Personengesellschaften im Vergleich

Personengesellschaften ÜberblickDefinition: Eine Personengesellschaft entsteht, wenn sich mindestens zwei natürliche oder juristische Personen zusammenschließen, die eine Gesellschaft gründen, um einen bestimmten Zweck zu verwirklichen. Zahlreiche Unternehmen bestehen entweder in der Rechtsform einer Personengesellschaft oder sie werden als Kapitalgesellschaft gegründet. Der folgende Text gibt Beispiele und eine Übersicht.

Eine Personengesellschaft ist im rechtlichen Sinne keine juristische Person, aber es können zwei oder mehrere juristische Personen eine Personengesellschaft gründen. Obwohl die Personengesellschaft über keine eigene juristische Persönlichkeit verfügt, nähern sich ihre selbstständigen Rechte und Pflichten denen einer juristischen Person an. Das gilt insbesondere für Personengesellschaften, die Trägerinnen eines Gesamtvermögens sind, wie zum Beispiel eine offene Handelsgesellschaft (OHG). Personengesellschaften Übersicht, die folgenden Rechtsformen sind möglich:

  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
  • Offene Handelsgesellschaft (OHG)
  • Kommanditgesellschaft (KG)
  • Partnerschaftsgesellschaft (PartG)

 

 

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts wird auch als BGB-Gesellschaft bezeichnet, da die gesetzlichen Grundlagen in den Paragrafen 705 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geregelt sind. Es handelt sich nicht um eine Handelsgesellschaft, weshalb kein Eintrag ins Handelsregister erfolgt und keine Pflicht zur handelsrechtlichen Buchführung besteht. Eine einfache Überschussrechnung ist steuerlich ausreichend. Die Gründung der GbR erfolgt durch Abschluss eines Gesellschaftsvertrages, der sowohl mündlich als auch schriftlich erfolgen kann. Nur wenn ein Grundstück, ein Erbbaurecht oder das Recht an einem Grundstück Bestandteil der GbR sind, muss ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag abgeschlossen werden, der von einem Notar beglaubigt werden muss. Eine GbR wird häufig von folgenden Personengruppen gegründet:

  • Zusammenschluss von Freiberuflern als Praxisgemeinschaft oder Sozietät
  • Projektgesellschaft zum Bau einer Großimmobilie
  • Wohngemeinschaften
  • Erbengemeinschaften
  • Fahrgemeinschaften
  • nicht eheliche Partnerschaften
  • Familien zur Organisation des Familienvermögens

 

 

Die Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Im Gegensatz zur GbR handelt es sich bei einer offenen Handelsgesellschaft um ein Unternehmen, das ein Handelsgewerbe ausübt und das im Handelsregister eingetragen ist. Die Gründung der OHG erfolgt durch Abschluss eines schriftlichen Gesellschaftsvertrages, der bei Einbringung eines Grundstücks in die Gesellschaft notariell beglaubigt werden muss. Bei den Gründungsmitgliedern der OHG kann es sich sowohl um natürliche Personen als auch um juristische Personen handeln. Ein Gründungskapital ist nicht zwingend notwendig, kann jedoch im Gesellschaftsvertrag vereinbart werden. In diesem Fall sind die Gesellschafter berechtigt, ihren Kapitaleinsatz in Form von Geld, von Sachleistungen oder von Dienstleistungen zu erbringen.

Gemäß Handelsgesetzbuch (HGB) ist jeder Gesellschafter einer OHG alleine vertretungsberechtigt, lediglich bei außergewöhnlichen Vorhaben muss ein gemeinsamer Beschluss aller Gesellschafter vorliegen. Wird ein Prokurist bestellt, muss er immer mit einem Gesellschafter gemeinsam handeln. Als Handelsgesellschaft unterliegt eine OHG der ordentlichen Buchführungspflicht gemäß Handelsgesetzbuch.

 

 

Die Kommanditgesellschaft (KG)

Bei einer Kommanditgesellschaft handelt es sich um eine Sonderform der OHG, deren gesetzliche Regelungen sich in den Paragrafen 161 ff. sowie in §§ 705 – 740 des HGB finden. Mindestens einer der Gesellschafter muss mit seinem gesamten Vermögen für die Verbindlichkeiten des Unternehmens haften. Dieser Gesellschafter wird als Komplementär bezeichnet. Der Komplementär hat dieselben Pflichten und Rechte wie der Gesellschafter einer OHG. Die anderen Beteiligten an einer KG sind als Kommanditisten in der Höhe ihrer finanziellen Haftung beschränkt. Die Höhe der Haftungssumme ist im Gesellschaftsvertrag festgelegt und ist häufig mit der Höhe der Einlage des Kommanditisten identisch. In der Praxis findet eine Kommanditgesellschaft vor allem bei geschlossenen Investmentfonds Anwendung. Die Anleger gehen somit das Risiko ein, bei einer Insolvenz des Fonds ihre komplette Einlage zu verlieren.

 

 

Die Partnerschaftsgesellschaft (PartG)

Anders als bei den anderen Personengesellschaften dürfen bei der Gründung einer Partnerschaftsgesellschaft ausschließlich natürliche Personen beteiligt sein. In der Regel handelt es sich um Angehörige eines freien Berufes, die sich zur Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit zusammenschließen. Eine Partnerschaftsgesellschaft übt kein Handelsgewerbe aus. Der Gesellschaftsvertrag der Partnerschaftsgesellschaft muss immer schriftlich aufgesetzt werden. Die Eintragung der Firma erfolgt in das Partnerschaftsregister. Für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft gegenüber Gläubigern haften alle Partner persönlich als Gesamtschuldner. Für berufliche Fehler muss nur der Gesellschafter haften, der mit der Ausführung eines bestimmten Auftrags betraut war.

Eine Sonderform stellt die Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung dar (PartG mbB). Sie gilt für folgende Berufsgruppen, sofern ihre Angehörigen als Selbstständige tätig sind:

  • Rechtsanwälte
  • Patentanwälte
  • Steuerberater
  • Wirtschaftsprüfer

Die Haftungsgrenze für berufsbedingte Fehler ist auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Voraussetzung für die Mitgliedschaft in einer Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung ist der Abschluss einer speziellen Haftpflichtversicherung für den jeweiligen Berufsstand.

 

 

Der Gesellschaftsvertrag bei Personengesellschaften

ParagraphDie Ausgestaltung einer Personengesellschaft hängt von dem Gesellschaftsvertrag ab, den die beteiligten Parteien miteinander abschließen. Die einzelnen Gesellschafter arbeiten grundsätzlich in dem Unternehmen mit. Es ist nicht notwendig, dass sich die Gesellschafter finanziell an der Firma beteiligen. In der Praxis ist jedoch eine Kapitalbeteiligung der Gesellschafter an der Personengesellschaft üblich. Bei den meisten Personengesellschaften haften die Gesellschafter in unbegrenzter Höhe für die Verbindlichkeiten des Unternehmens. Die unbegrenzte Haftung umfasst sowohl das Gesellschaftsvermögen als auch die Privatvermögen der Gesellschafter. Eine Ausnahme stellt die Kommanditgesellschaft dar, bei der die Komplementäre unbeschränkter Haftung unterliegen, während die Gesellschafter, die als Kommanditisten eingetragen sind, nur mit dem Betrag haften, der im Handelsregister als Haftungssumme vermerkt ist.

Wenn innerhalb der Personengesellschaft Abstimmungen stattfinden, ist nicht die Höhe der Kapitalbeteiligung ausschlaggebend, sondern die Anzahl der Gesellschafter. Die einzelnen Beteiligungen der Gesellschafter sind personengebunden und nicht übertragbar. Das gesamte Vermögen einer Personengesellschaft steht allen Gesellschaftern gemeinsam zu. Die Vermögensbeteiligung wird als Gemeinschaft zur gesamten Hand bezeichnet. Das bedeutet, dass jedem einzelnen Gesellschafter ein Bruchteil des Gesamtvermögens zusteht, jedoch keine Verfügungsberechtigung über einen Anteil an bestimmten Gegenständen vorhanden ist.

 

 

Sonderformen: Partenreederei, Europäische Wirtschaftliche Intressensvereinigung, stille Gesellschaft

Bis zum 24. April 2013 konnte in Deutschland auch eine Partenreederei als Personengesellschaft gegründet werden. Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Reform des Seehandelsrechts wurde diese Sonderform einer Personengesellschaft jedoch abgeschafft. Zwei oder mehr Personen, die seit dem 25. April 2013 eine Gesellschaft gründen möchten, um ein Schiff zu bauen oder zu kaufen, das zum Erwerb durch die Seefahrt gedacht ist, müssen eine Handelsgesellschaft gründen.

Eine weitere Sonderform der Personengesellschaft ist die Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV). Es handelt sich um die erste gemeinschaftliche Unternehmensform innerhalb der Europäischen Union (EU), die am 25.Juli 1985 von der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) eingeführt wurde. Der Zweck der EWIV ist die Förderung und die Erleichterung der grenzüberschreitenden Kooperation der Mitgliedsstaaten der EU.

Eine stille Gesellschaft als weitere Sonderform gilt nur im Innenverhältnis als Personengesellschaft, sie stellt jedoch keine Handelsgesellschaft dar. Es handelt sich vielmehr um ein Schuldverhältnis der beteiligten Parteien.

 

Personengesellschaften können ein Tagesgeldkonto oder Festgeldkonto eröffnen

Nicht benötigte Gelder brauchen nicht auf unverzinst auf dem Geschäftsgirokonto liege: Auch Personengesellschaften können Tagesgeld oder Festgeld nutzen. Nicht alle, aber einige der auf unseren Infoseiten Tagesgeld für Unternehmen und Festgeld für Firmen gelisteten Banken bieten für diese Rechtsform entsprechende Konten an.

 

Literatur

Statistische Daten zu Personengesellschaften in Deutschland gibt das Statistische Bundesamt in der Reihe: Statistik über Personengesellschaften

 

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