Abnehmende Liquidität bedingt steigende Geldmarktzinsen

Liquiditätsabfluss und Stabilisierung des Bankensektors führen zu steigenden Geldmarktzinsen

Die Krise am Finanzmarkt scheint gebändigt. So zumindest können die jüngsten Zahlen der Europäischen Zentralbank in Bezug auf die Rückführung der zur Stützung des Bankensystems zur Verfügung gestellten Gelder gedeutet werden. Überdurchschnittlich hohe und vorzeitige Rückzahlungen zeigen, dass die Geldhäuser über entsprechend ausreichende Liquidität verfügen. Das treibt die Geldmarktzinsen in die Höhe.

Vorzeitige Kredit Rückführung in Milliardenhöhe

Die Banken führen Liquidität zurück

Insgesamt 278 Kreditinstitute hatten angekündigt, ein Gesamtvolumen von 137 Milliarden Euro Kredit vorzeitig zurückzuzahlen. Alleine die Commerzbank will die beiden ersten Tranchen der Stützungskredite in Höhe von 10 Milliarden Euro auf einmal tilgen. Auch die Deutsche Bank wird wohl einen Großteil Ihrer Kreditaufnahme aus dem LTRO vorzeitig zurückzahlen.

Während einige Experten erwartet hatten, dass es sich nicht um eine reale Tilgung, sondern um eine Umschuldung in kurz laufende Dreimonatskredite handelt, stellte sich dies Vermutung als Irrtum heraus. Kreditneuaufnahmen blieben aus. Verbunden mit dem hohen Mittelabfluss geht auch die Erwartung an mittelfristig wieder steigende Zinsen einher. Der erste Indikator, der Euribor, spiegelt diese Einschätzung bereits wieder. Marktkenner sehen diesen Satz im Dezember bei 0,56 Prozent nach einem Stand von 0,4 Prozent im zurückliegenden Dezember. Mit Schwankungen versehen ist die Tendenz des Euro Bund Futures ebenfalls seit Jahresbeginn sinkend. Dieser Umstand stellt ebenfalls die Erwartung der Marktteilnehmer auf steigende Kapitalmarktzinsen dar.

 

Bislang keine Auswirkungen für Anleger

Die europäischen Großbanken erwarten jedoch frühestens zur Jahresmitte ein Ansteigen der Geldmarktzinsen. Für Tagesgeldzinsen ist vor diesem Hintergrund auch noch kein größerer Anstieg zu erwarten. Bekanntermaßen reichen Banken anziehende Kapitalmarktzinsen auch erst mit entsprechender Verspätung an ihre Kunden weiter. Laut Aussage der Zentralbanken sei bereits wieder ein Anstieg der Spareinlagen zu verzeichnen. Außerdem sei ein Anhalten der Kapitalflucht zu beobachten. Nachdem auf dem Höhepunkt der Bankenkrise die Überschussliquidität bei den Banken 800 Milliarden betrug, liegt er aktuell noch bei 580 Milliarden. Ein Abbau um weitere 100 Milliarden ist zu erwarten.

Gleichzeitig wird aber erwartet, dass zumindest die deutschen Kreditinstitute bei der Kreditvergabe künftig noch restriktiver agieren werden. Begründet wird die künftige Politik mit einer Verschlechterung der Risikoeinschätzung in der Wirtschaft. Grundsätzlich bietet der Beginn des Jahres 2013 jedoch einen positiven Ausblick mit einer deutlichen Entspannung in der Bankenlandschaft.

 

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