Vorsicht bei intransparenten Fonds

steuerliches risiko bei intranparenten FondsIntransparente Fonds suggerieren bereits von der Bezeichnung her keine Anlage, die Vertrauen erweckt. Investoren legen heute Wert auf größtmögliche Transparenz, immerhin möchte ein Anleger wissen, wie und wo sein Geld investiert ist und, vor allem, wie die Besteuerung erfolgt. Der Begriff intransparente Fonds ist kein Schlagwort, sondern beschreibt ein Fondskonzept, welches sich von transparenten Fonds deutlich abgrenzt. Hier lauter ein hohes Risiko für Anleger bei der Besteuerung.

 

 

Pfeil rot Update: Klärung der Rechtslage dahingehend, dass der Europäische Gerichtshof am 09.10.2014 die bisherige Praxis der pauschalierten Besteuerung von intransparenten ausländischen Fonds für nicht zulässig erklärt (Az. C-326/129). Die Besteuerung erfolgt aber an der Quelle bei der depotführenden Bank. Der Anleger muß dementsprechend die zu viel von der Bank abgeführten Steuern in der Einkommensteuer durch Belege geltend machen.

 

Prospektierung zeigt den Unterschied

Dreh- und Angelpunkt für die Einstufung eines Fonds ist der § 5 des Investmentsteuergesetzes (InvStG). Dieser regelt, welche Voraussetzungen ein Fonds in Bezug auf Besteuerung und Offenlegung der steuerlichen Handhabung erfüllen muss. Grundsätzlich gilt bei einem Investmentfonds, dass alle Erträge des Fonds, seien es Dividenden oder Zinsen oder seien es Verkaufserlöse, der Besteuerung im Sinne der Abgeltungssteuer unterliegen. Dies gilt auch, wenn diese Erträge nicht ausgeschüttet werden, sondern thesauriert, also wieder angelegt werden. Diese Erträge müssen gemäß InvStG prospektiert werden. Für den Anleger bedeutet dies eine recht klare Regelung in  Bezug auf seine steuerliche Veranlagung. Fehlt die Bekanntmachung der Besteuerungsgrundlagen, wird der Fonds als intransparenter Fonds eingestuft. In diesem Fall hat der Gesetzgeber eine andere Besteuerungsgrundlage geschaffen, die für Anleger durchaus nachteilig ist.

 

 

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Paragraf 6 InvStG – es wird teuer

Der Paragraf 6 InvStG legt eine sehr viel höhere Besteuerungsgrundlage zugrunde:

„Sind die Voraussetzungen des § 5 Abs. 1 nicht erfüllt, sind beim Anleger die Ausschüttungen auf Investmentanteile, der Zwischengewinn sowie 70 Prozent des Mehrbetrags anzusetzen, der sich zwischen dem ersten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreis und dem letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreis eines Investmentanteils ergibt; mindestens sind 6 Prozent des letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreises anzusetzen.“

Das Amtsdeutsch übersetzt bedeutet schlicht, dass unabhängig davon, wie sich der Fonds zum Jahresende entwickelt hat, mindestens sechs Prozent des letzten Rücknahmepreises als Besteuerungsgrundlage angesetzt werden. Fand die letzte Kursfeststellung im Juni statt und der Fonds hat seit dem einen Verlust von 70 Prozent erfahren, muss der Anleger dennoch auf sechs Prozent des Kurses vom Juni Steuern abführen. Diese Ersatzbemessungsgrundlage kumuliert, wenn der Fonds nicht nur von einer, sondern von mehreren Personen gehalten wurde oder ein Depotübertrag stattgefunden hat und eine Besteuerung nicht sofort stattfand. In diesem Fall werden die Gewinne der Vorjahre hochgerechnet und kommen dann zur Besteuerung. Einem Anleger kann es folglich passieren, dass er seinen Fondsanteil mit einem Verlust verkauft, aber dennoch erhebliche Steuern auf vermutete Gewinne abführen muss. Bankkunden, denen dieses widerfährt, gehen in der Regel erst einmal von einem Fehler der Bank aus. Erst mit dem Hinweis auf die fehlenden öffentlichen Bekanntmachungen bezüglich des Kurswertes und der Ausschüttungen führen dann zu einem herben Erwachen.

Allerdings steht aktuell ein Entscheid beim Gerichtshof der Europäischen Union aus, ob die Ausführungen im § 6 InvStG tatsächlich mit dem Europarecht übereinstimmen. Entsprechend lassen die Finanzämter Einsprüche mit Bezug auf dieses EuGH anhängige Verfahren, üblicherweise ruhen.

 

Wie können sich Anleger schützen?

Die Vermutung, dass nur Fonds von dubiosen Emittenten i n die Kategorie der intransparenten Fonds fallen, sind allerdings ein Irrglaube. Unter der WKN 989971 wird an deutschen Börsen der Nasdaq 100 Trust. Emittent ist The Nasdaq Stock Market, Inc..  Der Emissionsprospekt weist zwar alle anfänglich relevanten Daten auf, eine jährliche Prospektierung der nach § 5 InvStG relevanten Daten ist aber nicht erfolgt.

Dies gilt beispielsweise auch für den ProSh.Ultrash.20+ Year Treasuries mit der  WKN: A1J41H.

Anleger, die potenzielle Chancen eines solchen Fonds der Besteuerung unterordnen, sollten sich auf jeden Fall vergewissern, dass der gewünschte Fonds regelmäßig alle steuerlich relevanten Daten publiziert und es auch eine Kursfeststellung am letzten Handelstag im Jahr gibt. Fondsprospekte sind jederzeit über das Internet einsehbar, im Zweifelsfall hilft ein Anruf bei der depotführenden Bank.

 

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