Begriff Anleihe

Begriff Anleihe: von der Wandelanleihe zur Umternehmensanleihe

Wer beginnt, sich mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen, oder sich nach Alternativen zu Tagesgeld und Festgeld umschaut, wird früher oder später auf Anleihen treffen. Die Frage ist jetzt natürlich, was genau verbirgt sich dahinter. Währen Aktien die Anteilseignerschaft an einem Unternehmen begründen, sind Anleihen eine Art Kredit. Bei den Darlehensnehmern handelt es sich um Firmen, Banken, Kommunen oder Staaten.

Anleihen verbriefen einen festen jährlichen Zinssatz, der zu bestimmten Terminen halbjährlich oder jährlich gezahlt wird. Bis auf sehr wenige Ausnahmen ist Laufzeit einer Anleihe festgeschrieben. Die Papiere werden an der Börse gehandelt. Aktuell wird der Anleihemarkt in Bezug auf die Verzinsung von der Niedrigzinspolitik Mario Draghis geprägt. Hohe Renditen sind nur mit Papieren möglich, die von schwachen Emittenten ausgegeben werden.

 

Anleihe ist nicht gleich Anleihe: z. B. die Staatsanleihen

Bei Anleihen handelt es sich um festverzinsliche Wertpapiere. Mit der Emission möchte der Aufleger des Papieres am Kapitalmarkt einen Kredit aufnehmen. Wie bei Privatpersonen auch richtet sich der Zinssatz, den die Kapitalanleger erwarten, nach der Bonität des Kreditnehmers. Dieser Sachverhalt spielt bei Staatsanleihen im aktuellen Umfeld der Wirtschafts- und Finanzkrise in Europa eine besondere Rolle. Länder wie Spanien oder Griechenland müssten im Grunde horrende Zinsen an die Anleger zahlen, damit diese willens sind die Staatspapiere zu kaufen. Der Zins preist das Risiko, dass die Ausschüttung oder die Rückzahlung fraglich wird, mit ein.

Der hohe Zins wiederum reißt bei den Krisenstaaten ein noch größeres Loch in die Haushaltskasse. Dem wirkt die EZB entgegen, in dem sie Anleihen dieser Staaten, auch mit hohen Zinsen, massenhaft aufkauft, um damit den Marktzins generell niedrig halten zu können. Wie mit den Papieren im Zweifelsfall verfahren wird, hat das Beispiel Griechenland belegt. Anleihen stellen eine Forderung gegen einen Emittenten dar, welche im Fall der Insolvenz nicht unbedingt wieder zurückgezahlt wird. Diese bittere Erfahrung mussten die Zeichner argentinischer Staatsanleihen in den neunziger Jahren im Zusammenhang mit dem argentinischen Staatsbankrott machen.

Demgegenüber ist die Bonität der Bundesrepublik als Emittentin so gut, dass Anleger eine negative Rendite in Kauf nahmen, nur um ihr Geld sicher anzulegen. Der Ausgabekurs überstieg die Verzinsung.

 

Weiter Anleiheformen

Unternehmensanleihen

Benötigt ein Unternehmen wie Siemens oder die Deutsche Bank für einen bestimmten Zeitraum Geld, ohne deswegen neue Aktien auflegen zu wollen, können Anleger hier eigentlich ohne größere Risiken einsteigen. Die Ratingagenturen stufen diese Firmen durchaus gut ein, der Zins ist allerdings entsprechend niedrig.

Anders verhält es sich mit den in der letzten Zeit häufiger am Markt auftauchenden Papieren kleinerer mittelständischer Unternehmen. Für diese ist es eigentlich eher ungewöhnlich, durch eine Emission Fremdmittel zu bekommen. Normalerweise werden hier Finanzierungen durch eine Bank vorgezogen. Den Anleihen dieser Unternehmen haftet der fade Beigeschmack an, dass sie durch Banken keine ausreichenden Gelder bekommen, und daher mit überdurchschnittlichen Zinsangeboten außerbörslich Anleger zu einer Investition überzeugen wollen.

 

Wandelanleihen

Wandelanleihen werden von Aktiengesellschaften herausgegeben. Während der Laufzeit erhalten die Anleger die vereinbarten Zinsen. Während ein klassisches festverzinsliches Wertpapier jedoch am Ende der Laufzeit zurückgekauft wird und der Anleger den Nominalpreis dafür erhält, besteht bei Wandelanleihen eine Alternative. Anstelle des Nominalwertes erhält der Anleger Aktien der Gesellschaft in einem Volumen, welches dem Nominalwert der Anleihe entspricht.

 

Pfandbriefe

Pfandbriefe werden von Hypothekenbanken emittiert und verbriefen besondere Sicherheiten. Zum einen sind sie durch Hypotheken besichert, gleich ob auf Grund und Boden, Schiffs- oder Flugzeughypotheken. Zum anderen werden die Forderungen daraus im Falle einer Insolvenz des Emittenten bevorzugt befriedigt.

 

Zertifikate – Aktienrisiko mit festen Zinsen

Der Banken liebstes Kind sind Zertifikate. Diese haben übersichtliche Laufzeiten, in der Regel 18 Monate, und sichern so durch permanente Wiederanlage der Kundengelder kontinuierlich einen Ausgabeaufschlag. Die Krux bei Zertifikaten für unerfahrene Anleger besteht darin, dass sie als Anleihe mit einem festen Zinssatz und kurzer, überschaubarer Laufzeit und einem hohen Bonus angepriesen werden. Es handelt sich dabei jedoch um Derivate, Kunstprodukte am Kapitalmarkt. Zertifikate sind jedoch mit einer oder mehreren Aktien unterlegt. Die Bonuszahlung erfolgt, je nach Ausprägung des Papiers, nur, wenn die Aktien während der Laufzeit bestimmte Kriterien erfüllt haben. Alternativ wird nur der Gegenwert am Laufzeitende erstattet, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt wurden. Es kann passieren, dass der Anleger am Ende der Laufzeit nicht sein Geld, sondern ein fast wertloses Zertifikat im Depot behält. Die Lehman-Pleite sollte allen Anlegern in Bezug auf Zertifikate noch in bester Erinnerung sein.

 

Die Rendite bei Anleihen

festverzinsliche Wertpapiere mit regelmäßiger ZinszahlungFestverzinsliche Wertpapiere bieten einen Ertrag, der von vorneherein feststeht. Entweder wird dieser Ertrag als laufende Zinszahlung ausgeschüttet oder bei einer Null-Coupon Anleihe über einen reduzierten Ausgabekurs gewährt.

Der Nominalwert einer Anleihe entspricht dem Kurswert, der in Prozent ausgedrückt wird, im Normalfall 100 Prozent. Ist die Anleihe besonders gefragt, steigt der Kurs über 100, sind die Konditionen eher schwach, sinkt er unter diese Marke. Der Nominalzins berechnet sich auf einen Kurs von 100. Beträgt die Zinszahlung drei Prozent pro Jahr, die Anleihe wird mit 100 Prozent begeben, wäre die Bruttorendite drei Prozent. Liegt der Kurs der Anleihe bei 103, die Laufzeit beträgt drei Jahre, muss der Zins um den höheren Preis, geteilt durch die Laufzeit, bereinigt werden. In diesem Fall beläuft sich die Bruttorendite nur noch auf zwei Prozent pro Jahr.

Die Rendite mindert sich noch um die Abgeltungssteuer und die Kosten, die mit dem Erwerb und der Depotführung anfallen. Erst wenn diese Faktoren berücksichtigt sind, steht die tatsächliche Nettorendite fest. Der Freistellungsauftrag gilt auch für festverzinsliche Wertpapiere, das heißt, die Abgeltungssteuer wird erst abgeführt, wenn der Zinsertrag bei Alleinstehenden 801 Euro, bei Ehepaaren 1.602 Euro übersteigt.

Anleihen werden üblicherweise an der Börse gehandelt, der Kurs ist analog zu Aktienkursen schwankend. Dabei sind die Kursausschläge allerdings nicht so gravierend, sondern schwanken häufig kurzfristig nur um die zweite Nachkommastelle.

 

Festverzinsliche Wertpapiere im Vergleich zu anderen Kapitalanlagen

Festverzinsliche Wertpapiere von Emittenten guter Bonität sind für Anleger, die Wert auf stabile Erträge legen, eine solide und absolut empfehlenswerte Geldanlage. Im Gegensatz zu Termingeldern können Anleihen börsentäglich verkauft werden, sind also flexibel. Die Zinsen liegen in der Regel über denen von Tagesgeldern, allerdings fällt bei vielen Banken immer noch eine Depotverwaltungsgebühr an. Aufgrund der mit Kauf und Verkauf verbundenen Kosten sollten sie allerdings nicht zur Liquiditätshaltung für den Notfall genutzt werden. Hier ist das Tagesgeld die bessere Lösung.

Wer auf Kursgewinne spekuliert, beispielsweise durch den Erwerb von Gold oder Silber, mag hier größere Erfolge erzielen, läuft allerdings Gefahr, dass sich der Kurs in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Darüber hinaus bringen Rohstoffe keine Ausschüttung. Geschlossene Fonds können unter steuerlichen Gesichtspunkten höhere Renditen erwirtschaften. Die jüngere Vergangenheit hat aber gezeigt, dass gerade Schiffsfonds häufiger abgewickelt werden mussten, was schlicht einen Verlust für die Anleger bedeutete. Geschlossene Fonds haben relativ lange Laufzeiten und sind im Falle von Geldbedarf nicht ohne Weiteres verkäuflich. Der Zweitmarkt für geschlossene Fonds, gleich ob Flugzeug-, Schiffs- oder Immobilienfonds, ist kein Paradies für Anleger, die ihren Anteil weiterveräußern wollen, im Gegenteil.

Konkrete Einzelimmobilien kombinieren den möglicherweise vorhandenen Steuervorteil mit einer gegenüber geschlossenen Fonds leichteren Verwertbarkeit, allerdings kann ein Gewinn, gerade bei kurzfristigem Verkauf, nicht gewährleistet sein. Diese genannten Anlagemöglichkeiten stellen keine Alternative zu Anleihen von Emittenten mit guter bis sehr guter Bonität dar. Die Einstufung der Bonität eines Emittenten erfolgt durch Ratingagenturen wie Moody‘s oder Fitch und kann im Internet nachgeschaut werden.

 

Anleihen News

Juli 2013: Die Zinswende am langen Ende ist da: Die Zinsen für Anleihen mit langen Laufzeiten steigen wieder. Damit werden Anleihen relativ zu Aktien wieder attraktiver.

 

 

Weitere Formen der Geldanlage

Geldanlage Gold

Geldanlage Silber

Geldanlage Rotwein

Geldanlage Denkmalimmobilien

Geldanlage Holz