Nachgebende Ölpreise könnten die Inflation weiter drücken

sinkende Ölpreise dämpfen die InflationFür die Verbraucher ist es hierzulande kaum nachvollziehbar. Drei politische Krisen dominieren aktuell die Nachrichten, eine davon betrifft unmittelbar einen der größten Ölförderstaaten der Welt, Russland, aber von einem Preisanstieg kann keine Rede sein. Krisen führen normalerweise zu einer Verknappung bei Rohstoffen, in diesem Fall ist davon keine Spur. Da Heizöl im Warenkorb des Statistischen Bundesamtes zur Messung der Inflationsrate eine bedeutende Rolle spielt, führt der Preisverfall am Ölmarkt auch weiterhin zu einem Sinken der Inflationsrate.

Krise nicht gleich Krise

Die Ölpreise triggern die Inflation in besonderem Maße. Warum?
In Bezug auf den Rohölsektor muss angemerkt werden, dass hier die Krisenherde unter diesem Aspekt nicht identisch sind. Israel ist kein Ölförderland, der Ausfall des Irak fällt kaum in das Gewicht und Russland sieht keine Sanktionen gegen die EU und die USA in Bezug auf seine Öllieferungen vor. Dazu kommt, dass die Nachfrage nach Rohöl aktuell nachlässt, die USA mit neuen Fördermethoden wie Fracking zusätzliche Mengen fördern können. Das vom Bürgerkrieg geschüttelte Land Libyen konnte wider Erwarten seine Förderung wieder erhöhen, stillgelegte Häfen konnten den Betrieb wieder aufnehmen.
Für den Rückgang der Nachfrage im Jahr 2014 gibt es zwei Gründe. Zum einen fällt der Bedarf an Rohöl in den Sommermonaten generell geringer aus. Zum anderen trägt die Wirtschaftskrise in Südeuropa ihren Teil dazu bei. Ruhende Fabriken haben keinen Energiebedarf. Damit bewirken sich zwei Dinge gegenseitig. Die Wirtschaftskrise führt zu einer nachlassenden Nachfrage auch nach Rohöl, die wiederum zu einer sinkenden Inflation führt. Der Verfall des Rohölpreises aufgrund der Wirtschaftskrise senkt ebenfalls die Inflationsrate. Aktuell ist Mario Draghi weit von seinem angepeilten Ziel eines Kaufkraftverlustes von zwei Prozent pro Jahr entfernt. Die von der EZB publizierten langfristigen Inflationserwartungen (bis 2018) liegen zwischen 1,5% und 1,9%. Mittelfristig könnte ein sinkender Ölpreis die Inflation in der Eurozone weiter sinken lassen.

 

Vergleiche

 

Tagesgeld aktuell, hier vergleichen

 

 

 

Rohöl viele Jahre größter Inflationstreiber

Der Anstieg der Benzinkosten war über viele Jahre eine der Hauptursachen für die steigende Inflationsrate. Weshalb auch eine Kerninflationsrate berechnet wird, die die volatile Preisentwicklung bei Lebensmitteln und dem Energiesektor nicht berücksichtigt. Auch wenn Autofahrer es vielleicht nicht merken, der Benzinpreis hat sich seit Monaten stabilisiert, war sogar leicht rückläufig. Dies hat natürlich Auswirkung auf die Inflationsrate. Und damit letztlich auf die realen Zinsen. Niedrige Inflationsraten gehen oft mit niedrigen Tagesgeld Zinsen einher.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht wünschenswert ist, wäre ein Anziehen der Preise für Rohöl ein positives Signal für die Gesamtwirtschaft in der EU. Immerhin hat der Preis pro Barrel Rohöl von Mitte Juni bis Ende August 2014 um fast 15 Prozent nachgegeben.

 

Niedrige Inflationsraten sind nur vordergründig ein Segen für Verbraucher

Ein Anstieg der Inflationsrate bedeutet automatisch auch, dass der Beschäftigungsgrad wieder ansteigt, damit das für den Konsum zur Verfügung stehende Einkommen, was wiederum eine Erhöhung der Nachfrage und damit einen Preisanstieg bedeutet. Auch wenn Verbraucher sich über niedrige Preise freuen, eine extrem niedrige Inflationsrate, die sich kurz vor der Stagnation bewegt, bedeutet volkswirtschaftlich ein größeres Risiko als eine Inflationsrate, die mit drei Prozent über dem Idealfall von zwei Prozent läge. Natürlich ist es nicht der Ölpreis alleine, der auf die Inflationsrate drückt. Es sind auch die Banken, die in ihrer Kreditvergabe so restriktiv vorgehen, dass arbeitsplatzschaffende Investitionen kaum möglich sind. Die Hoffnung ruht jetzt auf dem Euro, der im Vergleich zum US-Dollar stark nachgegeben hat und möglicherweise hilft, den Export, gerade für die europäischen Krisenstaaten, wieder stärker anzukurbeln, wenn es schon aus der Binnenwirtschaft heraus mangels Konsumkraft nicht gelingt, den Konjunkturmotor wieder zum Laufen zu bringen.

 

News

15.10.2014 Deutlicher Einbruch beim Ölpreis: Am 14.10.2014 erfolgte am Ölmarkt die größte Preiskorrektur seit 2 Jahren. Die wichtigsten Ölsorten WTI (West Texas Intermediate) und Brent verzeichneten deutliche Verluste. Die Nordsee Ölsorte Brent  verzeichnete eine Preisabnahme um 4,3%, der Preis für das WTI Öl sank um 4,5%. Neben einem geringeren globalen Bedarf an Öl durch eine sich abschwächende Konjunktur spielt eine hohe Ölproduktion in den USA die Hauptrolle beim Preisverfall. Durch das Fracking fördern die USA aktuell mehr Rohöl als der Markt verlangt. Das Öl Angebot übersteigt momentan schlicht die Nachfrage.

Internationale Energieagentur reduziert Öl Verbrauchs Prognose für 2015

Das stellt auch die Internationale Energiebehörde in ihrem Öl-Markt-Report für Oktober 2014 fest: Die Agentur reduzierte die Prognose für den Ölverbrauch auf 1,1 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) für 2015. Die Einsparungen sind auch für die Verbraucher beachtlich: laut Brett Ryan von der Deutschen Bank bedeutet eine Abnahme des Ölpreises um 1 Cent 1 Milliarde weniger an jährlichen Ausgaben für Benzin.

 

Ähnliche Seiten

Tagesgeld & Inflation

Chinas Wachtum wirkt auf deutsche Inflation