Die Kirchensteuer – historisch und steuerlich betrachtet

Berechnung Kirchensteuer via Einkommensteuer

Ein jedes Mitglied der großen Kirchen in Deutschland kennt die Kirchensteuer. Sie ist eine Ergänzung zur Einkommensteuer, zur Grundsteuer A und zur Vermögenssteuer und wird in Abhängigkeit des Einkommens berechnet.

Grundlage für die Einbeziehung der Kirchensteuer ist der Artikel 140 des Grundgesetzes in Verbindung mit dem Artikel 137 der Weimarer Verfassung. Aus diesen beiden Artikeln wird abgeleitet, dass Religionsgemeinschaften, welche Körperschaften öffentlichen Rechts sind, das Recht haben, Kirchensteuer einzubehalten.

 

Keine einheitliche Besteuerung: der Kirchensteuersatz variiert

Mit einer Ausnahme beträgt der Kirchensteuersatz bundesweit neun Prozent auf die Steuerlast der oben genannten Referenzsteuern. Baden-Württemberg belässt es weiterhin bei einem Steuersatz von nur acht Prozent. Grundsätzlich ist die Einkommensteuer die Bezugsgröße für die Berechnung der Kirchensteuer, wie aus § 51a Abs. 2c/e EStG hervorgeht. Bei der Ermittlung gibt es allerdings auch Ausnahmen. Haben die Steuerpflichtigen steuerlich zu berücksichtigende Kinder oder resultiert das Einkommen aus einem Gewerbebetrieb oder unterliegt das steuerpflichtige Einkommen dem Halbeinkünfteverfahren, so sind gesonderte Berechnungsansätze zugrunde zu legen. Die Kirchensteuer findet ebenfalls bei der Abgeltungssteuer Anwendung. Auf der anderen Seite wirkt sich gezahlte Kirchensteuer wiederum steuermindernd aus. Dies erfolgt in einem Anrechnungsverfahren analog zum Sonderausgabenabzug.

In Bayern und der Diözese Hildesheim existiert neben der Kirchensteuer noch das sogenannte Kirchgeld, welches jedoch ohne Kontrolle erhoben wird. Über dessen Höhe werden die Kirchenmitglieder einmal jährlich im Rahmen des Kirchgeldbescheides informiert.

 

Was gilt für Sparer in Bezug auf die Kirchensteuer?

Wer den großen Kirchen in Deutschland angehört, muss Kirchensteuer bezahlen. Daran führt kein Weg vorbei. Bei der Berechnung der Steuerlast sollte dieser Faktor berücksichtigt werden. Die Einkommensteuerschuld des laufenden Jahres wird durch die im Vorjahr entrichtete Kirchensteuer gemindert, andere Vorteile ergeben sich nicht daraus. Eine Vermeidung der Kirchensteuer ist nicht möglich. Es stellt sich allerdings auch die Frage, ob auf der einen Seite ein Glaubensbekenntnis besteht, auf der anderen Seite aber die finanzielle Unterstützung entzogen werden soll. Die Kirchen in Deutschland leisten den größten Teil der sozialen Aufgaben. Der Sozialstaat, finanziert durch die öffentliche Hand, könnte die Herausforderungen, Kindergärten, Pflegedienste und Ähnliches alleine nicht bewältigen. Die Kirchensteuer ist für die Finanzierung der notwendigen sozialen Aktivitäten die Haupteinnahmequelle.

Kirchen erheben nicht nur Kirchensteuer, sie bieten ihren Mitgliedern über ihre Kirchenbanken auch die Möglichkeit am Zahlungsverkehr teilzunehmen. So bieten mehrere Kirchenbanken auch ein Girokonto oder ein Tagesgeldkonto an.

Seit dem 01.01.2015 führen Banken bei Zinseinkünften im Rahmen der Abgeltungssteuer die Kirchensteuer für jede in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtige, kirchensteuerpflichtige natürliche Person direkt ab. Dies ist auch für die Gesellschafter von Personengesellschaften der Fall.

 

Geschichte der Kirchensteuer

Die Kirchensteuer im heutigen Sinne hat ihren Ursprung im Reichsdeputationshauptschluss von 1803, welcher infolge des Friedens mit Frankreich im Jahr 1801 (Lunéville) zum Tragen kam. Dabei handelte es sich um eine Art Wiedergutmachung für die Abtretung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich. Im Zuge dieser Entschädigung wurden die rechtsrheinischen Gebiete, unter anderem auch die kirchlichen Besitztümer, an die dortigen Territorialherren aufgeteilt. Das gesamte Vermögen, mit Ausnahme dessen, was für karitative Zwecke benötigt wurde, beanspruchte damit die öffentliche Hand. Dem Staat oblag jedoch weiterhin die Sorge und Pflege der kirchlichen Besitztümer. Mit dem Anstieg der Bevölkerung und den wachsenden Aufgaben der Kirche konnte der Staat als solches die finanzielle Belastung jedoch nicht mehr bewältigen und zwang den Kirchen eine Besteuerung ihrer Mitglieder regelrecht auf.

 

Kirchensteuer – Trennung von Staat und Kirche?

Die Bundesrepublik ist nach Aussage von Experten der einzige Staat, in dem die Kirchensteuer im Rahmen eines Amtshilfeverfahrens von den staatlichen Finanzämtern erhoben und weitergeleitet wird. Immer wieder taucht in diesem Zusammenhang die Diskussion auf, ob dies verfassungsmäßig einwandfrei sei. Die konsequente Trennung von Staat und Kirche würde durch diesen Vorgang aufgeweicht, zumal nicht alle Religionsgemeinschaften in den Genuss dieser Unterstützung kämen. Die Forderung, die Erhebung der Kirchensteuer analog zur Erhebung des Kirchgeldes in Bayern und Hildesheim den Glaubensgemeinschaften zu überlassen, wird immer wieder aufkeimen und ebenso wieder verstummen. Nicht alle Kirchen, die gemäß ihrem Status das Recht hätten, Kirchensteuer einzuziehen, machen übrigens von dieser Möglichkeit Gebrauch.

 

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