Die FED relativiert die Zinserwartung gekonnt

Die FED senkt die Zinserwartung Wie die amerikanische Notenbank (FED) die US Zinswende smart managed. Janet Yellen hat als Meisterin des verbalen Seiltanzes in Form von Unverbindlichkeiten trotzdem genial auf die aktuelle Marktsituation und –erwartungen reagiert. Die Zinswende kommt – vielleicht – und fällt – vielleicht – viel geringer als erwartet aus.

 

Die FED hat seit mindestens 6 Monaten eine Anhebung der US Leitzinsen auf dem Radar. In den Protokollen des Offenmarktausschusses (FOMC) wird die Zinserwartung der stimmberechtigten Mitglieder für die nächsten Jahre in Form eines Dot-Plots veröffentlicht. Die Abbildung 1 zeigt die Zinsprojektionen der einzelnen FOMC Mitglieder im Dezember 2014 und im März 2015.

Die Zinserwartungen der FOMC Mitglieder sind gesunken

Abb. 1: Dot-Plot der US-Leitzinserwartung. Jeder Punkt stellt die Zinserwartung eines FOMC Mitglieds dar, links Daten vom 17.12.2014 und rechts vom 18.03.2015. Quellen:
http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/fomcprojtabl20141217.pdf
http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/fomcprojtabl20150318.pdf

 

Deutlich wird, dass die Zinserwartungen im März 2015 deutlich geringer als noch im Dezember 2014 sind. Und zwar für 2015 und 2016 und 2017. Janet Yellen erklärt diesen Unterschied zur 2014-Prognose mit einer geringeren Erwartung der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA. Die Zinserwartungen für Ende 2015 liegen aktuell im Korridor von 0,50% bis 0,75%, was einer Absenkung von etwa 0,50% entspricht.

Die Redaktion sieht die FED Entscheidung mal wieder als einen Beweis, wie wenig Verlass auf Prognosen von Analysten ist und gleichzeitig wie smart die FED vorgeht:

1. Der Aufwertungsdruck ist vom Dollar genommen: Der US Dollar hat in den letzten Monaten stark gegenüber dem Euro und auch anderen Währungen aufgewertet. Je stärker der US Dollar wird, desto teurer werden US Exportprodukte für die ausländischen Käufer, was die US Wirtschaft bremst. Wäre die FED auch im März 2015 bei ihrer Prognose vom März 2014 geblieben, hätte der Dollar in Erwartung baldiger höherer Zinsen gegenüber dem Euro weiter aufgewertet. Dieser Trend ist, wie am aktuellen Kursverlauf zu sehen ist, abrupt gestoppt. Die meisten Analysten und Ökonomen haben die Bereitschaft der FED, der US Wirtschaft einen starken Dollar zuzumuten, völlig überschätzt.

2. Der Druck bei den US Anleihen ist deutlich gemildert. Die 30 jährigen Staatsanleihen und auch solche mit kürzeren Laufzeiten haben extrem hohe Kurse erreicht. Bei einem schnellen Zinsanstieg ist die Wahrscheinlichkeit eines Kurssturzes und damit eines schnellen Renditeanstiegs sehr hoch. Mit der derzeitigen Ankündigung dreht die FED eher mit einer kleinen Schraube und versucht, die Luft kontrolliert langsam aus der Anleihenblase zu lassen.

3. Schutz der Bauherren vor schnell steigenden Immobilienkreditzinsen und damit Kreditausfällen: Die amerikanischen Privatpersonen haben sich bei den Immobilien bereits wieder stark verschuldet. In Amerika werden solche Kredite üblicherweise an die Kreditzinsen laufend angepaßt. Bei einem zu schnellen Anstieg der Zinsen, würde vermutlich eine Welle notleidender Immobilienkredite wie in 2008 entstehen. Die FED versuch auch hier wieder die Zinsentwicklung nur moderat zu gestalten.

 

Fazit: Die FED hat die Märkte überrascht, wenn nicht gar überrumpelt und einmal mehr gezeigt, dass das Wohl Amerikas an erster Stelle steht.

Die deutschen Tagesgeld- und Festgeldsparer sind von der FED Zinsprojektion auch mittelbar betroffen. Denn ein Anstieg der US Zinsen auf ein höheres Niveau, von vielleicht 0,75% oder 1,0% zum Jahresende 2015 würde auch die Zinslandschaft in Deutschland positiv beeinflussen. Da die EZB die Zinsen zusätzlich extrem niedrig hält, ist mit einem Anstieg der Zinsen bei Tagesgeld in 2015 nicht zu rechnen. Unsere Prognosen für die nächsten Jahre finden Sie hier: Tagesgeld Entwicklung 2016, Tagesgeld Prognose für 2017.

 

 

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