Guthaben auf Sichteinlagen mit großem Zuwachs

Zum Begriff Sichteinlagen: Dabei handelt es sich um Gelder, über die der Kontoinhaber jederzeit verfügen kann. Dazu zählen Guthaben auf Girokonten und typischerweise auch solche auf Tagesgeldkonten. Der Kontoinhaber kann jederzeit ohne das Kreditinstitut darüber zu informieren, über Teile des Guthabens oder auch den gesamten Betrag verfügen. Die Entwicklung der Sichteinlagen in Deutschland von Privatpersonen werden in diesem Artikel diskutiert.

 

Banken können mit diesen Geldern schlechter kalkulieren als mit Spareinlagen oder Termineinlagen. Allerdings ist es auch nicht so, dass die Banken sämtliche Sichteinlagen täglich vorhalten. Die Institute verfügen über ausgedehnte Datensätze wie die Kontoinhaber ihr Guthaben auf Sichteinlagen nutzen. Aus den historischen täglichen Zu- und Abflüssen können Zeitreihen gebildet werden und die Beträge, die die Bank in Normal- und auch in Notsituationen vorhalten muss bestimmt werden. Entsprechend kann der Teil der Sichteinlagen, der nicht benötigt wird, an andere Kunden als Kredit ausgeliehen werden, oder anderweitig verwendet werden.

 

Entwicklung der Guthaben von Sichteinlagen in Deutschland 1970 – 2014

Starker Zuwachs bei den Sichteinlagen durch Tagesgeld
Seit Ausbruch der Finanzkrise steigen die Sichteinlagen, also die Einlagen auf Girokonten und Tagesgeldkonten stark an. Im Januar 2014 parkten inländische Privatpersonen rund 908,5 Milliarden Euro auf diese Weise ihr Geld bei allen Bankengruppen. Im Jahr 2007, also unmittelbar vor Ausbruch der Krise waren es durchschnittlich nur 458,2 Milliarden Euro Die folgende Abbildung 1 zeigt die zeitliche Entwicklung der Sichteinlagen von 1970 bis 2014.

 

Sichteinlagen zeitliche Entwicklung

Abb. 1: Zeitliche Entwicklung der Sichteinlagen (Einlagen auf Girokonten + Tagesgeldkonten) inländischer Privatpersonen von 1968 bis 2014. Quelle: Bundesbank

 

In nahezu jedem Jahrzehnt hat sich das Guthaben der Sichteinlagen mehr als verdoppelt. Besonders steil fällt die Zunahme der Sichteinlagen seit dem Ausbruch der Finanzkrise in 2008 auf. Betrugen die Guthaben zum 1. Januar 2008 noch 464,1 Milliarden €, waren es zum 1. Januar 2010 schon 645,263 Milliarden €, zum 1. Januar 2013 schon 820,501 Milliarden €.

Besonders auffällig ist die anhaltende Zunahme der Sichteinlagen in den vergangenen 12 Monaten, vermutlich bedingt durch Einzahlungen auf Tagesgeldkonten, obwohl die Tagesgeld Zinsen rückläufig sind. Aktuell gibt es sogar Hinweise auf Mittelabflüsse von Termingeldeinlagen und Umschichtungen auf das täglich verfügbare Konto. Online Tagesgeld ist damit so beliebt wie nie zuvor.

 

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Während Privathaushalte vor der Euro Währungsumstellung kaum Geld bei ausländischen Banken im Inland deponierten, steigen die Werte seither an (blaue Kurve). Dies liegt sicherlich auch an einer zunehmenden Präsenz dieser Banken in Deutschland. Insbesondere Zweigstellen oder Onlinepräsenzen von Auslandsbanken werben seit Ausbruch der Finanzkrise erfolgreich mit hohen Zinsen auf Tagesgeldkonten. Immerhin befanden sich im Januar 2014 rund 25,7% der gesamten Sichteinlagen (233,3 Mrd. Euro) auf Konten von Auslandsbanken. Da die Sichteinlagen auch Einlagen auf Girokonten enthalten, dürfte der Anteil ausländischer Banken am Tagesgeldvolumen über 30% betragen. Tendenz weiter zunehmend: In den letzten Monaten wechselten sich fast ausnahmslos die Renault Bank und die MoneYou als Zinsmarktführer ab. Inzwischen gibt es mit der Sberbank und der PSA Direktbank noch mehr ausländische top Anbieter.

Update: Die aktuellen Daten der Bundesbank zum Geldvermögen vom Oktober 2014 belegen: Die privaten Haushalte hatten zum 31.07.2014 mit 4976 Milliarden Euro mehr Geld als jemals zuvor auf der hohen Kante. Und Tagesgeld ist und bleibt als liquide Geldanlage bei den Bürgern beliebt. Die Sichteinlagen (Girokonto- und Tagesgeldeinlagen) in Höhe von 1060 Mrd. Euro stiegen um 23 Milliarden Euro. Dagegen verzeichneten Sparkonten und Festgeldanlagen einen Abfluss von 4 Mrd. Euro.

Guthaben aus Sichteinlagen fallen unter die Europäischen Einlagensicherung. Anleger sollten aber auch bei Sichteinlagen beachten, dass die EU eine Nivellierung der Beteiligung von Gläubigern bei Bankinsolvenzen beabsichtigt.

Damit führt die augenblickliche Finanzkrise, Staatsschuldenkrise und EU-Währungskrise bei den Anlegern dazu, ihr Geld lieber zu parken, als langfristig festlegen. Sparer verzichten offenbar lieber auf höhere Zinsen und Rendite an den Aktienmärkten, um flexibel zu bleiben.

 

 

 

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