Die EZB Liquidität hat nicht zu mehr Krediten geführt

Die Europäische Zentralbank hat den Kreditinstituten Milliarden zur Verfügung gestellt, die Notenpresse angeworfen und Liquidität geschaffen, wie sie in der Vergangenheit nicht vorstellbar war. Ziel war es, die Zinsen niedrig zu halten und so die Nachfrage nach Konsum- und Investitionskrediten anzukurbeln (die Überschussliquidität hält die Zinsen tatsächlich immer noch extrem niedrig). Der Gedanke mag gut gemeint gewesen sein, allerdings wartet die Liquidität auf den Zentralbankkonten der Kreditinstitute darauf, sich in echtes Geld zu verwandeln und gegen Waren und Dienstleistungen eingetauscht zu werden.

 

Restriktive Kreditvergabe hält Liquidität hoch

Das Geld verbleibt im Bankensektor

Die Hoffnung der EZB auf einen Anstieg der Kreditvergabe durch die Banken war trügerisch. Obwohl diese genügend billig refinanziertes Geld zur Verfügung haben, ist die Kreditvergabe innerhalb der Eurozone nach wie vor rückläufig. Hintergrund ist, dass die Kreditinstitute Befürchtungen vor erhöhten Kreditausfallrisiken durch die schwache konjunkturelle Situation haben. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz.

Kredite wären notwendig, um Liquidität in Gelder für eine erhöhte Nachfrage nach Konsumgütern und Investitionen freizusetzen, um damit zu einem Anziehen der Konjunktur zu führen und Unternehmen wieder stabiler werden zu lassen.

Gleichzeitig führt eine stabilere Wirtschaft zu Neueinstellungen, damit zu mehr Arbeitseinkommen, respektive zu einer Sicherung von Arbeitsplätzen und damit einer höheren Wahrscheinlichkeit zur Rückführung ausgereichter Darlehen. Genau das wird aber auf der Basis der aktuellen Kreditvergabepolitik der Geldhäuser verhindert. Die Banken horten die Zentralbankgelder auf ihren Konten oder zahlen, was allerdings auch erfreulich ist, die erhaltenen „Finanzspritzen“ an die EZB zurück. Damit wurde die Geldpolitik der EZB ein bilateraler Vorgang, der sich nur zwischen ihr und den Instituten abspielt, die Gesamtwirtschaft aber nach wie vor außen vor lässt. Die Liquidität kreist ausschließlich im Finanzsektor, weshalb auch die Inflation nur sehr moderat ist.

 

Geld fehlt an allen Ecken und Enden

Gerade in Südeuropa ist diese Nicht-Vergabepolitik der Banken für die dortigen Volkswirtschaften fatal. Die hohe Arbeitslosigkeit in Italien, Spanien und Portugal hindert die Wirtschaft dort, durch einen erhöhten Binnenkonsum aus eigenem Antrieb wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Erst eine Erhöhung der Beschäftigungsquote könnte hier eine Grundlage bieten. Diese setzt aber voraus, dass den Unternehmen entsprechende Gelder für Investitionen zur Verfügung gestellt werden. Der Export alleine ist nicht ausreichend, um das notwendige Wachstum zu erzielen, um auf Kredite verzichten zu können. Beschäftigungslose Verbraucher wiederum erhalten von den Banken keine Darlehen, die für die Anschaffung größerer Konsumgüter benötigt würden. Während die restriktive Kreditpolitik in Deutschland noch zu verkraften ist, führt sie in den oben genannten Ländern zu einer stetigen Verschlechterung der Situation. Nutznießer der überdurchschnittlichen Liquidität ist im Moment nicht der gesamte Wirtschaftskreislauf, sondern nur die Kreditinstitute, die Liquidität horten, dem Markt aber kein Geld zur Verfügung stellen.