Abwertung der Währungen läßt Zinsen sinken

Weltweite Währungsturbulenzen, steigender Euro – sinkende Zinsen

Es sah so aus, als kehre allmählich wieder Ruhe an den Kapitalmärkten ein. Die Europäische Zentralbank sah im Januar 2013 von einer weiteren Zinssenkung ab. Staatsanleihen von Krisenländern wurden mit deutlich niedrigeren Risikoprämien gehandelt, zehnjährige Bundesanleihen verzeichnen einen Anstieg der Rendite. Eigentlich beste Voraussetzungen für eine Stabilisierung der Eurozone, wenn die Japaner nicht wären.

 

Japan zieht alle Register

Währungskrieg

Japan als Exportnation hat ein Problem. Der Yen ist im Vergleich zum Euro einfach zu teuer. Dies hemmt den Export, die japanische Wirtschaft kommt nicht in die Gänge. Dazu kommt noch eine Deflation im Land der aufgehenden Sonne.

Der neue konservative Premier Abe will diesem Dilemma mit ganz eigenen Mitteln beikommen – er hat die Notenpresse angeworfen. Ziel ist es, die Inflation im eigenen Land auf zwei Prozent heraufzuschrauben und den Yen im Vergleich zu anderen Währungen deutlich zu verbilligen. Die Politik des Gelddruckens, auch von den USA zur Ankurbelung der Außenwirtschaft praktiziert, und der damit verbundenen Stärkung des Exports, bedeutet die nächste Gefahr für die Eurozone.

Zwar notiert der Dollar für alle Länder gleichermaßen mit einem Kurs gegenüber anderen Währungen, nur innerhalb der EU selbst ind die Währungsverhältnisse gegenüber dem Dollar gänzlich unterschiedlich. Über die Eurozone verteilt, wäre eine Abwertung des Euros gegenüber dem Dollar in den Mittelmeerstaaten um 15 Prozent, gemessen an der Wirtschaftsleistung der Länder, korrekt. Stärkere Nationen wie Deutschland beispielsweise wären mit einer Aufwertung von 15 Prozent realistischer eingestuft. Die von Japan angekündigte, von den USA und Großbritannien bereits praktizierte Notenbankpolitik, wird für die schwächeren Mitgliedsstaaten der EU, und damit auch für Mario Draghi, zu einer erneuten Herausforderung.

 

Erneute Stützung wird notwendig

Ein steigender Euro und eine damit einhergehende Abschwächung des Exportes würden eine erneute Leitzinssenkung notwendig machen. Unternehmen benötigen Geld, können dies aber nicht mehr durch den Warenabsatz erwirtschaften. Damit Kredite bezahlbar bleiben, wäre eine erneute Absenkung der Leitzinsen das offensichtlichste Mittel. Niedrigere Zinsen könnten auch eine kostengünstigere Preispolitik ermöglichen, umso der geplanten japanischen Exportflut gegenüberzutreten.

Für Bauherren mögen diese Zukunftsaussichten positive Aspekte aufweisen. Baugeld bleibt billig. Anleger, auf der anderen Seite, haben nach wie vor größte Probleme, rentierliche Geldanlagen zu finden. Das jüngste Abbröckeln der Geldmarktzinsen auf breiter Front könnte ein Indiz dafür sein, dass das oben beschriebene Szenario im Laufe des Jahres 2013 Gestalt annehmen wird. Zu heterogen sind die europäischen Märkte untereinander, als dass ein geschlossenes Gegenübertreten möglich wäre. Während die deutsche Wirtschaft der japanischen Offensive zwar nicht entspannt, aber doch gegenübertreten kann, wird es für die Mittelmeeranrainerstaaten ein weiterer Kampf um Stabilität und Konsolidierung. Anstelle der Stärkung des Exportes wird die Binnenwirtschaft zusätzlich durch preisgünstigere japanische Produkte im Absatz geschwächt – keine rosigen Aussichten.