Leitzinsen

Die Leitzinsen als Einflussfaktor in der Geldpolitik

Leitzinssatz & Hauptrefinanzierungssatz

In allen Medien wird den Leitzinsen in der EU-Währungszone eine besondere Bedeutung beigemessen.

Die Definition des Begriffs Leitzins, der auch als Hauptrefinanzierungssatz von Wirtschaftswissenschaftlern bezeichnet wird ist: Der Zinssatz, zu dem Banken gegen Hinterlegung von Wertpapieren und anderen besicherten Papieren Geld von der EZB für den definierten Zeitraum von einer Woche erhalten.

Mit dieser Maßnahme können sich Banken frisches Geld von der Europäischen Zentralbank besorgen. Die Höhe der Leitzinsen wird von dem EZB Direktorium auf den Pressekonferenzen nach EZB-Sitzungen bekannt gegeben.

Fachlich umfassen die Leitzinsen eigentlich die 3 Zinsarten: Hauptrefinanzierungssatz, Spitenrefinanzierungssatz und Einlagensatz. Umgangssprachlich wird mit Leitzinsen der Hauptrefinanzierungssatz bezeichnet.

 

Der aktuelle Hauptrefinanzierungssatz beträgt 0,0%

Die EZB hat auf ihrer Sitzung am 10.03.2016 den Zinssatz von bisher 0,05% auf 0,00% gesenkt

 

 

Entwicklung der Leitzinsen USA  – Eurozone im Vergleich

Die Abbildung 1 zeigt die zeitliche Entwicklung der Leitzinsen in Amerika (Federal Funds Rate oder Fed Rate) und in der Eurozone (Hauptrefinanzierungssatz) seit 2007. Die Fed hat die Leitzinsen vom 16. Dezember 2008 bis 15. Dezember 2015  in dem Zielkorridor von 0 – 0,25% gehalten. Am 16.12.2015 erfolgte nach langer Pause die erste Anhebung des Leitzinssatzes auf 0,25 – 0,50%. Die Finanzkrise fordert damit beiderseits des Atlantiks von den Sparern ihren Preis. Kreditnehmer kommen dagegen billig an Geld, die Kreditzinsen waren selten so günstig.

 

Entwicklung der Leitzinsen USA und Europa 2007-2016

Abb. 1: Veränderung der Leitzinsen von 2007 – 2016, EU und USA

 

Deutlich ist die Reaktion der Fed und der EZB auf die Finanzkrise zu sehen: Von 2007 bis 2009 senkten beide Notenbanken die Leitzinsen drastisch, um durch niedrige Zinsen ein Zusammenbruch der weltweiten Finanzmärkte zu verhindern. Wie wir heute sehen, waren die geldpolitischen Maßnahmen ein Erfolg, allerdings zum Preis von hohen Staatsschulden. Beide Notenbanken müssen nun wieder sehen, wie sie den Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik ohne einen größeren Einbruch an den Kapitalmärkten bewerkstelligen.

An den Leitzinsen orientieren sich viele Zinssätze an den Finanzmärkten. Für Anleger besonders interessant sind die Tagesgeld Zinsen, die Festgeld Zinsen und die Kredit Zinsen. Üblicherweise sind zumindest die Zinsen für  Tagesgeld und Festgeld mit den Leitzinsen korreliert, wobei eine Änderung der Leitzinsen nicht automatisch zu einer äquivalenten Änderung führt. Allerdings folgen die Banken mit zeitlicher Verzögerung Änderungen des Leitzinssatzes.

 

Einfluss & Wirkung von Änderungen des Hauptrefinanzierungssatzes auf die Finanzmärkte

Für den Finanzmarkt, insbesondere der Börse hat eine Senkung der Leitzinsen meist eine stimulierende Wirkung. Wirtschaftsunternehmen brauchen weniger Zinsen bei der Kreditaufnahme zu zahlen, wodurch  ein höherer Gewinn erzielt wird. Da an der Börse insbesondere die wirtschaftlichen Aussichten in die Aktienkurse eingepreist werden, steigen nach einer Leitzinssenkung in der Regel die Kurse.

Die EZB ist geldpolitisch auch für die Stabilität des Euro verantwortlich. Deshalb berücksichtigt sie üblicherweise bei einer Änderung der Leitzinsen auch die Inflationsrate.

In der augenblicklich sehr angespannten finanziellen Lage diverser Banken und sogar Staaten, räumt die EZB der Stützung der Wirtschaft Vorrang vor der Geldstabilität bzw. Geldentwertung ein. Ansonsten müsste der Leitzins bei rund 2% liegen, um die Kaufkraft des Euro in den meisten EU-Ländern zu erhalten.

Englisch Übersetzung: „policy rates“, „key interest rate“ entspricht in deutsch „Leitzins“

 

Weitere von der EZB festgelegte Zinssätze sind:

 

Leitzinsänderungen

Aufgrund der ungünstigen Wirtschaftslage und den deflationären Tendenzen im Euroraum hat die EZB wieder die Zinssätze für die drei Leitzinsen reduziert, wie Mari Draghi am 04.09.2014 auf der Pressekonferenz nach der EZB Ratssitzung ausführte. Die neuen Zinssätze gelten ab dem 10. September 2014.

Die EZB hat, wie von den Marktteilnehmern erwartet, alle drei Leitzinssätze am 05.06.2014 mit Wirkung zum 11.06.2014 gesenkt. Der Hauptrefinanzierungssatz wurde von bisher 0,25% auf 0,15% gesenkt. Und für die Entwicklung der Tagesgeld Zinsen und Festgeld Zinsen besonders wichtig: Die EZB hat indirekt eine weitere Leitzinssenkung ausgeschlossen, wie aus der Pressekonferenz der Notenbank am 05.06.2014 zu entnehmen ist: „Was unsere Forward Guidance betrifft, so werden die EZB-Leitzinsen an gesichts der gegenwärtigen Inflationsaussichten für längere Zeit auf dem aktuellen Niveau bleiben.“

Am 07.11.2013 hat die EZB überraschend den Leitzins von 0,5% auf 0,25% gesenkt. Die letzte Senkung erfolgte am 02. Mai 2013 (nachdem die letzte Zinssenkung am 05. Juli 2012 erfolgte, diese Zinssenkung wurde von der Redaktion bereits prognostiziert). Die Leitzinsen sind eine wichtige Stellschraube der EZB um die Geldschöpfung, also die Liquidität, in der Eurozone zu beeinflussen. Der Begriff Hauptrefinanzierungssatz ist im Wortsinn selbsterklärend: Es ist der Zinssatz für die Banken, zu dem sie sich Re-finanzieren können. Für die Banken ist dieses Geschäft oft vorteilhaft, da sie die Wertpapiere wieder gegen das ausgeliehene Geld zurückbekommen können. Wenn sie dagegen die Papiere am Kapitalmarkt veräußert und später wieder zurückgekauft hätten, entstünden deutlich höhere Transaktionskosten. Von eventuellen Wertänderungen durch Kursschwankungen ganz abgesehen.

 

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Der erste Zinsschritt der mexikanischen Zentralbank seit 2009.

 

 

Revisionen/Änderungen Leitzinsen EU

10.03.2016 Zinssenkung auf 0,00% mit Wirkung zum 16.03.2016
04.09.2014 Zinssenkung auf 0,05% mit Wirkung zum 10.09.2014
05.06.2014 Zinssenkung auf 0,15% mit Wirkung zum 11.06.2014
07.11.2013 Zinssenkung auf 0,25%
02.05.2013 Zinssenkung auf 0,50%
05. 07.2012 Zinssenkung auf 0,75%