Kaum noch Wettbewerb bei Tagesgeldzinsen

ZinspattZins Patt in der Spitze. Das gab es in den vergangenen Jahren noch nicht: Bei den Tagesgeldangeboten teilen sich aktuell 5 Banken den Spitzenplatz in unserem Vergleichsrechner. Konsolidierung, Erschöpfung, Aufgabe oder Taktik der Banken? Eine Analyse.

Im März 2015 ging es noch einmal abwärts mit den Zinsen. Der bisherige Spitzenreiter, die Sberbank hat die Zinsen von 1,3% auf 1,1% gesenkt. Und pünktlich zum 1. April hat auch noch die bisher Zweitplatzierte, die Wüstenrot Bank von 1,25% auf 1,05% reduziert.

Jetzt ergibt sich, was die Zinskonditionen angeht, ein weitgehend homogenes Feld. Die Spannweite beträgt nur noch 0,2%. Die DKB liegt mit 0,9% am Ende in unserem Vergleichsrechner, die Spitze bilden 5 Angebote mit 1,1%. Die große Zinskonsolidierung wird auch durch die geringe Standardabweichung von 0,06% deutlich (n=10) bei einem Mittelwert von 1,05%.

Aus den Befunden wird klar: keine der Banken ist gewillt, einen auch nur um 0,05% höheren Zinssatz zu zahlen um allein den Spitzenplatz zu belegen. Erfahrungsgemäß kann der Erstplatzierte mindestens 30% (meist sogar über 50%) der Tagesgeldkontoanträge, die auf alle 10 Anbieter entfallen, für sich gewinnen. Damit benötigt offenbar keine der 5 Banken dringend weitere Tagesgelder in beträchtlicher Höhe.

Diese ungewöhnliche Zins Konstellation dürfte direkt durch den geldpolitischen Niedrigzinsdruck der EZB verursacht sein. Die Europäische Notenbank unter Mario Draghi hat die Leitzinsen seit 2014 drastisch und umstritten auf 0,05% gedrückt um die Kreditvergabe an Unternehmen und Privatpersonen zu erleichtern und um vielen der hochverschuldeten Länder im Euroraum die Staatfinanzierung weiterhin (preiswert) zu ermöglichen.

Was für die Staaten und allen Schuldnern (wie auch private Baufinanzierungen und überhaupt Kreditnehmer) segensreich ist, führt bei den Sparern und vielen Banken zu erheblichen Verlusten durch entgangene Zinseinkünfte. Die Zinskonditionen über 100 Anbieter gibt unser Zinsen Vergleich.

Die aktuellen Zinskonditionen der Anbieter bedeuten für den Verbraucher auch weitgehend die Ausschaltung von echtem Wettbewerb. Der wird obsolet, wenn die Banken das Gut Geld nicht mehr benötigen, weil der Preis dafür nicht mehr stimmt. Wenn diverse Banken gar keine Zinsen mehr auf Tagesgeldkonto Einlagen zahlen, bedeutet das nichts anderes, als dass die Institute keine Preise mehr für diese Einlagenform stellen.

Quo vadis? Die Perspektive ist ungewiss. Die medial viel bemühten Strafzinsen dürften selbst bei stagnierenden Zinskonditionen für Privatpersonen nicht relevant werden. Trotzdem bleibt die Zins-Gegenwart historisch eine Ausnahmesituation die vielleicht noch die eine oder andere Überraschung für den Anleger bereithält. Leichte Besserung ab 2017? Wahrscheinlich, lesen Sie hier unsere Tagesgeldprognose für 2017.