Was treibt die aktuelle Hausse an den Börsen

DAX mit deutlichen Kurszuwächsen

Trotz Eurokrise, Finanzkrise und konjunkturellen Problemen bei fast allen großen Volkswirtschaften macht die Börse wieder einmal, was sie will. Die Kurse steigen kontinuierliche, der Dow Jones hat im März 2013 ein Allzeithoch erlebt, der Dax ist kurz davor, seine höchste Notierung einzustellen.  Und 2015 könnte sich der Index dauerhaft über die 10.000er Marke erheben.

Aktionäre erleben aktuell rosige Zeiten. Die Frage ist jedoch, wie sich dieser Sachverhalt trotz des konjunkturellen Umfeldes erklären lässt.

 

Die Fed hält an aktueller Politik fest

Die US-Notenbank (FED) wird weiter an der Stützungspolitik der Wirtschaft festhalten und weiterhin Anleihen aufkaufen. Auf diese Weise wird die Liquidität auch für Unternehmen hochgehalten. Geldpolitischen Eingriffen der Notenbanken weltweit steht aber auch das Interesse der Anleger an rentierlichen Anlagen gegenüber. Es ist eine alte Binsenweisheit, dass mit sinkenden Zinsen die Nachfrage nach Aktien umgekehrt proportional steigt. Und gerade das ist aktuell der Fall, die Börsen verzeichnen insbesondere in den USA, Deutschland und Japan deutliche Kursgewinne.

Eine erhöhte Nachfrage führt zwangsläufig zu steigenden Kursen. Wer sich das aktuelle Zinsniveau in Europa und den USA anschaut, stellt sich die Frage, ob er weiterhin in Tagesgeld oder Festgeld investieren möchte, oder grundsoliden Blue-Chip-Aktien mit entsprechender Dividendenzahlung den Vorzug gibt. Im Vergleich zu Aktien bietet Tagesgeld eine kontinuierliche Verzinsung, allerdings ist diese, wie die Dividendenzahlung einer Aktie, in der Höhe auch nicht garantiert. Den Kursschwankungen an der Börse steht ein potenzieller Wertverlust durch die Inflation gegenüber. Aktionäre haben in den letzten 15 Jahren durchaus gute Nerven gebraucht, der Dax hatte von seinem Tief in 1998 mit 3.896 Zählern bis zu dem Jahreshoch in 2014 mit 10.029 Punkten eine Berg- und Talfahrt hinter sich.

 

Depot Vergleich

 

 

Europa hat die psychologische Wende hinter sich

Die überdurchschnittliche Rückzahlung der Banken an die EZB war ein erstes Indiz dafür, dass sich Europa auf dem Weg der Erholung befindet. Trotz des Wahlausgangs in Italien sehen Anleger und Investoren das wirtschaftliche Tal durchschritten. Den schwachen Volkswirtschaften Südeuropas stehen die noch relativ stabilen Staaten aus der Mitte und dem Norden gegenüber. Auf diesen ruht die Hoffnung, die krisengeschüttelten Mitgliedsländer der Europäischen Union, bei einem möglichen Aufschwung mitzuziehen.

Man darf bei einem Aktienkurs nicht vergessen, dass dieser nicht der Preis für eine zurückliegende Periode darstellt, auch wenn er darauf basiert. Ein Aktienkurs spiegelt immer den zukünftigen Wert eines Unternehmens wider, den die Anleger erwarten. Die Stützungsmaßnahmen der Fed ebenso wie der EZB sind Signal genug für Investoren, weiterhin auf Aktien zu setzen. Wer als Anleger auch einmal eine längere Baisse verkraften kann, und über die entsprechende Zeit verfügt, sollte es wie der verstorbene Altmeister der Börse, Andre Kostolany, halten, der es so formulierte: Die Aktien kaufen, in das Depot legen, und zehn Jahre schlafen. Die Alternative ist die ständige Reaktion auf neue Trends, was aber mit Umschichtungen im Depot und mit entsprechenden Transaktionskosten verbunden ist. Beide Strategien haben Vor- und Nachteile.

Und wenn die EZB 2015 doch das vermeintliche Staatsanleihen-Ankaufprogramm beginnt, könnte das weiterer Treibstoff für die Börsen sein. Wem die Bewertungen zu suspekt und von der wirtschaftlichen Entwicklung zu abgekoppelt erscheinen, kann mit einem Tagesgeld-Investment gemütlich sichere Tagesgeldzinsen einstreichen. Denn die Zins-Ausschläge halten sich bei diesem Engagement im Vergleich zu der Variabilität an  Aktien- oder Devisenmärkten garantiert in Grenzen.