Robo Advisor – die automatisiert Anlageberatung bzw. Geldanlage

Kennen Sie die Definition des Begriffs Robo Advisor?Etwa seit dem Jahr 2014 ist der Finanzmarkt um Robo-Advisors bereichert, die als virtuelle Anlageberater tätig sind. Es handelt sich um eine Technologie, deren Bezeichnung aus den englischen Begriffen „robot“ für Roboter und „advisor“ für Berater gebildet wird. Betreiber der elektronischen Anlageberater sind Banken und Finanzdienstleister in Zusammenarbeit mit Fintechs, die als Dienstleister im Finanzbereich moderne Technologien entwickeln und anbieten. Ein Robo Advisor ist auch unter den Bezeichnungen Robo-Advice, Robo-Berater, Anlage-Roboter, Self-Service-Robo, Roboter-Berater oder Online-Vermögensberater zu finden.

 

Bisher kennt ein großer Teil der deutschen Anleger die digitalen Robo-Berater noch nicht. Das wird sich jedoch in den nächsten Jahren ändern, da immer mehr Kreditinstitute die Berechnungen der Anlageroboter in einem persönlichen Anlagegespräch mit ihren Kunden verwenden. Bei einigen Kreditinstituten ist ein Robo-Advice bereits auf der Homepage installiert und kann von den Anlegern genutzt werden.

Definition – Begriff
Die Definition des finanztechnischen Begriffs „Robo Advisor“ und Geschäftsmodell

„Unter Robo Advisor ist eine durch Algorithmen gestützte, digitale Form der automatisierten Anlageberatung durch einen Plattform bzw. Anbieter zu verstehen. Anleger/Investoren geben in einem Online Formular die persönlichen Investitionsinteressen und -ziele sowie ihre Risikobereitschaft ein und erhalten daraufhin eine Anlageempfehlung, einen Anlagevorschlag oder eine Musterportfolio Empfehlung.

Plattformabhängig werden passende Anbieter empfohlen, oder der Anlagevorschlag kann auf der Plattform selbst umgesetzt werden.“

 

Anbieter & Geschäftsmodelle & Leistungen

Das Geschäftsmodell dieser automatisierten Anlageberatung ist in der Abbildung 1 dargestellt. Die Anleger müssen zunächst verschiedene Fragen zu ihrem Anlageverhalten und ihrer Risikobereitschaft in einem Online Formular auf der Robos Advisor Plattform  beantworten. Aus diesem standardisierten Fragenkatalog berechnet das Programm normierte Empfehlungen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren. Die digitalen Planer berechnen anhand von Algorithmen, welche Wertpapiere sie dem Anwender empfehlen. Die Berechnungsmethoden ergeben sich aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen der anerkannten Portfoliotheorie des amerikanischen Ökonomen und Nobelpreisträgers Harry M. Markowitz.

 

Grafische Darstellung des Robo Advisor Geschäftsmodells

Abb. 1: Schematische Darstellung Ablauf und Geschäftsmodell Robo Advisor

 

Auch immer mehr Kreditinstitute setzen aus Kostengründen und zur Zeitersparnis in der Kundenberatung einen Robo-Advisor ein, auf dessen Anlegeempfehlung das Beratungsgespräch eines Vermögensberaters mit seinem Kunden aufbaut.

Durch den Einsatz der elektronischen Hilfen sollen die Kosten für die Anleger im Wertpapierhandel reduziert werden. Außerdem versprechen die Betreiber eine objektive Beratungsleistung, die sich nicht nach Provisionen der Anlagegesellschaften oder erstrebten Absatzzahlen eines menschlichen Beraters richtet. Da sich die elektronischen Robo-Berater erst seit wenigen Jahren in Deutschland verbreiten, liegen bisher noch keine aussagekräftigen Ergebnisse über die Effektivität vor. Die Objektivität der Beratung ist jedoch nicht in jedem Fall gegeben, wie Stiftung Warentest im Finanztest 01/2017 festgestellt hat. Die Tester haben ermittelt, dass einige Anbieter auch hauseigene Finanzprodukte anbieten, wenn sie den Anlegern eine Investition in Aktien, Fonds oder Rohstoffe empfehlen.

Diese Anlage-Robos haben sich bereits einen Namen am Finanzmarkt gemacht:

  • fintego als Marke der Direktbank European Bank for Financial Services GmbH (ebase)
  • liquid als Marke von HQ Trust der Familie Harald Quandt (Mindestanlagesumme 100000 Euro)
  • quirion als Marke der Quirin Bank AG
  • scalable.CAPITAL
  • SutorBank
  • vaamo als Marke der Sciuridae Vermögensverwaltung GmbH
  • Whitebox
  • comdirect Anlageassistent
  • Diversifikator
  • just ETF
  • maxblue Anlagefinder als Marke der Deutsche Bank AG
  • moneyFilter
  • Targobank Anlageplaner
  • GINMON
  • easyfolio
  • Cashboard
  • growney
  • United Signals
  • Visualvest
  • Wüstenrot

 

Die Anmeldung erfolgt online

Um einen digitalen Anlageberater zu nutzen, müssen sich die Anwender online anmelden. Bei einigen Anbietern können die Nutzer die Anlagebedingungen vor einer Anmeldung einsehen und sie erfahren, in welchem Verhältnis die Anlagesumme auf welche Anlageklassen aufgeteilt wird. Andere Anlageroboter sind viel zurückhaltender und geben auf der Startseite zunächst keine konkreten Empfehlungen zum Kauf bestimmter Wertpapiere. Lediglich die allgemeine Anlagestrategie und die Aufteilung des Depots in verschiedene Anlageklassen wird den Interessenten vor einer endgültigen Anmeldung mitgeteilt. Bei einigen Anbietern erhalten die Anwender ohne Eingabe ihrer E-Mail-Adresse oder sogar eines Referenzkontos keine weiteren Informationen. Nach der erfolgreichen Anmeldung müssen sich die Nutzer noch durch das Postident-Verfahren oder durch eine Video-Legitimation ausweisen, bevor sie den Robo-Advisor einsetzen können.

Anbieter Banken

Auch Banken, wie Comdirect, die Deutsche Bank AG oder die Targobank, haben einen automatischen Wertpapierberater im Angebot. Hier reicht es aus, wenn sich die Kontoinhaber im Online Banking anmelden und den Anlageassistenten (Comdirect, Abbildung 2), den Maxblue Anlagefinder (Deutsche Bank) beziehungsweise den Anlageplaner (Targobank) starten.

Auch die Comdirect bietet den Robo Advisor an

 

Abb. 2: Auch die Comdirect bietet die automatsiche Anlageberatung. Quelle: Comdirect

 

Die Banken geben an, dass die Kunden in nur wenigen Schritten digitale Anlagevorschläge erhalten, die jedoch nicht die persönliche Beratung durch einen Bankmitarbeiter ersetzen. Durch die Fragen, die der Anleger beantworten muss, erfolgt die Beurteilung des Anlagerisikos nur in vereinfachter Form. Die Roboter berücksichtigen auch nicht die Erfahrungen und Kenntnisse des Kunden im Handel mit Wertpapieren und erstellen kein so umfassendes Risikoprofil, wie es in einem persönlichen Beratungsgespräch der Fall ist. Das bestehende Depot des Anlegers spielt ebenfalls keine Rolle bei der Entscheidung des Anlageroboters, welche Papiere der Kunde kaufen oder verkaufen sollte.

Wie funktioniert ein Robo-Advisor?

Anleger, die einen digitalen Berater nutzen möchten, geben zunächst durch die Beantwortung der vorgegebenen Fragen an, zu welchem Zweck sie ein Vermögen aufbauen möchten, welches Risiko sie eingehen und ob sie eine einmalige Summe oder regelmäßige Beträge einzahlen wollen. Schon hier zeigen sich große Unterschiede bei den verschiedenen Anbietern. Während bei einigen Robotern lediglich fünf Fragen ausreichen, um ein Risikoprofil für einen Anwender zu erstellen, müssen bei anderen Anlage-Robotern bis zu zwanzig Fragen beantwortet werden.

Bei der Produktpalette sind sich die meisten Robos einig, dass sie den Kauf von Exchange Traded Funds (ETF) empfehlen. Einige Anbieter beschränken sich ausschließlich auf ETFs, in denen sie das Kapital ihrer Kunden anlegen. Der Grund liegt vor allem in der günstigen Kostenstruktur, durch die sich die an der Börse gehandelten Fonds auszeichnen. Ansonsten erhalten die Anleger auch die Empfehlung, in folgende Finanzprodukte zu investieren:

  • Aktive Investmentfonds, die breit streuen und kostengünstig sind
  • Kapitalbildende Versicherungen
  • Devisen
  • Futures
  • Contracts for Difference (CFD)
  • Tagesgeld
  • Exchange Traded Commodities (ETC)
  • Eigene Dachfonds mit ETFs
  • Private Equity (Beteiligungskapital) für große Vermögen ab 100000 Euro

Unabhängig davon, ob der Anleger die empfohlenen Wertpapiere selbst kauft oder von dem System kaufen lässt, erfolgt die Einbuchung in ein Depot. Einige Robo-Berater führen hauseigene Depots, während andere Anbieter mit einem bestimmten Kreditinstitut kooperieren, bei dem die Investoren ein Depot eröffnen können. Die meisten Anlage-Roboter sehen jedoch vor, dass ihre Kunden die kontoführende Stelle für das Depot frei wählen können. Allerdings beinhaltet das eigene Depot des Robo-Advisors oder seiner Partnerbank eine vereinfachte Orderausführung. Außerdem schlagen die elektronischen Berater eine depotführende Stelle vor, falls der Kunde angibt, dass er bisher noch nicht über ein Wertpapierdepot verfügt.

 

Umfang der Beratungsleistung: Recht & Aufsicht

Information für Anlger zu Robo Advisor AnlageempfehlungenAuch wenn der Name es suggeriert, ist ein Robo-Advisor nicht für absolute Anfänger im Wertpapierhandel geeignet. Die Anleger müssen Vorkenntnisse über den Finanzmarkt, den Börsenhandel und die verschiedenen Wertpapiergattungen mitbringen, wenn sie einen der elektronischen Anlageberater nutzen möchten. Die Beratungssoftware kann in verschiedenem Umfang eingesetzt werden:

  • Full Service
  • Half Service
  • Self Service

Full Service Robo Advisor

Full Service ist der umfassendste Service, den ein digitaler Anlageberater bieten kann. Die Nutzer erhalten konkrete Vorschläge, in welche Wertpapiere sie investieren sollen. Nach dem Kauf verwaltet das System das komplette Depot und überwacht die Entwicklung der Börsenkurse hinsichtlich der gewünschten Anlageziele. Wenn durch Kursschwankungen die Sicherheit oder Rendite der Geldanlage gefährdet ist, schichtet der Self-Service-Robo das Depot eigenständig um. Die Betreuung der Investition erfolgt somit elektronisch und der Anleger muss nicht selbst aktiv werden. Da diese Form der digitalen Geldanlage in das Vermögen eines Anlegers eingreift, gelten die Anbieter als regulierte Vermögensverwalter, die die Anforderungen von § 32 Kreditwesengesetz (KWG) erfüllen müssen (einen Überblick für Anleger gibt unsere Seite Geldanlage Vergleich).

Darüber hinaus unterliegen Full Service Robo-Advisors der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die behördliche Aufsicht bedeutet jedoch nicht, dass der elektronische Berater nur erfolgreiche Tipps zum Handel mit Wertpapieren gibt. Auch Banken und andere Anlageberater unterstehen der Aufsicht durch die BaFin. Daraus folgt aber nicht, dass es sich immer um eine erfolgreiche Beratungsleistung handelt, wie die Käufer von Lehman-Papieren oder Anteilen des Immobilienfonds SEB Immoinvest aus eigener Erfahrung bestätigen können.

Entscheidet sich ein Anleger für einen Robo-Advisor mit Half Service, erhält er ebenfalls Anlagevorschläge und wird bei Kursschwankungen aufgefordert, sein Depot umzuschichten. Der Unterschied zum Full Service liegt darin, dass der Depotinhaber vor jedem Kauf und Verkauf von Wertpapieren seine Zustimmung geben muss. Das bedeutet zwar einen höheren Aufwand, dafür behält der Investor stets den Überblick über sein Depot und er ist über die aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten informiert.

Half Service Robo Advisor Anlageberater

Half Service Anlageberater gelten als Vermittler von Finanzanlagen, die nach § 34f Gewerbeordnung (GewO) tätig sind (). Einige Half-Service Robo-Advisors müssen drüber hinaus beachten, dass sie sich nach § 34h GewO als Honorar-Finanzanlageberater nicht an bestimmte Anbieter binden dürfen und dass es ihnen nicht erlaubt ist, eine Provision oder andere Vorteile von Banken und sonstigen Anbietern von Finanzprodukten anzunehmen.

Self Service Robo Advisor

Bei einer elektronischen Anlageberatung im Self Service handelt es sich lediglich um Tipps zur Investition in Aktien und andere Wertpapiere. Im Gegensatz zu den Anlagerobotern im Full Service und im Half Service sind die Berater im Self Service in der Regel kostenlos. Für Anleger, die sich für eine digitale Investmentberatung interessieren, sind die Anlageberater im Self Service eine gute Einstiegsmöglichkeit. Der Anleger entscheidet selbst aufgrund der erhaltenen Anlagevorschläge über den Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere, wobei die Robo-Berater zum Teil sehr konkrete Depotvorschläge machen. In Kombination mit einem Musterdepot, das viele Banken ebenfalls kostenlos anbieten, ist ein Self Service Robo-Advisor eine gute Möglichkeit, die Arbeitsweise und Effektivität der digitalen Anlageberater kennenzulernen und zu testen.

 

Roboter verfolgen unterschiedliche Anlagestrategien

Wie schon die Auswahl der Anlageklassen zeigt, legt jeder elektronische Anlageberater den Schwerpunkt auf eine andere Anlagestrategie. Die Anbieter bilden entweder gemischte Portfolios oder sie bieten ausschließlich ein Finanzprodukt an. Dabei handelt es sich um börsengehandelte Investmentfonds mit der englischen Bezeichnung Exchange Traded Fund, abgekürzt ETF. Diese Wertpapiergattung verursacht nur geringe Kosten und zeigt sich häufig erfolgreich darin, einen Index nachzubilden. Die Anleger sollten sich nach der Zusammensetzung des Portfolios genau erkundigen, wenn sie sich für einen digitalen Assistenten entscheiden. Bei einigen Beratern finden sich auch spekulative Anlageklassen, wie Rentenfonds, Anleihen in Fremdwährung, Rohstoffe oder Edelmetalle, im Bestand. Diese Papiere können großen Kursschwankungen unterliegen und die Performance eines Portfolios nachteilig beeinflussen.

Jeder Anbieter hat eine unterschiedliche Anzahl an Portfolios im Angebot. Die Zusammensetzung der Portfolios besteht aus einer unterschiedlichen Anzahl an Fonds, ETFs und sonstigen Finanzprodukten, die der Anlage-Roboter seinen Kunden empfiehlt. Je größer die Auswahl der Portfolios ist, umso eher findet jeder Anleger das passende Angebot, das zu seinem Risikoprofil und seinem Anlageziel passt. Die Robos unterteilen ihr Angebot in verschiedene Risikograde von konservativ bis spekulativ. Wie Stiftung Warentest festgestellt hat, kann es aber auch vorkommen, dass die als sicher eingestuften Portfolios spekulative Papiere, wie einen Rentenfonds, der Fremdwährungsanleihen enthält, beinhalten können.

Vorsicht bei Renditeprognosen

Vorsicht ist vor allem geboten, wenn Robos konkret ausrechnen, wie sich das Kapital eines Anlegers in der Zukunft entwickeln wird, mit welcher Rendite sie rechnen können. Den Berechnungen liegen in der Regel Zahlen aus der Vergangenheit zugrunde, in der sich die digitale Anlageberatung positiv entwickelt hat. Eine gute Rendite in der Vergangenheit ist aber keine Garantie für die Zukunft. Auch wenn ein Anbieter angibt, die Prognose über die zukünftige Entwicklung anhand anderer Kriterien zu erstellen, sollten die Investoren diese Prognosen bei der Entscheidung für oder gegen einen Roboter-Berater nicht beachten, sondern die Wahl anhand anderer Gesichtspunkte treffen.

 

Kosten & Gebühren der digitalen Anlageberatung

Die Entscheidung eines Anlage-Robos für eine bestimmte Anlagestrategie hat auch Auswirkungen auf die Kosten, die die Anleger für die digitale Vermögensberatung tragen müssen. Insgesamt können auf die Kunden eines elektronischen Anlageassistenten folgende Gebühren zukommen:

  • Gebühren des Robo-Advisors
  • Fondsgebühren
  • Verwaltungskosten für ETFs
  • Handelskosten für Umschichtung des Depots
  • Kontoführungsgebühr für das Depot

Die Gebühren der Anlageroboter fallen unterschiedlich hoch aus. Die Anleger müssen jährlich zwischen 0,15% und 1,2% des Depotwertes an den Anbieter zahlen, damit sie eine Full Service Anlageberatung erhalten. Auch für Angebote mit Half Service berechnen die Robos ähnliche Gebühren, auch wenn die Anleger die Wertpapiere selbst kaufen und verkaufen müssen und die elektronischen Anlageberater nicht so stark reguliert sind wie die Full Service-Robos. Stiftung Warentest empfiehlt, dass die Kosten für einen Robo-Advisor 0,5% des Depotwertes pro Jahr nicht übersteigen sollten. Auffällig ist, dass Kleinanleger häufig höhere Gebühren an den digitalen Anlageplaner zahlen müssen als vermögende Kunden, obwohl beide Anlegergruppen dieselbe Beratung erhalten. Trotzdem liegen die Kosten für einen digitalen Anlageberater häufig unter den Gebühren, die eine Bank oder ein Finanzdienstleister für eine persönliche Beratung verlangen.

Anlage-Robos mit Self Service sind in der Regel kostenlos für die Anwender. Allerdings fallen auch hier Kosten für die Orderausführung, die Fondsverwaltung und gegebenenfalls die Depotkontoführung an. Diese sonstigen Kosten für den Wertpapierhandel entstehen bei jeder Art von Beratung, wobei die Anbieter einer elektronischen Vermögensberatung für die von ihnen empfohlenen Produkte häufig besonders günstige Handelskosten aushandeln können.

Vorteile und Nachteile von Anlage-Robos

Einer der größten Vorteile eines Anlage-Robos ist die Zeitersparnis, die die elektronische Anlageberatung für die Investoren einbringt. Menschen können nicht so schnell auf starke Veränderungen am Finanzmarkt reagieren wie ein Roboter, der ununterbrochen die Kursentwicklungen beobachtet. Auch die Auswahl bestimmter Wertpapiere geht schneller, wenn eine Maschine eine Vorauswahl trifft, die der Anlageerwartung und den Zielen des Anlegers entspricht.

Auch für Kleinanleger

Ein weiterer Vorteil der Robo-Berater liegt darin, dass auch Kleinanleger die digitale Beratung nutzen können. Einige Anbieter verlangen keinen Mindestbetrag für die Geldanlage, bei anderen elektronischen Beratern müssen mindestens 10 Euro einmalig oder 5 Euro als monatliche Sparrate eingezahlt werden. Es gibt aber auch Robos, die erst ab einem Betrag von mindestens 1000 Euro bis 10000 Euro mit der elektronischen Anlageberatung beginnen.

Einige Vorteile der Anlage-Robos für die Nutzer erweisen sich gleichzeitig als deren Nachteile. So zählt zu den Vorteilen unter anderem, dass eine Maschine objektiv die Anlageentscheidung trifft. Die Auswahl der zu handelnden Wertpapiere erfolgt ohne Emotionen. Anleger lassen sich bei ihren eigenen Entscheidungen häufig von Gefühlen leiten, die sich nicht auf konkrete Zahlen und Berechnungen stützen. Roboter hingegen legen den ihnen einprogrammierten Algorithmus zugrunde und treffen aufgrund konkreter Berechnungen die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Papier. Das bedeutet für den Depotinhaber aber auch, dass er keine individuellen Entscheidungen über die Zusammensetzung seines Depots treffen kann, wenn er sich ausschließlich auf die Empfehlungen des Roboters verlässt. Auch bei einer Finanzkrise entscheidet ein Roboter emotionslos über den Kauf und Verkauf bestimmter Papiere, während die menschliche Intelligenz eventuell eine andere Entscheidung trifft.

Nur eingeschränkte Auswahl der Investmentprodukte

Zu den Nachteilen der Robo-Berater zählt die eingeschränkte Auswahl der Investmentprodukte. So gut wie kein Roboter empfiehlt Aktien als Geldanlage und auch bei der Auswahl der Fonds muss sich ein Anleger auf die Empfehlungen der Maschine verlassen. Individuelle Wünsche werden nicht berücksichtigt und für eine Umschichtung des Depots gelten starre Regeln innerhalb dem der Beratungssoftware zugrunde liegenden Algorithmus.

Da es sich bei der digitalen Anlageberatung um ein relativ neues Finanzprodukt handelt, sind Aussagen über eine Performance der Roboterempfehlungen zur Geldanlage noch nicht möglich. Die langfristige Wertentwicklung von elektronisch verwalteten Depots wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Trotzdem kommen immer neue Robo-Advisors auf den Markt oder die bereits vorhandenen Anbieter entwickeln sich von einem Half Service-Robo zu einem Voll Service-Robo.

Banken und Finanzdienstleister setzen die Roboter ebenfalls ein, um Zeit und Kosten zu sparen und das Vertrauen der Anleger in eine unabhängige Vermögensberatung wieder herzustellen oder zu stärken. Experten raten auch Versicherungsgesellschaften zum Einsatz der digitalen Helfer, um mehr ETFs in ihr Portfolio aufzunehmen und dadurch auch in einer Niedrigzinsphase einen ausreichenden Ertrag zu erwirtschaften.

 

Die Haftung der Anlage-Roboter

Jede Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren kann auch zu einem finanziellen Verlust für die Anleger führen. Wenn das Beratungsgespräch mit einem Mitarbeiter einer Bank geführt wurde, unterliegt das Kreditinstitut als ordentlicher Kaufmann nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) der Beratungshaftung. Diese Haftung beinhaltet auch das Führen eines Beratungsprotokolls sowie die Ermittlung des Wissenstandes des Kunden über die gewünschte Anlageform sowie seine Risikobereitschaft bei dem Handel mit Wertpapieren und anderen Finanzprodukten.

Bei einem Robo-Advisor müssen die Anleger unterscheiden, ob der digitale Assistent als Berater oder als Vermittler tätig ist. Die Anbieter vermischen die beiden Begriffe häufig und weisen auf ihrer Internetseite nicht ausdrücklich auf den Unterschied hin. Erst in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder an einer unauffälligen Stelle der Homepage erfahren die Kunden, ob sie es mit einem Berater nach § 32 Kreditwesengesetz oder mit einem Vermittler nach § 34f Gewerbeordnung zu tun haben.

Berater oder Vermittler

Der Unterschied zwischen Berater und Vermittler liegt vor allem in der Haftung der Anbieter, falls es zu einem finanziellen Verlust des Anlegers aufgrund einer fehlerhaften Beratung kommt. Ein Vermittler bietet lediglich eine Dienstleistung als „execution only“ an. Das bedeutet, dass der Anleger selbst entscheidet, in welche Papiere er investiert. Auch wenn der Investor aufgrund der Antworten, die er dem Robo-Berater bei der Anmeldung gegeben hat, als konservativ eingestuft wird, kann er sich zum Kauf spekulativer Papiere entscheiden. Geht die Investition schief und der Händler verliert Geld, muss der Anlageroboter als Vermittler nicht für den Verlust haften.

Anders sieht es bei einem Berater aus, der neben der im Kreditwesengesetz festgelegten Haftung zusätzlich der Aufsicht durch die BaFin unterliegt. Auch dieser digitale Anlageberater kann sich irren und einem Anleger ein Produkt empfehlen, das zu einem Kapitalverlust führt. Hier kann der Geschädigte juristisch gegen den Berater vorgehen und Schadensersatz verlangen.

Juristische Grauzone

Die Robos, die sich darauf berufen, lediglich als Vermittler tätig zu sein, befinden sich in einer juristischen Grauzone. Wenn ein Anleger wegen eines finanziellen Verlustes gegen den Vermittler vorgeht, kann es vorkommen, dass ein Gericht schon das Ausfüllen des Fragebogens bei der Anmeldung als Beratungsleistung ansieht, die über eine bloße Vermittlungstätigkeit hinausgeht. Da die Zahl der Robo-Advisors in den nächsten Jahren stark ansteigen wird, wie Finanzexperten erwarten, sind hier Politik und Rechtsprechung gefragt, um klare Verhältnisse für die Anleger und die Anbieter zu schaffen. Bis dahin sollten Investoren, die Wert auf eine Beratungshaftung legen, die Internetseiten der digitalen Assistenten genau untersuchen, um zu erfahren, ob es sich um einen Berater oder einen Vermittler handelt, dem sie ihr Geld anvertrauen.

Sicherheit: Wie sicher ist eine Geldanlage über einen Robo-Advisor?

Das es sich bei den Anlage-Robos um eine relativ neue Erfindung von jungen Unternehmen handelt, müssen sich die Anbieter erst am Markt etablieren. Dabei kann es vorkommen, dass ein digitaler Anlageberater schnell wieder verschwindet, weil sein Geschäftskonzept oder seine Gebührenstruktur die Anleger nicht überzeugen konnten. Daher sollten sich die Investoren vor einer Geldanlage darüber informieren, wie sicher sie ihr Geld anlegen.

Einige Online-Vermögensberater sind die Ableger einer Bank oder einer Bausparkasse, während andere Anbieter unabhängig tätig sind. Die unabhängigen Vermögensberater arbeiten jedoch in vielen Fällen ebenfalls mit einem Kreditinstitut als kontoführende Stelle für das Depot zusammen. Das Verrechnungskonto für das Depot wird ebenfalls bei einer Bank oder Sparkasse geführt, sodass der Vermittler oder Berater zu keiner Zeit Zugriff auf das Geld seiner Kunden hat. Die Kundeneinlagen auf dem Verrechnungskonto oder einem Tagesgeldkonto sind sowohl durch die gesetzliche Einlagensicherung als auch durch die freiwillige Einlagensicherung der deutschen Kreditinstitute geschützt.

Wenn ein Bankkunde auf Empfehlung eines Robo-Advisors Wertpapiere kauft, erfolgt die Einbuchung der Papiere in das Depot des Anlegers. Die kontoführende Bank verwahrt die Wertpapiere lediglich für den Kunden, der weiterhin Eigentümer der Papiere bleibt. Daher sind die Depotbanken verpflichtet, die Wertpapiere jederzeit an den Depotinhaber auszuhändigen. Das gilt auch im Fall einer Insolvenz des depotführenden Instituts, sodass die Anleger keinen Verlust ihrer Papiere befürchten müssen.

 

Suchvolumen – User Interesse

Wie hat sich das Interesse an dem Begriff Robo Advisor in den Letzten Jahren entwickelt. Für eine erste quantitative Analyse ist beispielsweise das  Google Trends Tool geeignet (Abbildung 3). Weitere Informationen zu Auswertungsmöglichkeiten gibt es auf www.tagesgeldvergleich.com/google-trends/

 

Suchinteresse für den Begriff "Robo Advisor" bei Google Trends

 

Abb. 3: Entwicklung des Suchinteresses für die Begriff Robo Advisor und Robo-Advisor. Quelle: google.de/trends/robo

 

Die Abbildung zeigt sofort zwei  Aspekt auf:

  • 1. Vor 2012 gab es kaum Anfragen bei Google zu diesem Thema und seit 2015 erfolgt eine deutliche Zunahme bei den Anfragen
  • 2. Für SEOs: Ganz wichtig ist die genaue Schreibweise des Keywords. Der Suchbegriff ohne Bindestrich wird um ein Mehrfaches häufiger nachgefragt als mit Bindestrich.

 

Literatur

BaFin: Übersicht der Finanzdienstleistungsaufsichtsbehörde zu Robo Advisor

Der Vermögensverwalter Schroeder kauft das Online-Investmentmanager FinTech Nutmeg im Bietergefecht mitr Aberdeen.

Neue Züricher Zeitung, Febr. 2017: Wird die automatisierte Anlageberatung überschätzt? Unterschätze Probleme: Die Bank von morgen ist nicht automatisch digital.

Punktmagazin Schweiz 2015: Robo-Advisor – Revolution im Private Banking?