Investment Seltene Erden

Seltene Erden Ratgeber zur Geldanlage, Aktien ETF's, physischHersteller von Mobiltelefonen, Tablets oder Flachbildschirmen benötigen Metalle der Seltenen Erden zur Produktion der Geräte. Investoren sind dagegen mit einem Engagement in diese Assetklasse nicht unbedingt gut gefahren. Die Kurse viele Aktien von Gesellschaften mit dem Unternehmensschwerpunkt seltene Erden haben sich seit 2012 schlicht schlecht entwickelt. Aber eben nicht alle. In diesem Ratgeber geben wir einen Überblick rund um das Thema, inklusive dem Abbau und der Verwendung der Mineralien.

Der Begriff: Es handelt sich um chemische Elemente, die der 3. Nebengruppe des Periodensystems zugeordnet sind. Seltene Erden, wie diese Metalle häufig abgekürzt genannt werden, kommen weltweit häufiger vor als der Name vermuten lässt. Allerdings gibt es nur wenige große Lagerstätten der Metalle, die nur als Beimischung in anderen Mineralien zu finden sind. Der englische Begriff ist Rare Earth Elements, abgekürzt REE. Als weitere Bezeichnungen werden die Begriffe Seltenerdmetalle und seltene Erdelemente verwandt.

 

Was sind Seltene Erden? & Abbau

Ende des 18. Jahrhunderts wurde das erste Element aus der Gruppe der seltenen Erdelemente in einem schwedischen Bergwerk entdeckt. Bei weiteren Forschungen fanden Chemiker und Mineralogen noch mehr Metalle, die sich als Oxide, also als Sauerstoffverbindungen, in den Mineralien befanden. Diese Oxide wurden früher meist als Erden bezeichnet. Da die Erden hauptsächlich in Verbindung mit seltenen Mineralien vorkommen, kam der heutige Name Seltene Erden zustande. Zwischen 1787 und 1947 fanden Forscher und Wissenschaftler insgesamt 17 Seltenerdmetalle, die sie wie folgt benannten:

  • Yttrium (Y)
  • Gadolinium (Gd)
  • Terbium (Tb)
  • Dysprosium (Dy)
  • Holmium (Ho)
  • Erbium (Er)
  • Thulium (TM)
  • Ytterbium (Yb)
  • Lutetium (Lu)
  • Scandium (Sc)
  • Lanthan (La)
  • Cer (Ce)
  • Praseodym (Pr)
  • Neodym (Nd)
  • Promethium (Pm)
  • Samarium (Sm)
  • Europium (Eu)

Die ersten neun Elemente von Yttrium bis Lutetium gehören zu der Gruppe der Schweren Seltenen Erden (SSE), auf Englisch Heavy Rare Earth Elements (HREE). Die restlichen Elemente von Scandium bis Europium sind Leichte Seltene Erden (LSE), auf Englisch Light Rare Earth Elements (LREE). Weltweit gibt es mehr LSE als SSE, weshalb die Preise für die Schweren Seltenen Erden in der Regel höher liegen. Das ist vor allem für Investoren interessant, die über eine Geldanlage in Rohstoffen nachdenken.

Obwohl die Metalle an vielen Orten der Welt zu finden sind, konzentrierte sich China ab den 1970er Jahren als erstes Land darauf, den Abbau in großem Maß zu betreiben und spezielle Techniken für die Verhüttung und die Veredelung der Elemente zu entwickeln (Literatur: Chinas Seltene-Erden-Politik). Die Gewinnung der Metalle ist sehr aufwendig und belastet die Umwelt zum Teil sehr stark. Das liegt daran, dass die Erze, in denen sich die chemischen Verbindungen befinden, zunächst durch Säuren, Laugen, Chlorierung oder eine Behandlung mit hohen Temperaturen aufgeschlossen werden müssen. Die eingesetzten Chemikalien bleiben in Schlamm und Boden zurück und auch die Rückstände, die durch den Abbau entstehen, sind stark belastet. Die Lagerung des Schlamms erfolgt häufig in künstlich angelegten Teichen, durch die die giftigen Stoffe in das Grundwasser der Umgebung gelangen können. Viele der seltenen Metalle enthalten außerdem radioaktive Bestandteile, sodass es bei dem Abbau zu einer radioaktiven Belastung der Umwelt kommen kann.

Durch den ersten Schritt zum Aufschließen der Erze entstehen Salze, die ein Trennverfahren durchlaufen müssen. Die Wissenschaftler setzen unterschiedliche Verfahren ein, um Seltenerdmetalle zu gewinnen:

  • Fraktionierte Kristallisation mit Salzlösungen
  • Ionenaustausche
  • Lösungsmittelextraktion mit anschließender elektrolytischer Raffination
  • Flüssig-Flüssig Extraktion im Gegenstrom

Diese aufwendigen Verfahren sind notwendig, da kein Mitglied der Gruppe in isolierter und reiner Form in der Natur vorkommt. Es handelt sich immer um eine Mischung mehrerer Metalle und Erze, die voneinander getrennt werden müssen. Die Verwendung ist vielfältig.

 

Geldanlage in Seltene Erden: risikoreich volatile Entwicklung

Insgesamt finden Anleger nur wenige Möglichkeiten, in die Metalle zu investieren. Zur Diversifikation eines Depots gibt es trotzdem einige Anlageformen, die Investoren wählen können.

Die Historie: ein heftiger Boom in 2011 und 2012 und dann ein ebenso heftiger Burst. Ob es sich bei dieser Assetklasse um eine gute Geldanlage handelt, ist daher zu bezweifeln.
Der Preisanstieg im Rahmen der beschränkten Exportquoten alarmierte nicht nur Handyhersteller und die Produzenten von Fernsehern oder Computern, sondern auch Investoren. Von 2010 bis zum Jahr 2015, als China die Beschränkungen wieder aufhob, wurden einige Finanzprodukte entwickelt, die eine Investition in die Rohstoffe ermöglichten. Dazu gehörten zum Beispiel diese Wertpapiere:

ETF & Fonds

Market Vectors Rare Earth/Strategic Metals ETF, ISIN US57060U4720, WKN A1C8Q7
UBS-ETF STOXX Global Rare Earth UCITS ETF A, ISIN LU0671492899, WKN A1JHNC
UBS-ETF SICAV STOXX Global Rare Earth UCITS ETF I, ISIN LU0671493194, WKN A1JHND

Der Handel dieser drei ETFs wurde bereits wieder eingestellt. Der letzte Kurs für den Market Vectors Rare Earth/Strategic Metals ETF wurde am 18.04.2016 festgestellt, während die beiden in Luxemburg aufgelegten Fonds von UBS seit dem 28.09.2015 beziehungsweise seit dem 11.03.2014 nicht mehr gehandelt werden. Die Fonds haben das Geld der Anleger in Aktien investiert, die im STOXX Global Rare Earth Index zu finden sind. Die entsprechenden Aktiengesellschaften erzielen mindestens 30% ihrer Einnahmen durch Seltene Erden.

STOXX Global Rare Earth Index

Der STOXX Global Rare Earth Extended Index gibt die Performance von Unternehmen, die mindestens 30 Prozent ihres Umsatzes im Sektor Seltene Erden generieren wieder. Berücksichtigt werden Unternehmen, deren Tätigkeiten die Exploration, Extraktion, Transport, Verarbeitung oder andere Geschäfte mit einem der folgenden 17 Seltenerdelemente umfassen: Scandium, Yttrium, Lanthan, Lutetium, Ytterbium, Thulium, Erbium, Holmium, Dysprosium, Terbium, Gadolinium, Europium, Samarium, Promethium, Neodym, Praseodym und Cer. Die Kursentwicklung des Index ist in der Abbildung 1 wiedergegeben.

 

Abb. 1: Kursentwicklung des STOXX Global Rare Earth Index von 2012 -2017. Quelle: comdirect

 

Die Kursentwicklung ist von 2012 bis 2015 deutlich negativ. Anleger, die in 2012 eingestiegen sind, haben bis heute hohe Verluste eingefahren.

 

In physischer Form

So bieten Metallhändler, wie die deutsche Tradium GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main, den Kauf von strategischen Rohstoffen in physischer Form an. Investoren können entweder über einen Handelspartner des Unternehmens ab einem Betrag von 10000 Euro oder über das Unternehmen selbst ab 50000 Euro als Erstinvestor beziehungsweise ab 5000 Euro bei Folgeanlagen Rohstoffe erwerben. Wenn sich ein Anleger für die Einlagerung der Metalle im Zolllager der Gesellschaft entscheidet, fällt für den Kauf keine Mehrwertsteuer an. Die Metalle sind unbegrenzt lange lagerfähig und werden in einem umgebauten Bunker sicher verwahrt. Eine Eigenlagerung ist wegen möglicher Gesundheitsgefahren durch radioaktive Strahlung nicht zu empfehlen.

 

Seltene Erden Aktien

Eine weitere Möglichkeit, in Seltenerdmetalle zu investieren, ist der Kauf von Aktien der Minen, die die Rohstoffe abbauen. Auch bei den Unternehmen, die die Rückstände recyceln, die bei der Gewinnung der Metalle entstehen, handelt es sich häufig um eine Aktiengesellschaft. In der Tabelle 1 sind einige ausgewählte Aktien von Unternehmen, die in der Branche tätig sind aufgeführt.

 

Tab. 1: Aktien von Gesellschaften mit Geschäftsschwerpunkt oder Teilaktivitäten im Bereich Seltene Erden (Auswahl!)

Amern Rare Earth&Material.Corp Registered Shares
Arafura Resources Ltd. Registered Shares o.N.
Avalon Holdings Corp. Reg. Shares Class A DL -,01
Canada Rare Earth Corp. Registered Shares o.N.
China Rare Earth Hldgs Ltd. Registered Shares HD -,10
Elysee Development Corp. Registered Shares o.N.
Fieldex Exploration Inc. Registered Shares o.N.
Frontier Rare Earths Ltd. Registered Shares o.N.
Geomega Resources Inc. Registered Shares o.N.
Hastings Technology Metals Ltd Registered Shares o.N.
Hudson Resources Inc. Registered Shares o.N.
Lynas Corp. Ltd. Registered Shares o.N.
Matamec Explorations Inc. Registered Shares o.N.
Medallion Resources Ltd. Registered Shares o.N.
MKANGO RESOURCES LTD.
Namibia Rare Earths Inc. Registered Shares o.N.
Orion Metals Ltd. Registered Shares o.N.
Peak Resources Ltd. Registered Shares o.N.
Pele Mountain Resources Inc. Registered Shares o.N.
Quest Rare Minerals Ltd. Registered Shares o.N.
Rainbow Rare Earths Ltd. Registered Shares o.N.
Rare Element Resources Ltd. Registered Shares o.N.
Scandium Intl Mining Corp. Registered Shares o.N.
Spectrum Rare Earths Ltd. Registered Shares o.N.
Stans Energy Corp. Registered Shares o.N.
Tantalus Rare Earths AG Namens-Aktien o.N.
U.S. Rare Earths Inc. Registered Shares DL -,00001
Ucore Rare Metals Inc. Registered Shares o.N.

 

Risiko

Eine direkte Investition in seltene Erdelemente ist mit einem hohen Risiko verbunden. Der Handel unterliegt keiner Börsenaufsicht und die Preise werden unter den Metallhändlern festgelegt, nicht durch feste Börsenkurse. Dadurch können die Kurse stark schwanken. Anders als bei anderen Rohstoffen findet auch kein Handel der Seltenen Erden an den großen Terminmärkten, wie New York Mercantile Exchange (NYMEX), London Metal Exchange (LME) oder Chicago Mercantile Exchange (CME), statt.

 

Verwendung: Wozu werden die Metalle benötigt?

Vor allem Hightech Produkte funktionieren nicht ohne Seltenerdmetalle. Ob Plasmabildschirme, Handys, Tablets, Laptops, Dauermagnete in Windkraftanlagen und Elektromotoren, Röntgengeräte oder Akkus für Elektrofahrzeuge, die Metalle werden in immer mehr Produkten verbaut. Der Zusatz der chemischen Elemente bewirkt, dass magnetisiertes Eisen länger magnetisch bleibt, dass Magnete ein geringeres Gewicht haben, dass die Bildschirme von Computern und Fernsehern kräftigere Farben anzeigen, dass Touchscreens funktionieren oder dass LED Lampen heller leuchten. Hersteller von Computerchips, Akkus und Hochleistungsbatterien kommen nicht ohne die Rohstoffe aus.

Viele High Tech Produkte und Zukunftstechnologien werden in Deutschland entwickelt und hergestellt. Die dazu benötigten Metalle kommen auch im eigenen Land vor, wie die Funde in Storkwitz, einem eingemeindeten Dorf der Großen Kreisstadt Delitzsch bei Leipzig, zeigen. Bohrungen haben erwiesen, dass sich circa 20100 Tonnen Seltene Erden in den Erzvorkommen vor Ort befinden. Aus wirtschaftlichen Gründen hat die eigens gegründete Seltenerden Storkwitz AG, heute Ceritech AG, jedoch auf den Abbau der Metalle verzichtet.

Etwa 12,1% aller Hightech Artikel weltweit werden in Deutschland entwickelt und produziert. Damit stellen deutsche Unternehmen mehr forschungsintensive Produkte her als China oder die USA. Da keine Seltenen Erden im eigenen Land abgebaut werden, müssen die Rohstoffe importiert werden. Zurzeit exportiert die Volksrepublik China mehr als 97% der benötigten Mengen in alle Welt. Um dieses Monopol zu durchbrechen und die Abhängigkeit Deutschlands zu verringern, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein Förderprogramm zur Steigerung der Verfügbarkeit besonders wichtiger Rohstoffe ins Leben gerufen. Das Programm mit dem Namen „r4 – Innovative Technologien für Ressourceneffizienz – Forschung zur Bereitstellung wirtschaftsstrategischer Rohstoffe“ soll erforschen, ob Deutschland den Anteil von 9% importierter sogenannter strategischer Rohstoffe erheblich reduzieren kann (https://www.bmbf.de/de/forschung-zur-gewinnung-von-seltenen-erden-gestartet-613.html).

 

Monopolist China

Etwa 38% aller Vorkommen an Seltenen Erden befinden sich in China. Daneben gibt es auch Bestände in den USA sowie in Australien, Indien, Kanada, Brasilien, Malaysia und Grönland. Weitere Forschungen beschäftigen sich mit dem Abbau der Metalle am Grund des Pazifischen Ozeans. Bis circa 1985 waren die USA der größte Exporteur der Seltenerdmetalle. Aufgrund nicht vorhandener oder laxer Umweltschutzauflagen und niedriger Löhne hat sich seitdem jedoch die Volksrepublik China zum Hauptlieferanten entwickelt, der mittlerweile den Weltmarkt zu fast 100% mit Seltenen Erden versorgt.

Seit dem Jahr 2005 hat China die Exportquoten der Metalle mehrfach gesenkt, zuletzt im Jahr 2010. Als Begründung für die Beschränkungen gab die chinesische Regierung an, die Umwelt besser schützen zu wollen. Außerdem ist die Wirtschaft Chinas stark gewachsen, sodass der Verbrauch im eigenen Land sich immer weiter erhöht hat. Daher senkte die chinesische Regierung die Ausfuhrmengen in den Jahren von 2005 bis 2009 auf 50000 Tonnen und innerhalb des folgenden Jahres nochmals auf nur noch 30000 Tonnen.

Als Folge der Exportbeschränkungen stiegen die Preise für Seltene Erden zum Teil auf das Zehnfache an. Viele Produzenten begannen daraufhin, nach Alternativen für die Rohstoffe zu suchen, Herstellungsprozesse zu optimieren und die Metalle aus defekten Geräten zurückzugewinnen. Außerdem hat die Welthandelsorganisation WTO die chinesischen Ausfuhrquoten in einem Schiedsspruch für unzulässig erklärt, worauf China die Beschränkungen im Jahr 2015 wieder aufgehoben hat.