Binäre Optionen Begriff und Strategien: Trendfolgestrategie, Volatilitätsstrategie …

Kaum eine Internetseite, auf der heute nicht ein Broker für binäre Optionen mit der Aussicht auf Gewinne von 70 Prozent und mehr in nur wenigen Sekunden sein Portal bewirbt. Hausfrauen erklären, dass sie „ganz nebenbei“ 150 Euro und mehr nebenbei am Tag verdienen. Was hat es aber wirklich mit dieser Form des Derivatehandels auf sich?

 

Binäre Optionen – hopp oder topp

Binäre Optionen Strategien

Binäre Optionen, der Begriff leitet sich aus der Mathematik ab, kennen nur zwei Zustände: Die Option endet „im Geld“ oder läuft „aus dem Geld“. Im ersten Fall war die Option erfolgreich, im Zweiten nicht. Das Prinzip einer binären Option ist einfach. Der Anleger wählt aus einem Basiswert das gewünschte Handelsgut aus. Bei den Basiswerten handelt es sich um Aktien, Indizes, Währungspaare und Rohstoffe. Als Nächstes entscheidet er sich, ob der Wert in der Zeit vom Kauf der Option bis zum Verfallszeitpunkt steigt (Calloption) oder fallen (Putoption) wird. Der Reiz liegt darin, dass auch bei fallenden Märkten Gewinne erzielt werden können. Diese betragen in der Spitze 95 Prozent. Bereits bei Kauf der Option steht fest, wie hoch der Gewinn sein wird. Die Broker bieten, bis auf sehr wenige Ausnahmen, im Grunde alle die gleichen Handelsmodalitäten an. Dazu zählt die beschriebene klassische binäre Option, die eine Laufzeit von weniger als einer Minute bis hin zu einigen Tagen haben kann.

Eine weitere Variante ist die One Touch Option. Hier gibt der Broker vor, ob der Basiswert steigen oder fallen wird. Mit nur einem Klick auf „Kaufen“ teilt der Anleger diese Entscheidung. Auch bekannt als „High Yield Option“ sind Gewinne über 500 Prozent möglich – vorausgesetzt natürlich, der Basiswert verhält sich entsprechend den Erwartungen.

 

Risikobegrenzung ist möglich

Die Broker stellen verschieden Wege zur Verfügung, das Risiko zu begrenzen. Die populärste Variante ist die garantierte Rückzahlung von bis zu 15 Prozent des Kapitals für den Fall, dass die Option aus dem Geld läuft. Entwickelt sich der Kurs negativ, hat aber dennoch das Potenzial zu einer erneuten Trendwende, kann die Option über den ursprünglichen Verfallszeitpunkt auf den nächsten Verfallstermin verlängert werden, die sogenannte Roll Forward Komponente. Ein vorzeitiger Ausstieg ist ebenfalls möglich. Läuft die Option gegen die Erwartung, erhält man allerdings nicht das gesamte eingesetzte Kapital. Entspricht der Optionsverlauf der Vorhersage, kann man sich bei dem Broker ein Angebot für einen vorzeitigen Rückkauf einholen, um diese Gewinne zu sichern.

 

Handelsvoraussetzungen sind ebenfalls völlig unterschiedlich

Um mit binären Optionen handeln zu können, ist zu nächst einmal ein Handelskonto notwendig. Die Ersteinzahlung schwankt je nach Broker zwischen 100 und 250 Euro. Für die Mindesthandelssummen gelten auch unterschiedliche Einsätze. Der Broker mit dem niedrigsten Einsatz verlangt einen Euro, ein anderer fünf Euro. Die Masse der Anbieter setzt jedoch einen Einsatz von zehn, 20 oder 25 Euro voraus. Unterschiedlich ist auch die Menge der zur Verfügung stehenden Basiswerte. Diese reicht von 45 Handelsgütern bis zu über 170.  Zur Auswahl eines geeigneten Brokers ist auf jeden Fall ein Brokervergleich hilfreich, nur den Versprechungen auf ungeahnte Gewinne zu folgen, wäre fatal. Ebenfalls sinnvoll ist die Lektüre einschlägiger Foren, da immer wieder der Vorwurf aufkommt, dass der Handel mit binären Optionen eine Form moderner Abzocke wäre. Hintergrund sind nicht nur die häufig unklaren Auszahlungsvoraussetzungen für Bonuszahlungen auf die Ersteinlage. Es kam auch in der Vergangenheit der Vorwurf auf, dass die Kurse nicht in Echtzeit eingespielt wurden und die Anleger so von falschen Voraussetzungen ausgingen.

 

Für Einsteiger ist ein Demokonto Pflicht

Auch wenn binäre Optionen auf den ersten Blick Glücksspielcharakter haben, ist dies nicht unbedingt der Fall. Allerdings sollten sich Einsteiger durch ein Demokonto erst einmal mit den Usancen des Geschäftes vertraut machen. Bedauerlicherweise stellen nicht alle Broker ein solches Konto zur Verfügung. Dies schränkt die Auswahl bei einer Kontoeröffnung schon einmal ein. Für den erfolgreichen Handel, der auch Verluste berücksichtigt, gilt als Faustformel, immer nur fünf Prozent des Guthabens auf dem Handelskonto pro Trade einzusetzen. Dies ist natürlich schwierig, wenn die Ersteinzahlung 200 Euro betrug, der Mindesteinsatz jedoch auf 25 Euro festgelegt ist. In diesem Fall gilt, sich langsam an die Fünfprozentmarke heranzuarbeiten.

 

Für den Handel mit binären Optionen gibt es verschiedene Strategien

Als Erstes sei die Trendfolgestrategie genannt. Wenn es einen Trend gibt, sollten Anleger nicht gegen die Masse wetten, die Wahrscheinlichkeit, dass der Trend bei einer noch länger laufenden Option dreht, ist gering. Andererseits sollte der Einstiegszeitpunkt so spät wie möglich gewählt werden. Es gilt andersherum, hält ein Trend entsprechend lange an, wird die Wahrscheinlichkeit einer Trendumkehr um so größer. Hier ähneln binäre Optionen dem Roulette. Je länger eine Farbe fällt, um so größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Farbwechsel kommt.

Die Volatilitätsstrategie ist am Besten mit einer Wette gegen sich selbst erklärt. Dazu ein Beispiel: Es steht eine EZB-Sitzung bevor, deren Auswirkung auf das Wechselkursverhältnis EUR USD ungewiss ist. In diesem Fall werden zwei One Touch Optionen erworben, eine auf einen steigenden Euro, eine auf einen fallenden Euro. Der Einsatz beträgt je Trade 100 Euro, der bereits feststehende Gewinn 350 Prozent. Gleich, wie sich der Eurokurs entwickelt, 100 Euro sind auf jeden Fall verloren. Dem steht jedoch der Gewinn von 350 Euro aus dem anderen Trade gegenüber. Wird der Einsatz abgezogen, verbleibt ein Gewinn von 150 Euro. Klingt gut, aber mal ehrlich: Welcher Broker wäre so dumm, zwei gegenläufige One Touch Optionen parallel aufzurufen? Damit wäre er immer der Dumme, denn der Anleger wettet immer gegen den Broker. Der einzige Lösungsansatz ist ein Handelskonto bei zwei verschiedenen Brokern. Klassische Optionen sind für diese Deals ungeeignet, da die Gewinne unter der 100Prozentmarke sind, und somit den Verlust aus einer der beiden Wetten nicht kompensieren.

 

Binäre Optionen versprechen das schnelle Geld. Wer sich die Zeit nimmt und sich mit den Märkten vertraut macht, anfänglich auch nur auf drei oder vier Basiswerte konzentriert, kann durchaus mit ein wenig Erfahrung Gewinne realisieren. Was bleibt, ist der fade Beigeschmack der stärker werdenden Ausführungen von Anlegern, die vermeinen, bei der Kursermittlung Ungereimtheiten beobachtet zu haben.

 

Ähnliche Themen:

 Geldanlage