Lohnsteuerklassen Übersicht & Freibeträge

Die Lohnsteuerklassen im ÜberblickParagraf 38 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ordnet die uneingeschränkt einkommensteuerpflichtigen Arbeitnehmer in Deutschland in sechs Lohnsteuerklassen ein. Die individuelle Zuordnung der Steuerpflichtigen richtet sich nach dem Familienstand, ob ein Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zu berücksichtigen ist und ob es sich um den Hauptberuf des Steuerzahlers handelt oder ob er ein zweites oder noch mehr einkommensteuerpflichtige Dienstverhältnisse eingegangen ist.

 

 

Diese Auswirkungen haben die unterschiedlichen Steuerklassen

Die Zugehörigkeit zu einer der sechs Lohnsteuerklassen dient der Berechnung verschiedener Steuern und Abgaben, die der Steuerpflichtige zu zahlen hat. Gleichzeitig beinhaltet jede Steuerklasse unterschiedlich hohe Freibeträge. Außerdem wird die Höhe einiger Entgeltersatzleistungen von der Lohnsteuerklasse bestimmt.

Der Arbeitgeber berechnet für jeden seiner Mitarbeiter das Nettogehalt, das er ihm auszahlen darf. Die Berechnung erfolgt seit dem Jahr 2004 mithilfe einer maschinellen Lohnsteuerberechnung. Damit aber vor allem kleinere Betriebe mit wenigen Angestellten weiterhin eine manuelle Gehaltsabrechnung vornehmen können, veröffentlicht das Bundesministerium der Finanzen zwei Programmablaufpläne. Unter Nutzung dieser Abläufe sind die Arbeitgeber in der Lage, sowohl die maschinelle Lohnsteuerberechnung als auch die manuelle Berechnung anhand offizieller Lohnsteuertabellen auszuführen. Mithilfe der Lohnsteuertabellen werden folgende Steuern und Abgaben berechnet:

  • Lohnsteuer
  • Solidaritätszuschlag
  • ggf. Kirchensteuer, sofern der Arbeitnehmer einer Religionsgemeinschaft angehört, die berechtigt ist, Steuern von ihren Mitgliedern einzuziehen

 

Es werden zwei Lohnsteuertabellen zugrunde gelegt. Die allgemeine Tabelle ist gültig für alle rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer. Die übrigen Berufstätigen werden nach der besonderen Tabelle bemessen, die eine niedrigere Vorsorgepauschale vorsieht und daher zu einer höheren Belastung mit Lohnsteuer führt. Je nach Steuerklasse zahlen die Arbeitnehmer in Deutschland zwischen 14 % und 45 % Lohnsteuer. Je höher das Einkommen ausfällt, umso höher ist die zu zahlende Lohnsteuer. Es handelt sich um eine Steuerprogression, die bewirkt, dass der prozentuale Steuersatz mit Ansteigen des Bruttoeinkommens ebenfalls ansteigt. Dadurch soll erreicht werden, dass gut verdienende Arbeitnehmer mit höheren Steuern belastet werden als Geringverdiener, um eine gerechte Umverteilung der Steuerbelastung zu gewährleisten.

 

Freibeträge nach Steuerklassen

Die Freibeträge der einezlnen LohnsteuerklassenFür jede Steuerklasse sieht das Gesetz unterschiedliche Freibeträge vor. Diese Freibeträge werden vom Bruttogehalt abgezogen und mindern so die Bemessungsgrundlage für die Steuerberechnung und damit auch den zu zahlenden Steuerbetrag.

Der Steuerpflichtige muss somit nicht das gesamte Einkommen versteuern, sondern nur den Betrag, der den Freibetrag übersteigt.

 

 

Bei der Steuerberechnung werden folgende Freibeträge zugrunde gelegt:

  • Vorsorgepauschale: bei allen sechs Lohnsteuerklassen
  • Arbeitnehmerpauschbetrag: Steuerklassen I – V
  • Sonderausgabenpauschbetrag: Steuerklassen I – V
  • Grundfreibetrag: Steuerklassen I – IV
  • Kinderfreibetrag: Steuerklassen I – IV
  • Alleinerziehendenentlastung: nur Steuerklasse II

 

Auch die Höhe einiger Lohnersatzleistungen richtet sich nach der Steuerklasse des Leistungsempfängers. Dazu zählen:

  • Arbeitslosengeld
  • Elterngeld
  • Mutterschaftsgeld
  • Krankengeld
  • Unterhalt
  • Versorgungskrankengeld
  • Übergangsgeld
  • Verletztengeld

 

 

Die Lohnsteuer (LSt) berechnen

Die Berechnung der Lohnsteuer ist in § 39b ESTG unter „Einbehaltung der Lohnsteuer“ beschrieben.

Durch die Einteilung der Steuerpflichtigen in die unterschiedlichen Steuerklassen ist der Arbeitgeber in der Lage, die Lohnsteuer und damit auch den Solidaritätszuschlag seiner Mitarbeiter zu berechnen. Der Solidaritätszuschlag beträgt 5,5 % der berechneten Lohnsteuer.

Es handelt sich bei der Lohnsteuer ähnlich wie die Abgeltungssteuer um eine Quellensteuer, die vom Bruttolohn abgezogen und durch den Arbeitgeber direkt an das zuständige Finanzamt abgeführt wird. Die Lohnsteuer ist Bestandteil der Einkommensteuer des Arbeitnehmers, zu der auch noch Kapitalertragssteuer für Einkünfte aus Kapitalvermögen gehört. Im Rahmen der jährlichen Einkommensteuererklärung berechnen die Finanzbehörden, ob der Steuerpflichtige zu viel Einkommensteuer gezahlt hat und daher mit einer Rückerstattung rechnen kann oder ob die Steuerzahlungen zu niedrig ausfielen und somit noch ein Betrag an das Finanzamt zu überweisen ist. Dabei wird die gezahlte Lohnsteuer auf die berechnete Einkommensteuer angerechnet.

 

Wechsel der Lohnsteuerklasse

Wann kann die Steuerklasse gewechselt werdenEinmal im Jahr kann jeder einkommensteuerpflichtige Arbeitnehmer die gewählte Steuerklasse wechseln. Der Wechsel erfolgt bei dem zuständigen Finanzamt. Dazu muss der Steuerpflichtige entweder einen amtlichen Vordruck nutzen, den er beim Finanzamt erhält, oder er beantragt die Änderung online auf der Internetseite www.formulare-bfinv.de. Es handelt sich um die offizielle Seite des Bundesministeriums der Finanzen, das unter dem Punkt „Steuern/Lohnsteuer“ das erforderliche Formular bereithält.

Der freiwillige Wechsel der Steuerklasse muss bis zum 30. November des Jahres erfolgen. Dazu zählt zum Beispiel die Wahl des Faktorverfahrens für verheiratete Steuerpflichtige in den Steuerklassen IV/IV. Durch den Einsatz des Faktors soll eine gerechte Steuerbelastung für die Arbeitnehmer erzielt werden. So zahlt der Ehepartner, der beispielsweise 25 % des gemeinsamen Einkommens verdient, auch nur 25 % Lohnsteuer. In vielen Fällen müssen die Ehepartner außerdem nicht mit Steuernachzahlungen rechnen. Das Faktorverfahren muss jedes Jahr neu beantragt werden, wobei der Stichtag 30. November zu beachten ist. Werdende Eltern entscheiden sich ebenfalls häufig für einen Wechsel der Steuerklasse, um ein höheres Elterngeld zu erhalten. Dies ist nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 25. Juni 2009 eine zulässige Gestaltungsmöglichkeit der Steuerpflichtigen.

Daneben gibt es einige Gründe, aus denen ein Lohnsteuerwechsel erforderlich werden kann und die zu einem weiteren Wechsel der Steuerklasse innerhalb eines Jahres führen können:

  • nach einer Hochzeit werden beide Ehepartner automatisch in die Steuerklassen IV/IV eingeordnet. Ein Wechsel in die Steuerklassen III und V muss beantragt werden
  • nach der dauerhaften Trennung eines Ehepaares
  • nach dem Tod eines Ehepartners

nach dem Auszug des Kindes eines Alleinerziehenden beziehungsweise nach der Hochzeit des Alleinerziehenden oder dem Zusammenzug mit einem Partner

  • ein Ehepartner wird arbeitslos
  • ein Ehepartner nimmt eine Arbeitstätigkeit auf

 

 

Die Lohnsteuerkarte hat ausgedient: ELStAM die elektronische Steuerkarte

Schon zum 1. Januar 2013 wurde die Lohnsteuerkarte aus Papier abgeschafft und durch elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) ersetzt. ELStAM enthält dieselben Angaben wie die Lohnsteuerkarte, sodass der Arbeitgeber über die Steuerklasse des Arbeitnehmers, gegebenenfalls den Faktor bei Ehepaaren in Steuerklasse IV, die Kirchsteuermerkmale, die Anzahl der Kinderfreibeträge und andere Freibeträge informiert ist.

Um die aktuellen Daten von ELStAM abzurufen, muss der Arbeitnehmer den Arbeitgeber über seine persönliche Steueridentifikationsnummer (IdNr.) informieren. Das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) hat die Steuerpflichtigen bis Ende 2008 über ihre individuelle Identifikationsnummer schriftlich informiert. Die Steuernummer ist lebenslang gültig. Neugeborene erhalten ein Schreiben des Bundeszentralamtes für Steuern mit ihrer Steueridentifikationsnummer innerhalb von vier Wochen nach der Geburt. Stellt ein Steuerpflichtiger seinem Arbeitgeber die Steuer-ID nicht zur Verfügung, ist der Arbeitgeber verpflichtet, das Bruttogehalt nach Steuerklasse VI zu versteuern.

 

 

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