Kredite zum Spekulieren: für und wider von Wertpapierkrediten

Die Jahre 1998 und 1999 sind einigen Kreditnehmern noch in lebhafter Erinnerung. Die Blase am dotcom-Markt verleitete viele, gerade Kleinsparer, dazu, über Kredite Aktienkäufe zu finanzieren.

Im Frühjahr 2000 waren es dann keine dreistelligen Gewinne im Laufe eines Jahres mehr, die in den Büchern standen, sondern Kredite, die jedes Jahr zurückgezahlt wurden, ohne dass der Darlehensnehmer etwas in der Hand hielt – kein Auto, keine neue Küche, nur einen Depotauszug, der das ganze Elend widerspiegelte. So drastische Folgen wie der Zusammenbruch des Technologiemarktes an den Börsen muss ein Wertpapierkredit aber keineswegs haben. Wertpapierkredite haben durchaus ihre Existenzberechtigung, ohne dass den Anlegern gleich riskantes Verhalten vorgeworfen werden muss.

 

Dem Kredit steht die Wertentwicklung der Papiere gegenüber

Wer einen Kredit zum Spekulieren aufnehmen möchte, hat zwei Möglichkeiten. Die Erste besteht darin, einen Ratenkredit ohne besonderen Verwendungszweck aufzunehmen. Es bleibt die Hoffnung, dass die damit erworbenen Wertpapiere zum einen genügend Ertrag abwerfen, um die Zinsen zu bezahlen, zum anderen auch tatsächlich die Rendite erwirtschaften, so das am Ende mehr auf dem Depotkonto steht, als das Darlehen ausgemacht hat. Im Idealfall übersteigt der Kursgewinn die Zinsen und das Darlehen, sodass ein echter Gewinn übrig bleibt. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass beim Verkauf der Papiere noch 25 Prozent Abgeltungssteuer anfallen, die bei der Renditebetrachtung ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Alles in allem muss es sich also um eine recht spekulative Anlage handeln, die kurzfristig die notwendigen Gewinne einbringt. Ein Investment über fünf Jahre mithilfe eines Darlehens zu finanzieren lässt es fraglich werden, ob die Kursgewinne am Ende die gezahlten Zinsen übersteigen.

 

Bei großem Volumen droht Kursverfall

Ein Indikator für den Aktienmarkt ist die sogenannte Margin Debt. Diese beziffert das Volumen der auf Kredit gekauften Wertpapiere. Zu Zeiten niedrigster Kreditzinsen ist es natürlich auch für institutionelle Anleger verlockend, Aktien auf Kredite zu erwerben. Der Haken dabei sind allerdings die Volumina. Kommt es zu einem Nachgeben der Kurse, müssen die beliehenen Aktien neu bewertet werden. Dies kann zu einer teilweisen vorzeitigen Rückzahlung des Kredites führen, die wiederum durch einen Verkauf von Aktien erfolgt. Die Folge ist, dass der Markt kurzzeitig mit Papieren überschwemmt wird, ein weiterer Kursrutsch ist die Folge. Je höher die Margin Debt ausfällt, um so riskanter stellt sich die Situation an der Börse dar, weil in diesem Fall ein enorm hoher Anteil der Investitionen fremdfinanziert wurde. Ein überdimensionierter Anstieg der Margin Debt deutet auch darauf hin, dass sich an der Börse ein Boom abspielt, dessen Folge häufig eine Blase ist, die letztendlich platzt. Wer in größerem Rahmen mit Wertpapieren handelt und spekuliert, sollte diesen Indikator daher immer im Auge behalten.