Platin als Investment & Kapitalanlage

Edelmetalle sind eine eigene Anlageklasse, die sich kursbezogen in den letzten Jahren besonders dynamisch entwickelt hat. Abseits der Öffentlichkeit spielen für Investoren besonders die Industriemetalle Platin und Palladium eine größere Rolle.

Gold als Geldanlage ist seit Jahrtausenden bekannt. Gold wird allerdings, im Gegensatz zu den strategischen Metallen, so gut wie nicht unwiederbringlich verarbeitet, sondern befindet sich zu 90 Prozent in einem geschlossenen Kreislauf. Seine Preisbildung hat daher fast ausschließlich einen psychologischen Hintergrund. Anders verhält es sich bei Silber oder Platin. Aufgrund des wesentlich höheren Anteils der industriellen Verarbeitung ohne Recyclingmöglichkeiten bildet sich der Preis für Platin sowohl basierend auf der Nachfrage der Verbraucher, aber auch aus psychologischen Momenten heraus. Die Betrachtung eines Kurscharts von Platin verdeutlicht die hohe Volatilität dieses Rohstoffs.

 

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Die Kursentwicklung von Platin

In der Abbildung 1 ist die Kursentwicklung von Platin von 2009 – 2014 gezeigt. Im Zeitraum von Juni 2009 bis Sommer 2011 stieg der Kurs von rund 1.200 US-$ je Feinunze auf fast 1.900 US-$. In der Zeit von April 2013 bis Mai 2014 bewegt sich der Kurs innerhalb einer Bandbreite zwischen 1.294 US-Dollars und leicht über 1.685 US-Dollars seitwärts mit leicht ansteigenden Unterstützungslinien.

Kursentwicklung von Platin

Abb. 1: Chart des Platinkurses 2009 – 2014 in US $ pro Unze. Quelle: kitco.com

 

Platin eignet sich aufgrund der hohen Volatilität durchaus für eine kurzfristige Geldanlage, hat aber auch langfristig seinen Reiz. Für eine rein physische Anlage in Platin kommen sowohl Münzen als auch Barren infrage. Großbritannien prägte 1825 die erste Platinmünze, Russland folgte ebenfalls im 19. Jahrhundert, stellte die Prägung aber mangels Interesse wieder ein. Im Gegensatz zu Münzen aus Palladium ist die Reinheit allerdings deutlich geringer.

 

Platin und der US-Dollar

Die Finanzkrise ging auch am Platin nicht spurlos vorüber. Das Allzeithoch vom 4. März 2008 mit 2.309 US-Dollars wurde nie wieder erreicht. Der Tiefstpunkt war am 27. Oktober 2008 mit einem Preis von 762 US-$ je Feinunze erreicht. Der Handel in Platin wird in US-Dollars vorgenommen. Dabei verhalten sich die Kurse umgekehrt proportional zueinander. Fällt der Kurs des US-Dollars, steigt in der Regel der Wert des Metalls und umgekehrt. Für Anleger, die längerfristig am Platinhandel interessiert sind, kann sich ein Dollarkonto lohnen. Dabei sind auch noch Währungsgewinne möglich.

 

Platin Münzen

Als Anlagemünzen kommen beispielsweise der kanadische Maple Leaf Platinum oder der US-amerikanische American Platinum Eagle in Betracht. Platinmünzen und Barren können über Banken erworben werden. Für Barren stehen auch die Degussa oder das weniger bekannte Unternehmen Heraeus in Hanau zur Verfügung.

 

Der indirekte Erwerb: Platin Zertifikate

Wer nicht auf den physischen Erwerb setzt, kann auf Platin Zertifikate ausweichen. Diese spiegeln den Kurs des Metalls wider und ersparen es dem Anleger, noch zusätzlich ein Schließfach anzumieten. Bei Platinzertifikaten handelt es sich idealerweise um börsengehandelte Indexpapiere mit unbegrenzter Laufzeit. Neben diesen sind allerdings auch noch zeitlich limitierte Bonuszertifikate im Umlauf. Die hohe Volatilität des Rohstoffs birgt allerdings das Risiko, dass die Bonuskriterien nicht erfüllt werden. Viele der in Umlauf befindlichen Zertifikate werden in US-$ ausgegeben. Dies impliziert über das Kursrisiko des Basiswertes hinaus noch ein Wechselkursrisiko bei Fälligkeit. Natürlich steht dem auch die Chance gegenüber, bei Fälligkeit nicht nur vom Bonus, sondern auch noch von besseren Wechselkursen zu profitieren.

 

Platin Differenzkontrakte (CFDs)

Wem ein Investment in Zertifikate zu langweilig ist, hat die Möglichkeit, über Differenzkontrakte größere Summen des edlen Rohstoffs spekulativ zu handeln. Bei Differenzkontrakten, CFDs, handelt es sich um Hebelgeschäfte, die nur einen Bruchteil des tatsächlich gehandelten Volumens als Einsatz verlangen. Das Risiko bei einem CFD auf Platin liegt allerdings in der Natur dieser Hebelgeschäfte. Der komplette Einsatz kann verloren gehen, nicht nur, bedingt durch einen Kursrückgang, ein Teil des eingesetzten Kapitals. Platin als Geldanlage findet sich, ähnlich wie andere strategische Metalle, immer häufiger in den Portfolios der Privatanleger. Der Grund liegt auf der Hand. Strategische Metalle unterliegen einem Verbrauch, die Nachfrage bestimmt den Preis. Das Metall eignet sich sowohl kurzfristig, allerdings mit geringeren Margen, für den spekulativen Handel, als auch langfristig mit der Erwartung auf ein neues Allzeithoch und entsprechend besseren Margen, als langfristiges Anlageinstrument.

 

Zur Geschichte des Platins

Platin, heute zeitweise das wertvollste und teuerste Metall noch vor Gold, galt zu Zeiten seiner erneuten Entdeckung im 17. Jahrhundert als Abfall. Die Geschichte dieses Rohstoffs reicht bis zu den alten Ägyptern zurück. Schmuckstücke in den Grabbeigaben enthielten Bestandteile von Platin. Die ersten neuzeitlichen Funde durch die Spanier in Südamerika führten jedoch dazu, dass Platin nur als Abfall bei der Goldsuche betrachtet wurde. Da es das gleiche Gewicht wie Gold hat, wurde es häufig dazu verwendet, Gold zu „verlängern“. Der spanische König erwog, das gesamte Platin zu sammeln und im Meer zu versenken, um weiteren Fälschungen vorzubeugen. Der Begriff Platin stammt von der spanischen negativen Verniedlichungsform für Silber, platina, ab.

Platin fand sich immer wieder im Zusammenhang mit der Goldsuche, sein Vorkommen ist weltweit. In Australien, Bulgarien, Italien, den USA, Südamerika und Russland, um nur wenige Staaten zu nennen, kam es immer wieder zu Platinfunden. Im 18. Jahrhundert wurde Platin aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften jedoch immer interessanter. Ein besonderes Merkmal dieses Metalls ist, dass es sich nicht verfärbt.

 

Platin Vorkommen & Verteilung

Reine Platinvorkommen sind selten und schwerpunktmäßig in Südafrika vorhanden. Platin wird meist in Verbindung mit Gold gefunden oder fällt als Nebenprodukt bei der Kupfer- und Nickelraffination ab. Die drei größten Fördernationen im Jahr 2011 waren Russland mit 26 Tonnen, Südafrika mit 139 Tonnen und Kanada mit 10 Tonnen. Zu dritt förderten diese drei Staaten allerdings 92 Prozent des gesamten Weltaufkommens. Platin wurde bisher an rund 380 Fundorten nachgewiesen.

Platin industrielle Verwendung

Der Verwendung von Platin sind keine Grenzen gesetzt. Das weißliche Metall wird in der Schmuck verarbeitenden Industrie ebenso geschätzt, wie in der Raumfahrt oder der Autoherstellung. Die häufigsten Platinvorkommen in Privathaushalten fanden sich in den Katalysatoren der Autos. Zwischenzeitlich hat sich jedoch Palladium in der Abgastechnik durchgesetzt. Die Chemie schätzt platinüberzogene Werkzeuge, da das Metall auch bei Hitze keine Verfärbung erleidet und in Zusammenhang mit Bunsenbrennertests wertvoll ist. Herzschrittmacher kämen ohne Platin nicht aus, bei der Herstellung von Schubdüsen für Raketen und Flugzeuge hat das Edelmetall deutliche Verbesserungen gebracht. In der Medizin findet sich Platin in verschiedenen Antikrebspräparaten wider. Das Problem bei Platin ähnelt dem von Silber und anderen Industrie- und strategischen Metallen – die Bestände werden weniger, da es, im Gegensatz zu Gold nicht in einem zu 90 Prozent geschlossenen Kreislauf verarbeitet wird, sondern ein Verbrauchsmetall ist. Dieser Umstand macht es, neben Palladium, Silber, Iridium und anderen strategischen Metallen interessant für Kapitalanleger und Spekulanten.

Das Besondere an Platin ist die widersprüchliche Verhaltensweise auf bestimmte chemische Reize. Auf der einen Seite verhält es sich extrem träge, auf der anderen Seite kann es auch zu extremen Reaktionen kommen. Ein schönes Beispiel dafür sind Salz- und Salpetersäure. Jede dieser Säuren alleine führt zu keiner chemischen Reaktion. Eine Kombination dieser beiden Säuren führt jedoch dazu, dass Platin angegriffen wird. Salzsäure in Verbindung mit Sauerstoff führt ebenfalls zu einer chemischen Reaktion.

 

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