Interview mit Dr. Frank Freund von WeltSparen

Einlagensicherung: „Kunden bei WeltSparen können pro Kreditinstitut maximal Gelder in Höhe der jeweiligen Einlagensicherungsgrenze anlegen“


 

tagesgeldvergleich.com:  WeltSparen gehört mit seinem Festgeld-Angeboten zu den erfolgreichsten FinTechs in Deutschland. Ist WeltSparen trotz der Niedrigzinsphase oder gerade wegen der Niedrigzinsphase erfolgreich?

 

WeltSparen Gründer und Geschäftsführer Dr. Frank Freund

Dr. Frank Freund, Geschäftsführer von WeltSparen

 Dr. Frank Freund: Wir sind unseren Kunden gegenüber natürlich sehr dankbar für das WeltSparen entgegengebrachte Vertrauen und stolz darauf, seit dem Start als erster Festgeldmarktplatz Europas Ende 2013 bereits an mehrere Tausend zufriedene Kunden Festgeldkonten vermittelt zu haben.

Der Erfolg liegt natürlich nicht zuletzt daran, dass die Zinsen für entsprechende Anlageprodukte in Deutschland seit Jahren auf einem historisch niedrigen Stand sind – und eine Besserung auch kurz- bis mittelfristig nicht in Sicht ist.

Im September lag die durchschnittliche Verzinsung für Spareinlagen mit einjähriger Laufzeit laut EZB in Deutschland bei gerade einmal rund 0,5% und damit deutlich unter der derzeitigen Inflationsrate von 0,8%. Auf unserer Plattform beträgt der niedrigste Zins derzeit 1,5% p.a. – so kann das Ersparte vor einem realen Wertverlust bewahrt werden. Das überzeugt unsere Kunden.

 

Wie schätzen Sie die Zinsentwicklung für Festgeld mit mittelfristiger Laufzeit, bei voraussichtlich 2015/2016 stagnierendem Leitzinssatz in Europa und steigenden Leitzinsen in den USA, ein?

Frank Freund: Eine genaue Prognose ist natürlich immer schwierig, da am Geldmarkt immer viele Faktoren und individuelle Interessen der jeweiligen Akteure ineinander greifen. Persönlich erwarte ich jedoch für Privatkunden in Deutschland keinerlei Entspannung was das kurz- oder mittelfristige Zinsniveau betrifft. Das spiegelt den politischen Willen wider, die derzeitigen Komplikationen – leider vor allem auch auf Kosten der Sparer und Anleger – durch eine nie dagewesene Niedrigzinsphase und billiges Geld auf den Märkten lösen zu wollen.

Banken hierzulande sind dank der Spardisziplin der deutschen Privatkunden mehr als ausreichend mit Einlagen versorgt und zahlen entsprechend geringe Zinsen. Erste Institute verlangen von Kunden gewisser Größe sogar schon Geld oder haben zumindest angekündigt, solche Schritte zu überlegen – Stichwort „Negativzinsen“. Somit wird sich die anhaltende Niedrigzinspolitik auch mittelfristig weiterhin negativ auf den privaten Sparer auswirken – eine Vermögenssicherung und auch ein Vermögensaufbau für das Alter werden deutlich erschwert.

Die Kunden müssen das Zepter in die eigene Hand nehmen und sich aktiv nach Alternativen umschauen – die Marktentwicklung wird voraussichtlich leider nicht die erhoffte Wende bringen.

 

Der Begriff Negativzinsen macht gerade in den Medien die Runde. Müssen Sparer demnächst auch Strafzinsen auf Fest- und Tagesgelder zahlen, wie sie bereits von einigen Banken auf höhervolumige Einlagen von Geschäftskunden erhoben werden? Gibt es für Privatanleger indirekte Renditeeinbußen durch Negativzinsen an anderen Stellen?

Frank Freud: Negativzinsen für den durchschnittlichen Sparer sehe ich nicht auf uns zukommen, denn dafür gibt es einfach zu viele Anbieter am Markt und auch das Umschichten der Gelder ist zu einfach. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die ganz ursprüngliche Aufgabe von Banken eigentlich gewesen ist, Gelder von Kunden gegen eine Vergütung entgegenzunehmen, sicher zu verwahren und aus den bereitgestellten Mitteln Kredite zu vergeben, lässt die Frage zu, ob ein Negativzins für Bankkunden überhaupt gesellschaftlich durchsetzbar ist.

Wofür braucht es noch eine Bank, wenn der Kunde für die Verwahrung seiner Ersparnisse zur Kasse gebeten wird?
Kunden bekommen die Auswirkungen von Niedrigzinsen leider aber auch an anderer Stelle zu spüren. Beispielsweise werfen klassische Lebensversicherungen, eine der beliebteren Vorsorgeformen der Deutschen für den Ruhestand, kaum noch Rendite ab und Versicherungen müssen daher den Garantiezins senken. Es würde mich nicht überraschen, wenn dieser mittelfristig ebenfalls unterhalb der Inflation liegen würde, bzw. tut er das wenn man sauber nachrechnet bei vielen Policen nach Kosten bereits ohnehin.

 

Über WeltSparen können Sparer Festgelder bei europäischen Banken eröffnen. Würde ein Direktinvestment bei einer dieser Banken nicht eine höhere Rendite bringen, da die Provision von WeltSparen wegfallen würde?

Frank Freund: Nicht wirklich, denn diese Sichtweise ist zu kurz gedacht. In der Tat bieten manche unserer Partnerbanken, zum Beispiel die Fibank, im lokalen Markt leicht höhere Zinsen an, als über WeltSparen. Andere hingegen, wie etwa die Banca Sistema aus Italien, zahlen in beiden Fällen (d.h. in Deutschland wie auch in Italien) exakt den gleichen Zinssatz. Wiederum andere Banken bieten ein extra auf den deutschen Markt zugeschnittenes Produkt an, so etwa FirstSave €uro aus Großbritannien mit einem Festgeld in Euro, dass es so nur in Deutschland gibt. Und Alior aus Polen bietet deutschen Kunden gar höhere Zinsen als im lokalen polnischen Markt!

In jedem Fall würde der Kunde bei einem direkten Abschluss zunächst vor einer Reihe von Hürden stehen: zum einen ist ein Abschluss aus Deutschland heraus bei den meisten Banken nicht möglich, man müsste also zunächst in das gewünschte Land reisen. Dort angekommen wird man in aller Regel nur Vertragsunterlagen in der jeweiligen Landessprache vorfinden. Die Dokumente auf Englisch mit deutscher Hilfsübersetzung wurden extra für WeltSparen angefertigt und stehen daher bei einer direkten Kontoeröffnung nicht zur Verfügung. Und nach erfolgreicher Eröffnung bleibt einem als Ansprechpartner nur der lokale Kundenservice in Landessprache. Auch bei Fragen zur Verlängerung, Steuerdokumenten oder ähnlichen Serviceanliegen wäre der Kunde alleingelassen.

Eine direkte Kontoeröffnung ist zwar im Grundsatz möglich, jedoch sehr aufwendig und teils kostspielig. In jedem Fall entgeht einem dadurch aber auch ein großer Vorteil von WeltSparen, nämlich: nur eine einmalige Registrierung, nur ein Onlinebanking und ein direkter Ansprechpartner für die Angebote der Banken.

 

Sind die über WeltSparen angelegten Festgelder einlagengesichert? Und ist es angesichts der Erfahrungen in Zypern sowie der bestehenden EU-Richtlinien zur finanziellen Beteiligung von Investoren bei der Sanierung von insolventen Banken ratsam, mehr als 100.000 Euro bei nur einer Bank anzulegen?

Frank Freund: Selbstverständlich unterliegen alle Einlagen bei allen unseren Partnerbanken der gesetzlichen Einlagensicherung im jeweiligen Land gemäß EU-Richtlinien. Damit sind alle Gelder bis zum Gegenwert von 100.000 Euro pro Kunde und Institut durch die jeweilige Einlagensicherung abgesichert, in Norwegen sogar durch eine höhere Grenze darüber hinaus.

Eine Anlage über diese Grenze hinaus halten wir, mit Hinblick auf die von Ihnen angesprochene Gefahr einer Beteiligung im Insolvenzfall, für nicht ratsam und haben entsprechend vorgesorgt! Konkret bedeutet das: Kunden bei WeltSparen können pro Kreditinstitut maximal Gelder in Höhe der jeweiligen Einlagensicherungsgrenze anlegen.

 

WeltSparen hat mit dem Festgeld der norwegischen BN Bank auch ein Angebot mit Währungsrisiko in der Produktpalette. Sollten konservative Anleger hier lieber verzichten und ein auf Euro lautendes Engagement tätigen?

Frank Freund: Wir beraten unsere Kunden grundsätzlich nicht dahingehend, welches Angebot für sie passend ist, oder nicht. Als Festgeldmarktplatz sehen wir unsere Aufgabe darin, unsere Kunden umfassend und transparent über alle relevanten Kriterien einer Anlage zu informieren und ihnen so eine fundierte und selbständige Anlageentscheidung zu ermöglichen.

Natürlich gebe ich Ihnen aber vollkommen Recht, dass eine Anlage in Fremdwährung immer auch mit einem Währungsrisiko verbunden ist. Auf diesen Umstand weisen wir unsere Kunden vor Abschluss des Festgeldes mehrfach hin. Die zahlreichen Kunden, die dieses Produkt bereits abgeschlossen habe, zeigen, dass wir damit grundsätzlich einen Bedarf am Markt decken, und dass ein mündiger Kunde sehr wohl auch eine persönliche Meinung in Bezug auf Chancen und Risiken der Anlage in einer Fremdwährung besitzt. Für einige der Kunden spielt neben dem Währungskurs sicherlich auch die Finanzkraft, Stabilität und das Rating Norwegens eine ausschlaggebende Rolle.

 

Wird WeltSparen zukünftig weitere, über Festgeld hinausgehende Finanzprodukte anbieten?

In den nächsten Monaten möchten wir uns darauf konzentrieren, die Angebotspalette für unsere Kunden auf www.weltsparen.de weiter auszubauen und die Eröffnungsprozesse weiter zu verbessern und zu vereinfachen.
Auf lange Sicht spricht natürlich nichts dagegen, unseren Kunden weitere attraktive Sparprodukte, wie etwa Tagesgelder, zur Verfügung zu stellen. Und auch aus Österreich bekommen wir viele Anfragen von Sparern, die von unserem Service gerne profitieren möchten. Es gibt also auch in dieser Hinsicht einiges im kommenden Jahr von WeltSparen zu erwarten.

 

 

Weiterführende Informationen

Neuer Brand: https://www.raisin.com

Interview mit Katharina Lüth

Neues von Weltsparen

Festgeld aus Italien: Banca Sistema

Festgeld aus Norwegen: BN Bank

Festgeld aus Bulgarien: FiBank

Hier finden Sie eine Übersicht der Anbieter von Festgeld mit Laufzeit 1 Jahr.

Festgeld mit 10 Jahre Laufzeit

Eine Kontoeröffnung ist online einfach möglich, Tipps und Hilfestellungen gibt die Infoseite Festgeldkonto eröffnen.

Forschungsarbeiten über verschiedene Zinsmodelle  und deren Prognosegüte gibt es auf mathematische Modelle.

Und hier die Prognose der Redaktion zu Entwicklung der Zinsen von Tagesgeld in 2016

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Das Interview führte Dr. Ulrich Fielitz am 01.12.2014