dachten, so finden sich die guten Stücke heute immer mehr im Fokus von Anlegern, die nach Alternativen zu den herkömmlichen Kapitalmarktinstrumenten suchen. Allerdings bergen Antiquitäten die gleichen Risiken, wie die Anlage in andere physische „Basiswerte“ – sie sind Preisschwankungen unterworfen. Wer vor vielen Jahren vielleicht einmal einen Biedermeiersekretär erworben hat, oder Meißner Porzellan im Schrank der Großmutter entdeckte und an den zeitlosen Wert glaubte, erlebt heute ein unschönes Erwachen. Antiquitäten sind aktuell so günstig wie selten zu vor. Spricht man von Antiquitäten als Anlageklasse, kann man sagen, der Markt ist am Boden.

 

Die Generation der Erben mistet aus

Geldanlage Teppich

Was vor einigen Jahren begann, setzt sich heute immer noch fort. Die deutsche Bevölkerung besteht zu einem großen Teil aus der Generation der Erben. Die Generation der heute 50-Jährigen, aufgewachsen mit schwedischen Möbelhäusern, setzt innenarchitektonisch andere Akzente als die Eltern. Was für diese noch eine echte Investition war, beispielsweise der Sekretär mit Intarsienarbeit als Schmuckstück im Wohnzimmer, wird von den Nachkommen als „nett“, aber durchaus verkäuflich eingestuft.

Für die Eltern unverkäuflich, sind diese Möbel für die Kinder unnötiger Ballast, von dem es sich zu trennen gilt. Zielten die früheren Generationen bei einer Möbelanschaffung auf einen Erwerb für das Leben ab, ist die heutige Generation eher an einem zeitweiligen Wechsel des Mobiliars und, vor allem, an einer einfachen Transportfähigkeit interessiert. Berufliche Mobilität setzt auch bei der Einrichtung Akzente. Und genau darin liegt die Krux in Bezug auf die Marktpreise. Zu viele Erben werfen aktuell regelrecht zu viele antike Möbelstücke oder Accessoires auf den Markt.

Für Käufer bedeutet dies paradiesische Zustände. Wurden in den neunziger Jahren für einen Biedermeierstuhl noch 800 DM bezahlt, so ist dieses Stück heute bereits für 150 Euro erhältlich. Viele Verkäufer von Antiquitäten können oder wollen diesen Preisverfall nicht wahrhaben. Der Umstand, dass alte Möbel immer älter und damit immer teurer werden, hat sich als trügerisch herausgestellt. Experten beziffern den Preisverfall im Vergleich zur Jahrtausendwende mit 40 Prozent. Einen günstigeren Einstiegszeitpunkt können sich potenzielle Investoren kaum wünschen.

 

Vorsicht vor Durchschnittsware

Der Umstand, dass der Markt mit antiken Stücken überflutet wird, führt zwangsläufig dazu, dass auch Massenware angeboten wird. Diese sieht zwar hübsch aus, ist auch durchaus antik, aber eben Massenware und als Geldanlage nicht geeignet. Für wirklich ausgefallene Arbeiten, beispielsweise 18. Jahrhundert, zahlen Sammler durchaus sechsstellige Summen. Diese Stücke finden aber kaum den Zugang zu einem deutschen Durchschnittshaushalt.

Für diesen bleibt in der Regel nur der Weg über die zahlreicher erhältlichen Gegenstände, die dann aber im Preis auch nicht die Wertsteigerungen erzielen, wie die Exemplare der wirklichen alten Meister. Käufer, die ihre moderne Einrichtung mit einem Blickfang aus dem vergangenen Jahrhundert perfektionieren wollen, sollten bei der Auswahl jedoch vorsichtig sein. Das Zollrecht definiert den Begriff „antik“ mit einer mindestens hundertjährigen Historie des Gutes, aber im Grunde kann alles Alte von einem „Antiquitätenhändler“ als antik auf den Markt geworfen werden. Bei der Auswahl bietet die Expertise eines seriösen Händlers die Grundlage, auch ein Schnäppchen machen zu können, ohne über den Tisch gezogen zu werden. Der künftige Wert des Investments steht und fällt, wie bei einer Immobilie, mit der Qualität des Möbelstückes oder des Wohnaccessoires.