Finanzmärkte an geldpolitische EZB-Stimuli adaptiert, Wirkungen mit sinkendem Grenzertrag

Adaption der Finanzmärkte an EZB StimuliJüngster EZB-Beschluss ohne signifikante Auswirkung? Der nächste Schritt der EZB wäre wohl endgültig ein negativer Zinssatz auf Bankeneinlagen. Ein Leitzins in Höhe von 0,05 Prozent, vor Jahren noch undenkbar, ist seit September 2014 Realität. Das Traurige an der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank ist jedoch, dass sie nach wie vor faktisch wirkungslos bleibt. Die EZB Bazooka-Maßnahmen unterliegen dem Ertragsgesetz, verpuffen inzwischen als Dauerreize weil Wirtschaft und Markt an den EZB Maßnahmen adaptiert  sind .

Die Intention von Mario Draghi ist löblich, den Markt mit Geld versorgen zu wollen. Leider steht dem jedoch die nach wie vor restriktive Geldvergabepolitik der Geldhäuser gegenüber. Die Angst der Banken, Kredite könnten notleidend werden, überwiegt. Es ist vor allem die angeschlagene südeuropäische Wirtschaft, die dringend liquide Mittel für Investitionen benötigt und für die die EZB sich besonders engagiert, aber wer gibt einem schwächelnden Unternehmen schon freiwillig Geld?

 

Märkte mit Geld theoretisch überflutet

Die Inflationsrate entfernt sich immer weiter von den angepeilten zwei Prozent nach unten, Experten fürchten eine europaweite Deflation. Um dem entgegen zu wirken, bedarf es Geld. Geld für Investitionen wird genauso benötigt, wie Geld für die privaten Haushalte für den Konsum. Die Speicher sind voll, nur werden sie nicht geöffnet. Der Vorschlag der EZB, Unternehmenskredite von den Banken anzukaufen, mutet als weiterer verzweifelter Schritt an. Tatsache ist, dass inzwischen – theoretisch – mehr Liquidität für die Volkswirtschaften zur Verfügung steht, als letztendlich benötigt würde.

Vergleiche

 

Tagesgeld im Vergleich

 

 

 

Das Gesetz des sinkenden Grenzertrages beginnt zu wirken. Die Finanzmärkte haben die permanenten geldpolitischen Stimuli der EZB in Form von Leitzinssenkungen oder Formen der Liquiditätsbeschaffung durch längerfristige  Refinanzierungsgeschäfte (LTRO) etc. adaptiert. Die Maßnahmen unterliegen dem Ertragsgesetzt und bringen inzwischen nur noch geringen Output für die Realwirtschaft.

 

Der sinkende Grenzertrag

Unter dem Gesetz des sinkenden Grenzertrages versteht man salopp formuliert, dass bei zunehmenden Input irgendwann das Verhältnis Input/Output abnimmt. Mit zunehmendem Input muß dieser ab einem Sättigungspunkt gesteigert werden, um denselben Output zu erzielen, wie in Abbildung 1 dargestellt ist.

 

EZB Maßnahmen mit sinkendem Grenzertrag

Abb. 1: Ertragsgesetz: Zusammenhang von Input und Output. Mit steigendem Input sinkt ab Phase III der Output und geht schließlich ganz zurück (Phase IV): Gesetz vom sinkenden Grenzertrag. Quelle: Wikipedia

 

Wenn mehr Produktivität zur Verfügung steht, als benötigt wird. Mikroökonomen erklären dies gerne an einem Beispiel aus der Landwirtschaft. Ein Bauer bestellt ein Feld und erwirtschaftet damit in einem bestimmten Zeitraum den Betrag X. Ein weiterer Bauer kommt hinzu, die Arbeit nimmt nur die Hälfte der Zeit in Anspruch, der hälftige Ertrag ist für beide ausreichend. Ab einer bestimmten Menge Bauern, die dieses Feld bewirtschaften, wird der Ertrag jedoch für alle zusammen unrentabel. Für den letzten Bauern, der hinzukommt, gibt es nichts mehr zu tun.

Aus der Physiologie ist bekannt, dass der erste Reiz die Rezeptoren besonders stimuliert, ein Dauerreiz aber zur Adaption führt und dann relativ wenig wahrgenommen wird, unabhängig davon ob er dem System schadet oder nicht. Die EZB Maßnahmen sind genau zu einem Dauerreiz für die Märkte, insbesondere für die Börsen, geworden.

Ähnlich verhält es sich mit den liquiden Mitteln der EZB – es sind so viele, dass sie am Ende in der Summe nicht mehr genutzt werden können. Die Finanzmärkte sind an die geldpolitischen Stimuli von Mario Draghi adaptiert und immer neue, zusätzliche Maßnahmen zur Wirtschaftsbelebung erzielen entsprechend dem Grenzertragsgesetz kaum noch Wirkung.

 

 

 

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