Die Mär von negativen Realzinsen: Entwicklung & Trends

Real ZinssatzUm es auf den Punkt zu bringen, die Entwicklung der Realzinsen bestimmt, wie am Ende des Jahres die Rendite für einen Anleger aussieht.  Die einfache Formel lautet: Nominalzinssatz – Inflationsrate = Realzins, was auch gleich als Definition gelten kann. Wie sieht die historische Entwicklung der Realzinsen in Deutschland für Spareinlagen, Festgeld und Tagesgeld aus?

Der Zinssatz, den Banken anbieten, der Nominalzins, dient im Grunde nur als Richtwert. Er orientiert sich am Referenzzins der Europäische Zentralbank und kann daher als marktgerecht eingestuft werden. Es gibt allerdings einen weiteren Faktor, der sich auf die Rendite auswirkt und auf den die Banken keinen Einfluss haben. Die Rede ist von der Inflationsrate.

 

Historisch niedrige Realzinsen in 2014: nein!

Es ist immer wieder die Rede davon, dass aktuell ein historisch niedriges Zinsniveau herrscht. Ein Blick auf die Refinanzierungszinsen der Banken bei der EZB mag dies ebenso bestätigen, wie ein Blick auf die Kreditzinsen. Für Sparer gilt jedoch, dass sich der Realzins, die Rendite nach Berücksichtigung der Inflationsrate, schon häufiger auf einem ähnlichen Niveau bewegte. Hohe Nominalzinsen bedeuten nicht automatisch eine hohe Nettorendite. Hohe Zinsen bedeuten in der Regel auch eine höhere Inflationsrate. Dabei gilt allerdings, dass zuerst der Kaufkraftverlust ansteigt, bevor die Zentralbank dem durch eine Zinserhöhung entgegensteuert. Liegt der Einlagenzins bei einem Prozent und die Inflationsrate beträgt 0,8 Prozent (Stand August 2014) ist die Auswirkung die gleiche, wie bei einem Einlagenzins von zwei Pozent und einem Kaufkraftverlust von 1,8 Prozent.

 

Historische Realzinsen Entwicklung: Sparbuch Flop, Festgeld Top

In der Abbildung 1 ist die Untersuchung der Bundesbank zur realen Verzinsung verschiedener Einlageklassen von 1967 bis 2014 dargestellt.

 

Realzinsen Entwicklung

Abb. 1. Reale Verzinsung verschiedener Einlagarten in Deutschland von 1967 – 2014. Quelle: Bundesbank Realzinsen

 

Negative Realrenditen gab während des Betrachtungszeitraums des Öfteren, insbesondere auf Einlagen von Sparbüchern. Beispielsweise kamen in den 70ziger Jahren Spitzenwerte von negativen Realrenditen für Spareinlagen von unter -2% vor. Dies war auch noch 1992 und 1993 der Fall. Dagegen zeigt die Grafik deutlich, das mit Festgeld nahezu immer positive Realrenditen zu erwirtschaften waren. Lediglich 2010 – 2012 reichten auch hier im Durchschnitt die Zinsen nicht aus, um den Kaufkraftverlust zu kompensieren. Allerdings gilt dies nur für kurzfristiges Festgeld. In Abbildung 1 sind Termineinlagen, also Festgeld, nach Neuabschlüssen und Bestand getrennt aufgeführt. Dabei wurden die Daten jeweils über alle Laufzeiten berücksichtigt.

Da aber seit ca. 2010 Festgeld mit Laufzeiten bis 2 Jahren eine ähnliche Verzinsung wie Tagesgeld aufweist, ist das Bild für diese Periode etwas verzerrt. Festgeld mit Laufzeiten > 3 Jahre hat auch in den letzten 10 Jahren immer positive Realrenditen erzielt. Selbst mit Tagesgeld waren, solange ein Anbieter mit top Verzinsung ausgewählt wurde, immer positive Realrenditen möglich.

 

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Im Herbst 2014 hat sich die Situation aufgrund der niedrigen Inflationsrate kaum verändert. Fakt ist, dass Anleger aktuell von sich aus sehr aktiv sein müssen, um Einlagenzinsen oberhalb der Inflationsrate erzielen zu können. Unser Zinsvergleich belegen, dass dies immer noch möglich ist.

 

 

Geschichte wiederholt sich

Schon lange vor der Finanzkrise, bereits in den 70er Jahren, erzielten Anleger keine Nominalzinsen, die den Inflationsverlust kompensieren konnten. Gleiches gilt auch für eine Phase in den neunziger Jahren und zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Niemand stöhnte damals, weil die Einlagenzinsen keine Eins mehr vor dem Komma hatten, die inflationsbereinigte Betrachtung zeigte jedoch, dass auch in diesen drei Phasen ein echter Vermögensaufbau nur schwer möglich war.

 

 

Realzinsen Trend: keine deutlichen Verbesserungen in Sicht

Im Vergleich dazu stellt sich die heutige Situation im Grunde noch besser dar. Immerhin können Anleger heute Zinsen im Internet miteinander vergleichen, Direktbanken bieten ihnen Konditionen, die deutlich über den Angeboten der Banken und Sparkassen in der Fläche liegen. In Bezug auf den Nominalzins wird sich allerdings in der nächsten Zeit wenig ändern, da auch die niedrigen Ölpreise die Inflation weiter drücken. Die Inflationsrate liegt deutlich unter dem von Mario Draghi anvisierten Ziel von leicht unter zwei Prozent. Die EZB prognostiziert sogar eine negative Realzinsentwicklung bis 2020.

Auch wenn viele Vertriebsmitarbeiter, gerade im Immobiliensektor mit dem Schreckgespenst der Inflation auf Akquise gehen, stellt ein moderater Kaufkraftverlust einen Pluspunkt dar. Inflation bedeutet auch Wirtschaftswachstum und steigende Preise aufgrund höherer Nachfrage. Anleger profitieren von einem Anziehen der Refinanzierungszinsen für die Banken. Im Idealfall liegt der Leitzins der EZB deutlich über der Inflationsrate. Bis dieser Sachverhalt jedoch wieder eingetreten ist, bleibt Sparern nur der Weg über einen Zinsvergleich, um sicherzustellen, dass der Realzins im positiven Bereich liegt.

 

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