Wie fallende Rohstoffpreise Tagesgeldzinsen beeinflussen

Verfall der Rohstoffpreise belastet TagesgeldzinsenAuf den ersten Blick scheint es keine Zusammenhänge zwischen abnehmenden Rohstoffpreisen und Zinsen bei Tagesgeld zu geben. Und doch gibt es Wechselwirkungen, mit dem Ölpreis sogar erhebliche. Die Schaltstellen dazu sind die Notenbanken EZB und FED

Wieso besteht über die geldpolitische Zielsetzung der Notenbanken eine Korrelation von Rohstoffpreisen und Zinsen?

Die Notierungen vieler wichtiger Rohstoffe wie Kupfer, Gold, Rohöl etc. weisen schon seit längerer Zeit nach unten. Als besonders hervorhebenswert ist das globale Schmiermittel Öl und zwar gleich in der mehrfachen Wortbedeutung. Öl dient vielen Ländern als Devisenquelle, fungiert als Rohprodukt für eine ganze Kaskade von Veredlungsprodukten und am wichtigsten, ist als Antriebsmittel für die weltweite Mobilität verantwortlich. Über diese Hebel wirkt der Ölpreis direkt auf die Verbraucherpreise. Und der Ölpreis ist in 2015 schon mehrmals unter die 50 $ Grenze gefallen. Die aktuelle Inflationsrate wird zu einem beträchtlichen Maß von den Energiekosten beeinflusst.

Und für die Geldpolitik der EZB spielt, genau wie übrigens auch für die amerikanische Notenbank FED die Inflation und die Inflationserwartung eine ganz herausgehobene Rolle. Und hier entsteht der Zusammenhang mit den Geldmarktzinsen von denen wiederum die Tagesgeld Zinsen direkt beeinflusst werden, sowie den Kapitalmarktzinsen.

Die EZB befürchtete noch im Herbst 2015 und Anfang 2016 eine Deflation für den Euroraum und versucht mit einem milliardenschweren Anleihekaufprogramm und Leitzinsen auf Rekordtiefstand, die Wirtschaft zu stabilisieren und eine Deflation im Euroraum abzuwenden. Sinkende Rohstoffpreise, insbesondere ein Ölpreisverfall, führen aber nur zu einer weiteren Abnahme der Inflation. Die EZB wird in einem solchen makroökonomischen Umfeld die Leitzinsen weiter auf dem aktuell sehr niedrigen Niveau belassen oder sogar noch weiter in den negativen Bereich absenken, um einen Preisauftrieb zu erzielen. Eine Anhebung der Leitzinsen ist erst zu erwarten, wenn sich die Inflationsprojektionen in Richtung der Zielmarke von 2% zu bewegen. Dies ist momentan nicht in Sicht und die Tagesgeld Zinsen und Festgeld Zinsen werden sich kaum von dem bestehenden Niveau erholen.

Auch für die amerikanische Notenbank spielt die Inflation eine wichtige Rolle. Eine durch sinkende Rohstoffpreise verursachte geringe Inflationsrate beobachtet die FED genau und würde die angekündigte Leitzinserhöhung durch die FED weiter ins nächste Jahr verschieben.

 

Literatur

Auswirkungen des niedrigen Ölpreises auf die Inflationsrate