Was ist EONIA

EONIA (Euro OverNight Index Average)Nicht ganz so im Fokus wie der Leitzins der Europäischen Zentralbank steht der EONIA, der allerdings auch ein Index ist, dem volkswirtschaftliche Bedeutung zu kommt. Hinter dem EONIA Begriff verbirgt sich die Bezeichnung EuroOvernight Index Average. Dieser Index, der auf die dritte Nachkommastelle berechnet wird, zeigt, zu welchem Zinssatz sich Banken unbesichert über Nacht Gelder ausleihen. Der Satz wird von der EZB ermittelt, da es sich um vertrauliche Daten handelt. Unter anderen wird der aktuelle EONIA Kurs hier veröffentlicht.

Die Bundesbank führt in der Datei BBK01.SU0304 die Monatsdurchschnittswerte des EONIA. Die Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des Tagesgeldzinssatzes von 1999 – 2014.

 

Zeitreihe EONIA 1999 -2014

Abb. 1: EONIA Entwicklung: Monatliche Durschnittswerte von 1999 – 2014. Quelle: Bundesbank EONIA

 

Seit 1999 gab es zwei markante Maxima des EONIA: 2001 und 2008. Im April 2001 erreichte der Zinswert mit 5,06% den höchsten Stand im Analysezeitraum. Ein weiteres Maximum wurde unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise im September 2008 mit 4,27% erreicht. Durch die anschließenden mehrmaligen und zeitlich dicht aufeinanderfolgenden Leitzinssenkungen sank der EONIA in den folgenden 12 Monaten  schnell. Nach der letzten Leitzinssenkung auf 0,05% (04.09.2014) schwankt der Wert um die null Prozent. An einigen Tagen im September 2014 wurden auch schon negative EONIA Werte als Kurs gestellt.

 

Nur geringe Auswirkungen gehen von dem EONIA Index auf die Kapitalmarktzinsen aus, weshalb die Tagesgeldzinsen davon stärker als die Festgeldzinsen beeinflußt werden. Der EONIA selbst wird neben weiteren makroökonomischen Faktoren besonders durch die Höhe der Überschussliquidität beeinflusst.

 

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42 Banken bilden die Grundlage zur Berechnung

Der EONIA ist weniger ein Zinssatz, als viel mehr ein Index, der sich aus den zugrunde liegenden Zinsen ermittelt. Der Index wurde am 3. September 2007 eingeführt, um einen Maßstab für Interbankengeschäfte zu bekommen. Daraus lässt sich eine Tendenz für die Entwicklung der Geldmarktzinsen ableiten und der Indexstand beeinflußt damit direkt die Tagesgeldzinsen. Genutzt werden für die Ermittlung die Zinsen, welche sich die Euribor-Panel Banken im Euroraum für unbesicherte Geldmarktkredite gegenseitig in Rechnung stellen. Dieses Panel setzt sich aus 36 Banken, die in der Eurozone angesiedelt sind, drei Banken aus anderen EU-Ländern und drei Banken außerhalb Europas zusammen.

Die Mitglieder des Panels müssen an jedem Targettag bis 18:30 Uhr die Volumina und dafür berechneten Zinsen an die EZB melden. Ein Targettag ist nicht zwangsläufig ein Bankarbeitstag, sondern definiert sich dadurch, dass an diesem Tag mindestens zwei Zahlungen durch das Trans-European Automated Real-Time Gross-Settlement Express Transfer System (Target) abgewickelt werden. Zur Ermittlung des EONIA werden von den 42 gemeldeten Sätzen die 15 höchsten und 15 niedrigsten gestrichen. Aus den verbliebenen 12 Zinssätzen ermittelt die EZB den Index und leitet ihn zwischen 18:45 und 19:00 Uhr an die Agentur Reuters weiter, die ihn dann auf der Homepage bekannt macht. An der Börse wird der Kurs unter ISIN: EU0009659945 geführt.

 

EONIA Grundlage für ausgewählte Finanzprodukte

Die Finanzwelt wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht entsprechende Produkte für eine Geldanlage entwickelt hätte, die auf dem EONIA aufbauen. Traden kann man mit allem, es muss nur richtig verpackt sein. Der EONIA bildet beispielsweise die Grundlage für Zinsswaps, EONIA-Zertifikate und EONIA-Indexfonds. Letztere versuchen, den Index nachzubilden. Seit dem Jahr 2008 kann über die Finanzagentur eine Tagesanleihe erworben werden, deren Verzinsung direkt an den EONIA gekoppelt ist.

 

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