Die Kerninflation interessiert den Verbraucher nicht

Begriff KerinflationViele Verbraucher vermeinen, jeden Tag beim Einkauf den Kaufkraftverlust zu spüren. Der realen, vom Statistischen Bundesamt verkündeten Inflation, steht die „gefühlte Inflation“ gegenüber. Dieser Begriff ist auch aus den Medien durchaus geläufig. Für Ökonomen ist weiterhin auch der Begriff Kerninflation von Bedeutung, wobei es sich um die Nahrungsmittel- und Energiepreis bereinigte Inflationsrate handelt. Hier finden Sie die Entwicklung der Kerninflation.

 

Die aktuelle Kerninflationsrate für Deutschland

Kerninflationsrate aktuell für Deutschland im Februar 2016 = 1,0%

Die gefühlte Inflation ist nicht von der Hand zu weisen, hat jedoch auch saisonale Ursachen. Bei der Kerninflation handelt es sich um eine Kennziffer, die gerade diese saisonalen Schwankungen eliminieren soll. Dieses Modell hat aber leider für den Verbraucher keine Auswirkungen. Egal ob nun „normale“ Inflation oder Kerninflation, der Kaufkraftverlust bleibt für ihn gleich.

 

Die aktuelle Kerninflationsrate für Deutschland ist im Februar 2016 = 1,0%
Jahres-Kerninflationsrate 2015 = 1,28%

Wie ist die Entwicklung der Kerninflation

 

Kerninflation Deutschland Entwicklung

Abb. 1. Entwicklung  der Inflationsrate (blaue Kurve) und Inflationsrate ohne Nahrungsmittel und Energie von 2006 – 2016. Quelle: destatis.de

 

Hier finden Sie die Daten über die Entwicklung der Kerninflationsrate in Deutschland beim des Statistischen Bundesamtes. (Zweite Spalte in der Tabelle mit Überschrift „Gesamtindex ohne Nahrungsmittel und Energie“)

zu den Daten >aktuelle Inflation>

Im Vergleich zur Inflationsrate wird deutlich, das bei der Entwicklung der Kerninflationsrate in den vergangenen Monaten in Deutschland keine Deflation vor der Tür steht.

Die Kerninflationsrate in Deutschland 2016

Monat 2016 Kerninflationsrate
Januar 1,4%
Februar 1,1%
März ?

 

2015

Monat 2015 Kerninflationsrate
Januar 1,2%
Februar 1,3%
März 1,2%
April 1,1%
Mai 1,5%
Juni 1,0%
Juli 1,2%
August 1,3%
September 1,3%
November 1,5%
November 1,3%
Dezember 1,2%

 

 

2014

Monat 2014 Inflationsrate
Januar 1,7%
Februar 1,6%
März 1,4%
April 1,8%
Mai 0,1%
Juni 1,4%
Juli 1,3%
August 1,3%
September 1,3%
Oktober 1,3%
November 1,2%
Dezember 1,3%

 

 

Der Warenkorb ist volatil

Grundlage für die Messung der Inflationsrate bildet ein Warenkorb. Dieser Warenkorb ist innerhalb der EU nicht einheitlich, sondern wird vom jeweiligen nationalen statistischen Amt zusammengesetzt. Bestandteil der allgemeinen Warenkörbe sind neben Konsumgütern natürlich auch Lebensmittel und Energie. Die Preise dieser beiden Produktgruppen schwanken allerdings im Laufe eines Jahres erheblich. Gerade die Besitzer einer Ölheizung wissen ein Lied davon zu singen. Zur Ermittlung einer aussagekräftigen, saisonal unabhängigen Inflationsrate bieten sich zwei Möglichkeiten.

A. Variante eins bildet bei den saisonabhängigen Produkten einen Jahresdurchschnitt. Dieser verfälscht jedoch unter Umständen das Bild, da, um bei dem Beispiel Heizöl zu bleiben, ein warmer Herbst die Preise nach wie vor drückt, ein kaltes Frühjahr jedoch zu länger anhaltender Hochpreisphase führt.

B. Bei der zweiten Variante wird der Warenkorb schlicht um Lebensmittel und Energiekosten bereinigt. Mithilfe des bereinigten Warenkorbes kann die Kerninflation gemessen werden, der nun hauptsächlich Konsumgüter, in einigen Ländern auch noch Tabakprodukte berücksichtigt.

 

Nachteil an der Definition Kerninflation

Für die Volkswirte und Ökonomen stellt die Kerninflation eine wunderbare Größe dar, um klare Aussagen bezüglich des bereinigten Kaufkraftverlustes ohne saisonale Schwankungen treffen zu können.  Allerdings stellt sich die Frage nach der Vergleichbarkeit als Inflationsindikator für einen heterogenen Wirtschaftsraum in dem Lebensmittel und Energieprodukte einer unterschiedlichen Nutzung und Bedeutung unterliegen (s. d. auch „Das Konzept der Kerninflation„) .

Die Kerninflation berücksichtigt Grundnahrungsmittel nichtDazu ist die Kerinflation für Verbraucher eher bedeutungslos. Waschmaschinen werden nicht all zu häufig erworben, und Waschmittel ist tatsächlich preisstabil. Es sind aber gerade die saisonalen Produkte wie Obst und Salat, welche den Einkaufszettel mitunter stark belasten. Für den Konsumenten zählt am Ende des Tages, wie viel mehr Geld er im Vergleich zum Vorjahr im Supermarkt gelassen hat und ob sein Gehalt in gleichem Maße gestiegen ist. Theorie und Praxis, Kerninflation und lebensmittelabhängige Inflation driften hier doch stark auseinander. Das sieht auch die Bundesbank so ähnlich:

„Kernraten liefern durchaus wertvolle Informationen über die Ursachen der Preisentwicklung, sind aber nicht der beste Maßstab zur Beurteilung der Preisniveaustabilität. Für eine stabilitätsorientierte Notenbank ist letztlich unerheblich, aus welchem Grund bzw. durch welche Preiserhöhungen das Ziel der Preisniveaustabilität gefährdet ist. Der durchschnittliche Verbraucher ist von allen Kaufkraftverlusten betroffen, egal, ob sie sich nun bei Gütern mit oder ohne starke Preisschwankungen ergeben; er lebt nicht in einer Welt, in der er weder Nahrung zu sich nimmt noch Transportmittel benutzt.“ (Quelle: Bundesbank Artikel zur Währungsunion)

Hastags #Kerninflation, #Kerninflationsrate

 

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