Stückzinsen – was versteht man eigentlich darunter?

Wer eine Ausbildung als Bankkaufmann hinter sich hat, erinnert sich sicherlich noch daran, dass er Stückzinsen in allen Varianten berechnet hat. Stückzinsenberechnung war wesentlicher Bestandteil des Ausbildungsteils über festverzinsliche Wertpapiere.

 

Wann fallen Stückzinsen an?

Zinszahlung

Stückzinsen werden berechnet, wenn ein festverzinsliches Wertpapier zwischen zwei Zinszahlungsterminen den Besitzer wechselt, sprich verkauft wird. Neben dem Kurswert sind die Stückzinsen Bestandteil des zu zahlenden Preises für das Papier. Dabei ist entscheidend, ob dem Vorbesitzer bereits die Zinsen für die gesamte Zahlungsperiode gutgeschrieben wurden, oder diese der Käufer erhält. Im ersten Fall wird der Kaufpreis des Papiers um die anteiligen Zinsen gekürzt, im zweiten Fall muss der Käufer dem Verkäufer die anteiligen Zinsen zusätzlich entrichten. Die Rechstvorschriften zu Stückzinsen finden sich im Einkommensteuergesetz (EStG) § 43a Bemessung der Kapitalertragsteuer.

 

Ein Rechenbeispiel soll dies verdeutlichen:
Eine Anleihe hat am Tag des Verkaufs einen Kurswert von 101 Prozent und wird am 1. Januar mit fünf Prozent vorschüssig für das kommende Jahr verzinst. Der Besitzer veräußert das Papier mit einem Nominalwert von 100 Euro pro Stück in einem Volumen von 10.000 Euro am 31. März. Der Kaufpreis beträgt zunächst 10.100 Euro (Kurswert 101 %). Da der aktuelle Besitzer bereits Zinsen in Höhe von 500 Euro für das gesamte Jahr erhalten hat, muss er nun einen Teil dieser Zinsen dem Käufer zukommen lassen. Die verbleibende Zeit der Zinszahlungsperiode beträgt im Sinne der Zinsberechnung mit 360 Tagen im Jahr noch 270 Tage, drei Viertel. Damit mindert sich der Anspruch des Verkäufers auf die erhaltenen Zinsen um 75 Prozent, 375 Euro. Der tatsächlich zu entrichtende Kaufpreis beträgt damit noch 9.725 Euro.

Würden die Zinsen nachschüssig zum 31.12. des Jahres ausgezahlt werden, müsste der Käufer im Umkehrschluss dem Verkäufer dessen Zinsanteil in Höhe von 125 Euro zusätzlich zum Kurswert ausgleichen, zu zahlen wären damit 10.225 Euro.

 

Stückzinsen – die Berechnung der angefallenen Gewinne

Wie eingangs erwähnt, fallen Stückzinsen bei festverzinslichen Wertpapieren an. Zinsen auf Wertpapiere werden rückwirkend auf die jeweilige Zinsperiode gezahlt. Lautet der Zinstermin auf den 30.9. eines Jahres und der Inhaber einer Anleihe verkauft seine Papiere am 30.6., so hat er einen Anspruch auf drei Viertel des Zinsertrages. Die anteiligen Stückzinsen werden auf den Kaufpreis aufgeschlagen. Bei der Notierung von Anleihen existieren zwei Wege, ex Coupon und cum Coupon.

Im ersten Fall erfolgt die Anzeige des Kurses exklusive der enthaltenen Zinszahlungen, um Kursschwankungen bei der Zinsfälligkeit zu vermeiden. Bei der Notierung cum Coupon ist der Zins im Kurs enthalten und muss herausgerechnet werden, um den tatsächlichen Kurswert des Papiers zu ermitteln. Anleger achten bei der Auswahl für ein festverzinsliches Wertpapier allerdings weniger auf die Stückzinsen, da sie letztendlich durch die Abhängigkeit zur Haltedauer auf die Rendite keine Auswirkung haben. Gleiches gilt auch für die Zwischengewinne bei Fonds

 

Besteuerung von Stückzinsen

Bei Stückzinsen handelt es sich um einen völlig regulären Zinsertrag, der sich von einer regulären Zinszahlung nur dadurch unterscheidet, dass er im Zusammenhang mit einer Wertpapiertransaktion abgerechnet wird.

Käufer und Verkäufer des Papiers geben in der Steuererklärung, so der Zinsertrag nicht durch einen Freistellungsauftrag gedeckt ist, die jeweils erhaltenen Zinsen an. Für den Käufer, der Stückzinsen zahlt, sind diese zunächst einmal negative Einkünfte, die mit Erträgen aus anderen Wertpapieren verrechnet werden können. Um eine rechnerische Größe ermitteln zu können, wurde der fiktive Stückzinstopf entwickelt. Dieser steht am Jahresanfang auf null und wird im Laufe des Kalenderjahres mit Stückzinsen aus den Verkäufen von festverzinslichen Wertpapieren mit einer ratierlichen Zinsgutschrift und anfallenden Zwischengewinnen aus Investmentfonds aufgefüllt. Dieser Stückzinstopf leert sich im Laufe des Kalenderjahres jedoch sukzessive um erhaltene Zinsen und Kapitalerträge aus anderen Anlagen. Dabei werden jedoch nur die Kursgewinne aus dem Verkauf von Anleihen berücksichtigt, nicht die Kursgewinne aus Aktienverkäufen. Die Auszahlung dieser Erträge erfolgt solange steuerfrei, bis der Gegenwert des Stückzinstopfes wieder bei null angelangt ist.

 

Weiterführende Informationen

Deutsche Finanzagentur Stückzinsen

Deutscher Steuerberaterverband

 

 

 

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