Warum ist die Kreditvergabe an Unternehmen für die EZB so wichtig ist

Die EZB achtet besonders auf die KreditvergabeDie Eurozone ist noch lange nicht der jahrelang anhaltenden Krise entkommen. Auch wenn Spanien erstmals seit 2008 ein Absinken der Arbeitslosenzahlen im ersten Quartal 2014 bekannt gab und im gleichen Zeitraum das Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent anstieg, ist das für Mario Draghi noch lange kein Grund zum Jubeln er schaut auf die Kreditvergabe der Banken an die Unternehmen. Die Kreditneuvergabe verläuft schleppend.

Nach wie vor fehlt es den Unternehmen, gerade den kleineren und mittelständischen Firmen an Geld, um Neuinvestitionen vornehmen zu können. Die Banken drehen diesen Arbeitgebern, nicht nur auf der Iberischen Halbinsel, fast schon systematisch den Geldhahn zu. Grund ist die Befürchtung, dass ausgegebene Kredite notleidend werden und die Kreditinstitute, gestützt und hofiert, ein unternehmerisches Risiko mit einer Abschreibung beenden müsste. Bei den Privatkrediten sind die Banken offenbar weniger restriktiv. Für die Europäische Zentralbank, die den Instituten jeden nur denkbaren Weg zu einer Kreditvergabe auf breiter Front geebnet hatte, stellt dies fast schon eine schallende Ohrfeige dar. Sie versucht mit allen Mitteln, die Kreditneuvergabe anzukurbeln.

 

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Kredite bewirken Nachfrage

Noch keine Erholung bei der Entwicklung der Kreditvergabe an Unternehmen

Entwicklung der Kreditvergabe in der EU

Abb 1: Entwicklung der Kreditvergabe an Privathaushalte, für verschiedene Wirtschaftsgruppen in der EU von 2008 – 2014. Quelle: Bundesbank

Die  Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Kreditneuvergabe in der EU nach Angaben der Bundesbank. Es wird deutlich, dass seit 2008 immer weniger Kredite vergeben wurden. Lediglich in 2011 gab es einen signifikanten Anstieg bei der Kreditvergabe an Privathaushalten und an nichtfinanzielle Unternehmen. Noch keine Erholung bei der Entwicklung der Kreditvergabe an Unternehmen

Die höhere Finanzmathematik außen vor gelassen, bedeuten Kredite an Unternehmen, dass diese investieren können. Investitionen bedeuten Nachfrage, eine erhöhte Nachfrage eine gesteigerte Produktivität. Nachfrage- und Produktionsanstieg wiederum bedürfen in der Regel ab einem gewissen Grad neuer Mitarbeiter. Ein Anstieg der Beschäftigten wiederum führt zu höheren Steuereinnahmen, welche für die Staaten der einzige Ausweg aus der Krise sind.

Die Kreditinstitute sehen es europaweit aber offensichtlich als sinnvoller an, einen eventuellen Strafzins an die EZB auf ihre Einlagen abzuführen, als Gelder in die Wirtschaftskreisläufe zu pumpen. Der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes in Spanien ist auf eine erhöhte Binnennachfrage zurückzuführen. Diese resultiert jedoch aus der Schattenwirtschaft, die mit rund 235 Milliarden Euro ein Viertel des spanischen Bruttoinlandsproduktes ausmacht, Gelder, welche dem Finanzminister und den Sozialversicherungen fehlen.

 

 

EZB am Ende ihrer Weisheit

Eine Politik des billigen Geldes hatte in der Vergangenheit durchaus dazu geführt, dass sich die Konjunktur einer Binnenwirtschaft wieder erholte und der Wirtschaftsmotor wieder ansprang (tendenziell zeigt sich aktuell eine leicht positive Entwicklung bei den Autokrediten).  Das hatte jedoch vorausgesetzt, dass die Banken mitgezogen und auch Darlehen ausgereicht hatten. Während die Ratsmitglieder der EZB darauf gesetzt hatten, dass die Politik der Minizinsen dazu führt, dass sich mehr und mehr Unternehmen und private Haushalte einen Kredit leisten können, bleibt das Geld hinter verschlossenen Tresortüren. Dies gilt offenbar sogar für die Vergabe von Krediten in Österreich.

Die Kreditnachfrage ist da, die Vergabepolitik jedoch, trotz geradezu zwingendem Handlungsbedarf, so restriktiv wie noch nie. Die Entscheidung, ob die EZB einen Strafzins auf die Guthaben der Kreditinstitute einführt, steht seit Monaten im Raum. Es scheint dies das letzte Druckmittel zu sein, welches Mario Draghi und seinen Kollegen noch zur Verfügung steht, die Kreditvergabe wieder anzuheizen. Führt auch das nicht zum Erfolg, stellt sich die Frage, wer in Sachen existenzieller Geld- und Wirtschaftspolitik tatsächlich die Fäden zieht – die Staaten und ihre vorgelagerten Akteure oder die private Finanzwirtschaft.

 

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