Vermögenspreisindex – Entwicklung der Vermögenspreise in Deutschland

VermoegenspreisindexDie Inflationsrate erfaßt die Veränderung der Verbraucherpreise und ist ein wesentliches Steuerelement für die Steuerung der Geldpolitik der Notenbanken. Die Verbraucherpreise sind aber nur die eine Seite der Medaille dann auch die Vermögenspreise verändern sich. Es gibt inzwischen Berechnungen und Modellierungen, die Veränderung wichtiger Vermögensklassen durch einen Vermögenspreisindex abzubilden. So publiziert das Flossbach von Storch Research Institute quartalsweise die Preisveränderung gewichteter Vermögensgüter privater deutscher Haushalte rückwirkend berechnet ab dem 1. Quartal 2005. Als wesentliche Datengrundlage über die Vermögensverteilung wird die Studie der Bundesbank aus 2013 „Private Haushalte und ihre Finanzen“ – Ergebnisse der Panelstudie zu Vermögensstruktur und Vermögensverteilung verwendet. Die Studie ergab allerdings, dass die Vermögensverteilung in Deutschland sehr heterogen ausgeprägt ist.

 

Berechnung & Methodik des FsI Vermögenspreisindex

Für die Berechnung des Vermögenspreisindex teilen die Wissenschaftler des FvS Research Institute das Haushaltsvermögen in charakteristische Assets, wobei übergeordnet zunächst nach Finanzvermögen und Sachvermögen getrennt wird.

Das Finanzvermögen kann aufgeteilt werden nach: Aktien, Sicht- und Termineinlagen, Renten und sonstiges Finanzvermögen

Zum Sachvermögen zählen: das private Betriebsvermögen, Immobilienwerte, Verbrauchsgüter mit langer Lebensdauer und Spekulations- und Sammelwerte.

Die Entwicklung der Preise der einzelnen Güter wird aufgrund relevanter Indizes quantitativ erfaßt. So wird bei den Immobilien der vdp-Immobilienpreisindizes berücksichtigt. Die Dynamik der Preise des privaten Betriebsvermögens wird approximiert durch den SDAX Kursindex, der näherungsweise die Entwicklung von repräsentativen Mittelstandsunternehmen spiegelt.

Für langlebige Verbrauchsgüter wird auf die entsprechenden Datensätze des Statistischen Bundesamtes aus den Warenkorbgruppen zur Inflationsraten-Berechnung zurückgegriffen.

Um die Entwicklung von Preisen der Spekulationsgüter im Vermögenspreisindex abzubilden, werden vereinfachend die Indizes von Oldtimern und wertvollen Weinen berücksichtigt. Für die Oldtimer wird der HAGI Top Index und für die Weine der Liv-ex Fine Wine 100 herangezogen.

Die Entwicklung von Aktien wird anhand verschiedener nationaler und internationaler Indizes berücksichtigt.

Bei den Einlagen werden Girokonten, Tagesgelder, Festgelder, Bausparverträge, sowie Guthaben privater Altersvorsorge in die Rechnungen einbezogen.

Stellvertretend für das sonstige Vermögen stehen Gold und Rohstoffe. In die Modellrechnung gehen hier der Thomson Reuters Continuous Commodity Index (Rohstoffe) und der Goldpreis des London Bullion Market.

 

Entwicklung des Vermögenspreisindex

In der Abbildung 1 ist die zeitliche Dynamik verschiedener Preisindizes dargestellt.

 

Entwicklung des Vermoegenspreisindex

Abb. 1: Entwicklung von Verbraucherpreisindex, Produzentenpreisindex und des FvS Vermögenspreisindex von 2005 bis 2015 in Deutschland. Quelle: Flossbach von Storch Research Institute

 

Für den Anleger ist der zeitliche Verlauf der Verbraucher- und Vermögenspreise besonders interessant. Deutlich wird, dass sich beide Indizes während des Berechnungszeitraums durchs unterschiedlich entwickelt haben. So nahmen die Vermögenspreise nach Ausbruch der Finanzkrise in 2008 deutlich ab. Aber seit 2009 erfolgt ein kontinuierlicher Anstieg. Seit 2013 steigt der Vermögenspreisindex deutlich schneller als der Verbraucherpreisindex. In 2014 lag der Vermögenspreisindex im vierten Qurtal um 4,4% über dem Wert des Vorjahresquartals.

 

Ähnliche Seiten

Economic Research

Modellierung von Zinssätzen

Forschung Tagesgeld

Tagesgeld in der Drittmittelforschung an Universitäten