Spread bei Aktien, DAX und Börse allgemein

Der Unterschied zwischen dem Geldkurs und Briefkurs wird als Spread bezeichnetDer englische Bregriff Spread bedeutet in der wörtlichen Übersetzung Bandbreite oder Differenz. In einer Volkswirtschaft gibt der Begriff die Preisspanne zwischen zwei ökonomischen Größen an, die miteinander vergleichbar sind.

An der Börse bezeichnen die Händler mit dem Ausdruck die Geld-Brief-Spanne, also den Unterschied zwischen dem Ankaufskurs und dem Verkaufskurs von Wertpapieren.

Der Geldkurs wird auf Englisch als Bid bezeichnet, während der Briefkurs mit Ask übersetzt wird. Daher kennen die Teilnehmer die Geld-Brief-Spanne auch unter dem englischen Begriff Bid-Ask-Spread. Wenn ein Anleger ein Finanzprodukt kauft und sofort wieder verkauft, stellt der Spread, ohne Berücksichtigung der sonstigen Handelskosten, den Verlust dar, den der Investor mit der Aktion erleidet. Gleichzeitig zählen Spreads zu den Transaktionskosten im Wertpapierhandel.

Die Redaktion sieht beim Spread ein von den Medien nicht beachteten Kostenfaktor bei den Depotkosten. In einem Depot Vergleich werden üblicherweise die direkten Depotkosten  und die Ordergebühr als Rankingkriterium in einer Datenbank hinterlegt, was ohne Frage sinnvoll ist. Bei einer kostenlosen Depotführung  und einer Ordergebühr von beispielsweise 0,25% vom Ordervolumen oder einer Orderflat von 5 Euro, wird aber der Spread zum dominanten Kostenfaktor.

Und hier können Trader Kosten sparen, denn die Spreads variieren beispielsweise mit dem Handelsvolumen. Das Handelsvolumen wird wiederum von diversen Parametern beeinflußt, wobei u. a. die Öffnungszeiten der Börsenplätze eine Rolle spielen. In der Abbildung 1 ist beispielhaft der Spread der VW Aktie am Börsenplatz Stuttgart für zwei Handelszeiten dargestellt.

 

Spread der VW Aktie vorbörslich und nach Xetra Eröffnung

Abb. 1: Spread für die VW Aktieam 15.03.2017 am Börsenplatz Stuttgart vorbörslich um 8:48 Uhr (links) und nach Xetra Eröffnung um 9:12 Uhr (rechts). Quelle: comdirect.de

 

Der Unterschied der Spreads ist erheblich. Bei einem Wertpapierkauf der VW Aktie um 8:48 Uhr wäre dem Trader ein Spread von 0,72% berechnet worden, nur einige Minuten später, nach der Eröffnung des Xetra Handelssystem betrug der Spread nur noch 0,01%. Hier konnten die Gesamtorderkosten durch ein zeitlich optimal platzierter Kauf der VW Aktie deutlich optimiert werden. Weitere Tipps finden Sie auch auf günstig traden.

 

DAX Aktien XETRA

Das Xetra Handelssystem hat aufgrund des hohen Handelsvolumens bei vielen Aktien relativ geringe Spreads. In der Tabelle 1 sind die Spreads für die DAX Aktien um 9:30 Uhr vom 13.02.2019 angegeben.

Tab. 1: Spreads DAX Aktien. Quelle: comdirect.de

Aktie DAX Spread [%]
Adidas 0,05
Allianz 0,01
BASF 0,05
Bayer 0,04
Beiersdorf 0,04
BMW 0,01
Continental 0,07
Covestro 0,08
Daimler 0,02
Deutsche Bank 0,05
Deutsche Börse 0,09
Deutsche Lufthansa 0,09
Deutsche Post 0,04
Deutsche Telekom 0,07
E.ON 0,03
Fresenius 0,06
Fresenius Medical Care 0,06
HeidelbergCement 0,07
Henkel 0,05
Infineon Technologies 0,05
Linde 0,05
Merck 0,04
Münchener Rück 0,10
RWE 0,09
SAP 0,03
Siemens 0,03
Thyssenkrupp 0,07
Volkswagen 0,04
Vonovia 0,02
Wirecard 0,05

 

Verschiedene Arten von Preisspannen

Der Finanzmarkt unterscheidet verschiedene Arten von Spannen zwischen Verkaufspreis und Rücknahmepreis:

Die Berechnung der Differenz auf die Kurse von Wertpapieren, Devisen oder anderen Finanzprodukten erfolgt nach der einfachen Rechenformel:

Spread = Briefkurs minus Geldkurs

Bei einem expliziten Spread ist der Unterschied für die Marktteilnehmer sofort ersichtlich. Bei einem impliziten Spread handelt es sich um eine geschätzte Größe, die anhand früherer Transaktionen und erzielter Renditen berechnet wird.

Bei Zertifikaten stellt aus Sicht der Anbieter die Geld-Brief-Spanne den Gewinn dar, den sie mit jeder gehandelten Position erzielen. Broker wie IG Markets, Banken und Emittenten verkaufen Zertifikate zu dem höheren Briefkurs und nehmen die Papiere zu dem niedrigeren Geldkurs wieder zurück.

Bei Termingeschäften unterscheiden die Händler zwischen einem inter-market-spread und einem inter-commodity-spread. In beiden Fällen kauft ein Händler einen Kontrakt, den er gleichzeitig wieder verkauft, um durch die Geld-Brief-Spanne einen Gewinn zu erzielen. Bei der Inter-Market-Spanne handelt es sich um dasselbe Finanzprodukt mit unterschiedlichen Fälligkeiten an verschiedenen Handelsbörsen. Bei der Inter-Commodity-Spanne handelt es sich um ähnliche Handelsgegenstände, die dieselben Fälligkeiten an einer Börse aufweisen.

Anleger, die im Optionshandel tätig sind, kennen ebenfalls verschiedene Spannen, mit denen sie versuchen, durch den gleichzeitigen Kauf und Verkauf von Optionen Geld zu verdienen.

Time Spread

Bei einem Time Spread, auch als horizontaler Spread bezeichnet, verkauft der Händler eine Option und kauft gleichzeitig eine andere Option mit demselben Basiswert, aber einer abweichenden Laufzeit.

Price Spread

Das Gegenteil ist der Price Spread, auch als Vertical Spread bekannt, bei dem der Anleger eine Option kauft und gleichzeitig eine andere Option verkauft, die denselben Basiswert und dieselbe Laufzeit, dafür aber einen anderen Ausübungspreis, aufweist.

Wenn diese beiden Handelsarten miteinander verbunden werden, sprechen die Händler von Diagonal Spreads. Der Käufer einer Option muss den Optionspreis, auch Optionsprämie genannt, zahlen, während der Verkäufer die Optionsprämie erhält.

Credit Spread

Nimmt ein Händler mehr Prämien ein, als er bezahlen muss, erzielt er einen Gewinn, der als Credit Spread bezeichnet wird. Im umgekehrten Fall erleidet der Händler einen Debit Spread, falls die gezahlten Optionsprämien die Einnahmen übersteigen.

 

Spreads bei Aktienkursen und ETFs

In Deutschland werden Aktien und Exchange Traded Funds (ETF) an der Frankfurter Wertpapierbörse, über das elektronische Handelssystem Xetra sowie an diesen deutschen Regionalbörsen gehandelt:

  • Börse Berlin
  • Börse Düsseldorf
  • Börse gettex
  • Börse München
  • Börse Stuttgart
  • Börse Hamburg-Hannover

Im Aktienhandel gibt ein Verkäufer bei einer Limit Order an, zu welchem Preis er ein Papier verkaufen möchte. Der Käufer teilt durch die Eingabe eines Limits mit, welchen Preis er maximal bereit ist, für das Wertpapier zu zahlen. Die Differenz stellt den Spread dar. Je nachdem, an welcher Börse die Händler besonders aktiv sind, können die Kurse für dieselbe Aktie unterschiedlich hoch ausfallen. Abhängig von der Uhrzeit und der Anzahl der Handelsaktivitäten weichen daher die Preise für eine bestimmte Aktie an den verschiedenen Börsen voneinander ab und die Anleger können durch geschickte Nutzung der Spreads einen Gewinn erzielen.

Die Handelszeiten von Xetra und den Regionalbörsen spielen ebenfalls eine Rolle bei der Bestimmung der Wertpapierkurse. Das elektronische Handelssystem Xetra kann jeden Börsentag von 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr genutzt werden. Die Eröffnungsauktion startet um 8.50 Uhr und die Schlussauktion findet ab 17.30 Uhr statt. Um 17.45 Uhr stehen die Schlusskurse eines Handelstages fest. Die Börse Berlin wickelt den Handel ebenfalls über ein elektronisches System mit dem Namen Tradegate ab. Tradegate ist jedoch zwischen 8.00 Uhr und 22.00 Uhr aktiv, sodass viele Banken die Order ihrer Kunden vor 9.00 Uhr oder nach 17.30 Uhr an Tradegate weiterleiten. Daher finden in den Abendstunden weitaus mehr Transaktionen über Tradegate als über die anderen Regionalbörsen statt, die für Aktien und ETFs Handelszeiten zwischen 8.00 Uhr und 20.00 Uhr anbieten. Lediglich die Börse Stuttgart bietet ebenfalls den Handel bis 22.00 Uhr an.

Da Tradegate vor allem in den Abendstunden ein höheres Volumen an Käufen und Verkäufen verzeichnet als die übrigen Regionalbörsen zusammen, weitet das System die Spreads aus. Für die Händler bedeutet die Ausweitung höhere Kaufkurse beziehungsweise niedrigere Verkaufskurse. Da vielen Banken und Sparkassen die Kundenaufträge automatisch an Tradegate weiterleiten, falls der Anleger keinen Börsenplatz vorgibt, sollten die Händler Limit Orders aufgeben, um nicht zu viel für eine Aktie zu zahlen oder einen zu geringen Gegenwert zu erhalten.

 

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Literatur

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