Der Kapitalmarkt – was ist das eigentlich?

Ein bedeutender Marktplatz für den KapitalmarktAngehende Anleger hören immer von den Turbulenzen an Finanzmärkten oder Kapitalmärkten. Im gleichen Zusammenhang fällt auch häufig der Terminus Geldmarkt. Dass diese beiden Märkte nicht identisch sind, soll hier dargestellt werden.

Zunächst aber zu den Kapitalmarktzinsen: Diese Zinsen können in Kurzfrist- und Langfristzinsen unterteilt werden. Die kurzfristigen Zinsen ergeben sich durch die Aspekte der aktuellen Geldpolitik und sind eigentlich Geldmarktzinsen . Dagegen bilden sich die langfristigen Kapitalmarktzinssätze aufgrund von Entwicklung und Erwartung verschiedener Wirtschaftsfaktoren. Die Kapitalmarktzinsen beeinflussen deshalb die Kreditzinsen deutlich stärker als die Geldmarktzinsen.

Begriff Kapitalmarkt: Der Kapitalmarkt ist der „Markt“, auf dem langfristige Kapitalanlagen vorgenommen werden. Das heißt, Unternehmen oder Institutionen der öffentlichen Hand haben auf dem Rentenmarkt die Möglichkeit, langfristige Anleihen zu begeben. Der Aktienmarkt, der zweite Bestandteil des Kapitalmarktes, dient dem Handel mit Anteilsscheinen von Firmen und durch Ausgabe neuer Aktien der Kapitalbeschaffung.

Aufgabe des Kapitalmarktes ist es also, Geldgeber und Geld Suchende zusammenzubringen. Dabei sind die Kapitalmarktzinsen in besonderem Maß von Bedeutung. Die Finanzierung der Wirtschaft und damit auch die der Unternehmen ist ganz besonders von den Kapitalmarktzinsen abhängig.

 

Unterteilung in Primärmarkt und Sekundärmarkt

Neben der Unterteilung in den Renten- und Aktienmarkt in Bezug auf die Art der Kapitalbeschaffung wird der Kapitalmarkt auch in einen Primär- und einen Sekundärmarkt unterteilt.

Der Primärmarkt, auch Emissionsmarkt genannt, dient dazu, Erstemissionen zu platzieren und liefert die für Anleger notwendigen Informationen über das Wertpapier an sich und den Emittenten. Der Sekundärmarkt dient der Abwicklung der Käufe, das heißt, des Wiederverkaufs. Wichtigste Institutionen für den Sekundärmarkt sind die Wertpapierbörsen (hier finden Sie infomationen zum Thema Depot).

Rentenpapiere haben eine recht lange, Aktien eine unbegrenzte Laufzeit. Dieser Laufzeitunterschied grenzt den Kapitalmarkt vom Geldmarkt ab, der maximale Geldleihe von bis zu zwei Jahren vorsieht.

Teilnehmer am Kapitalmarkt sind:

  • Privatanleger,
  • öffentliche Institutionen und
  • institutionelle Anleger.

 

Während Privatanleger nur als Geldgeber auftreten, können die beiden anderen Gruppen sowohl als Investoren als auch als Finanzierungssuchende auftreten. Bei allen auf dem Kapitalmarkt angebotenen Wertpapieren handelt es sich um Finanzierungstitel, die sich hinsichtlich Laufzeit und Ausstattung voneinander unterscheiden. Aktien haben eine unbegrenzte Laufzeit und bedingen keinen Anspruch auf eine regelmäßige Ausschüttung, die Dividende. Anleihen sind dem gegenüber mit einer festen Laufzeit ausgestattet und garantieren entweder eine wiederkehrende, regelmäßige Verzinsung oder eine kumulierte Zinszahlung zum Ende der Laufzeit.

 

Organisierte und unorganisierte Märkte

Geschäfte, die über die Börse abgewickelt werden, finden in einem organisierten Markt statt und unterliegen festen Regeln. Der primäre Kapitalmarkt stellt sicher, dass alle Akteure über die gleichen Informationen verfügen und sich innerhalb festgelegter Regeln verhalten. Dem steht der unorganisierte Kapitalmarkt gegenüber, auch als grauer Kapitalmarkt bezeichnet. Hier werden außerhalb der Börsen Beteiligungen, häufig in geschlossene Fonds, gehandelt. Die Investitionssuchenden müssen sich nur bedingt an die Regeln des organisierten Marktes handeln. Dieser Umstand birgt für private Anleger gerade bei Unternehmensinvestitionen enorme Risiken.

Zusammengefasst ist der Kapitalmarkt der Ort, an dem Anleger investieren. Idealerweise bietet der Kapitalmarkt für alle Investitionen die bestmögliche Rendite, ermöglicht es den Kapitalnehmern im Umkehrschluss, ihren Finanzierungsbedarf so günstig wie möglich einzudecken. Angebot und Nachfrage bestimmen so letztendlich den Preis, sprich bei Rentenpapieren die Verzinsung und bei Aktien den Ausgabekurs.

Über Infos zu Strategien und Trends an den Börsen können Sie sich auf den Fachmessen informieren. Hier finden Sie die aktuellen Messetermine.

 

News

15.05.2015 Der drastische Einbruch der Kurse der längerfristigen Bundesanleihen Anfang Mai führte auch zu einem Anstieg der langfristigen Zinsen. Der Bundesbankpräsident Jens Weidmann meint dazu im Interview:

Hat Sie die erstaunliche anfängliche Reaktion bei den  Kapitalmarktzinsen  überrascht? Und welcher  Anteil geht auf die EZB zurück, die seit Anfang März Staatsanleihen aufkauft?

Zu einem Gutteil hatten die Märkte das QE-Programm bereits eingepreist. Trotzdem haben die Zinsen aber mit Beginn der Käufe noch einmal überraschend stark nachgegeben, was Manche mit der Wahrnehmung einer entschlossenen Umsetzung erklären. Dass zwischenzeitlich gerade die längerfristigen Zinsen gesunken sind, lag sicherlich auch an der Ausgestaltung des Programms. So wurde der Umstand, dass wir keine Anleihen aufkaufen, die unter minus 0,2 Prozent rentieren, dahingehend verstanden, dass wir verstärkt längerfristige Anleihen erwerben. Mittlerweile haben sich die Kapitalmarktzinsen aber wieder deutlich von ihren Tiefständen entfernt und liegen bei zehnjährigen Papieren sogar über ihrem Niveau zum Zeitpunkt der QE-Entscheidung.“

 

Weiterführende Informationen

Bundesbank Kapitalmarkt