sehr geringe EU Inflation dürfte Zinsen niedrig halten

niedrige Inflation dürfte EZB nicht passenIm Euroraum bleibt die Inflationsrate im August 2015 wie schon im Juli bei 0,20% stecken. Für den Konsumenten ist das positiv, für die EZB und über diese dann leider auch für den deutschen Zins-Sparer allerdings wenig erfreulich. Für die EZB liegt die Preisstabilität bei rund 2,0% Inflation, deutlich mehr als die Realität aktuell zu bieten hat.

Leider macht der EZB der gefallene Ölpreis einen Strich durch die bisherigen Bemühungen. Denn der ist im August auf seinem langjährigen Tiefstand angekommen, nachdem er sich im Sommer von seinem bisherigen Rückgang wieder erholen konnte. Der Energiesektor beeinflusst die Inflationsrate aber aufgrund seines großen Anteils am Warenkorb ganz besonders. Die Abbildung 1 zeigt die Preis-Entwicklung ausgewählter Gruppen für August. Die Notenbank wird deshalb möglicherweise das QE-Programm weiter aufstocken und eine Leitzinsanhebung auf ein noch ferneres Datum als ohnehin geplant verschieben. Denn mehr Geld am Markt und niedrige Zinsen sollen die Kreditvergabe und den Konsum ankurbeln, was zu steigenden Verbraucherpreisen führen soll.

 

Preisentwicklung für Energie, Dienstleistungen etc. im August 2015 in der EU

Abb. 1: Preisentwicklung wichtiger Gruppen im Warenkorb zur Inflationsberechnung im Euroraum für August 2015. Quelle: ec.europa.eu/eurostat

Der starke Preisrückgang in der der Warengruppe „Energie“ von 7,1% wird überdeutlich. Einen „positiven Beitrag“ zur Inflation lieferten Nahrungsmittel (+1,2%), Dienstleistungen (+1,2%) und Industriegüter (+0,6%).

An den Terminmärkten wird Rohöl für die nächsten Monate mit einem moderaten Aufschlag gegenüber dem aktuellen Kurs gehandelt. Das dürfte aber bei weitem nicht reichen, um die Inflation im Euroraum nahe 2,0% zu bringen. Daher wird sich die Europäische Notenbank unter seinem Präsidenten Mario Draghi etwas einfallen lassen müssen. Klar ist nur: alle Maßnahmen werden auf keinem Fall zu einem Anstieg der Zinsen bei Tagesgeld und Festgeld führen, denn das wäre für die Verbraucherpreise kontraproduktiv.

Spannend wird dann, wie die Märkte und hier insbesondere die Geldmarkt- und Kapitalmarktzinsen im Euroraum reagieren, wenn die amerikanische Notenbank die Zinsen anhebt. Denn der Markt rechnet mehrheitlich mit einer Anhebung der Federal Funds Rate im Dezember 2015. Spätestens dann würde die Geldpolitik diesseits und jenseits des Atlantiks diametral auseinanderlaufen. Vielleicht kommt für Tagesgeld Anfang 2016 ja doch noch ein Zins-Lift von bisher unbekannter Stelle. Verdient hätten es alle Sparer.