Japan mit expansiver Finanzpolitik

Japan läßt Geld drucken – droht ein Währungskrieg?

Die Frage, welche Auswirkungen die japanische Finanzpolitik unter dem neuen Ministerpräsidenten Shinzo Abe für deutsche Anleger hat, mag zunächst einmal etwas weit hergeholt, soll aber in diesem Beitrag beantwortet werden. Die Globalisierung der Wirtschaft, auch des Finanzsektors, hat eine Dimension erreicht, dass auch das Tagesgeldkonten deutscher Kleinsparer unter den Aktivitäten der japanischen Notenbank leiden kann.

 

Tokyo wirft die Geldpresse an

Der Yen steht aktuell auf seinem niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren im Vergleich zum US-Dollar. Die japanische Wirtschaft hat im Export Boden verloren wie noch nie. Abes Ziel, ein Wiedererstarken der heimischen Ökonomie um jeden Preis setzt auch eine Schwächung der asiatischen Währung voraus. Japans Vorgehensweise mutet für Westeuropäer gerade zu nach einem Kamikaze-Angriff an. Ziel ist es, die heimische Währung vorsätzlich zu schwächen, und gleichzeitig durch eine Überflutung des Geldkreislaufes mit neuem Geld die Inflationsrate auf ein Ziel von zwei Prozent zu bringen. Während andere Staaten von einer solchen Inflationsrate träumen, allerdings aus einem anderen Blickwinkel, möchte Japan seine Inflation von unter Null auf dieses Ziel zu treiben. Die Vorgehensweise ist nicht fremd, auch Frankreich, Brasilien oder England haben in der Vergangenheit bereits auf diese Mechanismen gesetzt.

 

Welche Auswirkungen bringt dieser Währungskrieg?

Japan drückt den Yen

Wirtschaft lebt von Wachstum, kontinuierliches Wachstum ist heute nur noch über Export möglich. Die Verbilligung einer Währung, um den Export anzukurbeln, führt dazu, dass andere Währungen im Vergleich teurer werden. Dies bedeutet Exporteinbußen an anderer Stelle. Als Konsequenz versuchen nun auch die anderen Marktteilnehmer, ihre Währungen wieder zu verbilligen. Der einfachste Weg ist dabei das Drucken von Banknoten (im Extremfall führt das zur Hyperinflation).

Als Beispiel sei hier die Bilanz der US-Notenbank genannt. Diese ist von 869 Milliarden Dollar in 2007 auf jetzt über 3000 Milliarden Dollar angestiegen. Ein Spiegel dieser Politik ist der Goldpreis, der im selben Zeitraum eine ungeahnte Kursrallye hinter sich gebracht hat.  Der Preis für Gold ist jedoch nicht der einzige Indikator. Die Reaktion der Notenbanken bei einer Inflation ist normalerweise ein Anheben der Leitzinsen. Dieser Umstand würde jedoch wieder die Investitionskredite verteuern, und somit als Konjunkturbremse wirken.  Für den Privathaushalt ist diese Entwicklung fatal. Die Inflation steigt über den Zins, der für Einlagen und Anleihen gezahlt wird. Damit wird das Vermögen der Privathaushalte schlichtweg im Devisenkrieg der Volkswirtschaften „verfeuert“. Währungskonten können dieses Risiko abdämpfen, sind aber für Privatanleger auch nur eine bedingte Lösung, da Währungskurse nur bedingt vorhersehbar sind. Bestes Beispiel dafür ist das plötzliche Wiedererwachen des Euros Mitte Januar 2013.

 

Risiken für institutionelle Anleger

Der Handel mit Währungen beziehungsweise das Ausnutzen der Währungsunterschiede birgt viele Facetten. Eine davon sind sogenannte Carry Trades. Hier nimmt ein Anleger einen Kredit in einer niedrig verzinsten Währung auf, um damit Anleihen höher verzinster Währungen zu kaufen. Dabei läuft er jedoch das Risiko, dass sich der augenscheinlich günstige Kredit durch einen Kursanstieg überproportional verteuert und im schlimmsten Fall der höhere Zinssatz der Fremdwährungsanleihe durch eine devisenkursbedingte Verteuerung des Darlehens überschritten wird. Läuft das Darlehen beispielsweise auf Yen, die Anleihen auf US-Dollar und der Yen steigt, versucht der Anleger, auszusteigen. Dies bedeutet, dass er weiter Yen für Dollar kauft und damit der Yen im Kurs noch weiter steigt.

Die Auswirkungen eines Währungskrieges können eigentlich keine Gewinner bringen, da alle sonst gültigen geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken sich gegenseitig aushebeln. Es bleibt zu hoffen, dass die japanische Außenhandelsoffensive mit möglichst wenigen der eingangs erwähnten Maßnahmen auskommen wird.